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Frankfurter Sparkasse erhebt nun auch Verwahrentgelte bei Bestandskunden

Die Frankfurter Sparkasse kontaktiert seit Februar auch Bestandskunden mit Guthaben über 100.000 Euro, damit sie Verwahrentgelte akzeptieren. Das Negativzinsumfeld und die Coronakrise lassen das Ergebnis vor Steuern 2020 um 40 Prozent einbrechen.

Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse | Foto: Frankfurter Sparkasse

Das Ergebnis vor Steuern der Frankfurter Sparkasse ist 2020 um 40 Prozent eingebrochen - dennoch liegt das Institut damit "leicht über den Planungen", wie Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, auf der Pressekonferenz mitteilt.

Da wir als einlagenstarkes Institut von den Null- bzw. Negativzinsen betroffen sind, hatten wir in unserer Planung mit einem rückläufigen Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung gerechnet

Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse

Auch das Betriebsergebnis vor Bewertung, das um fast 19 Prozent zurückging, würde nur leicht unter Plan liegen. "Da wir als einlagenstarkes Institut von den Null- bzw. Negativzinsen betroffen sind, hatten wir in unserer Planung mit einem rückläufigen Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung gerechnet", betont der Vorstandsvorsitzende.

Verwahrentgelte für Bestandskunden

Nicht nur Neukunden, sondern auch Bestandskunden müssen ab einem Guthaben von 100.000 Euro nun ein Verwahrentgelt zahlen, das sich auf 0,5 Prozent beläuft. "Wir sprechen seit dem 1. Februar unsere Bestandskunden sukzessive an", sagt Wiedemeier. Die Sparkasse würde den betroffenen Kunden Alternativanlagen vorschlagen.

Deutlichliches Wachstum sah die Frankfurter Sparkasse im Wertpapiergeschäft, hier nahm der Gesamtumsatz um fast ein Drittel zu. "Die Finanzmärkte erholten sich glücklicherweise schnell von dem Corona-Schock und stellten für viele Sparer auch aufgrund fehlender renditestarker Alternativen einen idealen Einstieg in Wertpapieranlagen und -sparpläne dar", so Wiedemeier.

Immer wieder möchten Kunden zur Verwahrung ihres Goldes unsere Schließfächer nutzen. Wir sind aber noch nicht vollvermietet, es sind noch Fächer frei.

Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse

Auch die Nachfrage nach Gold sei angestiegen. "Immer wieder möchten Kunden zur Verwahrung ihres Goldes unsere Schließfächer nutzen. Wir sind aber noch nicht vollvermietet, es sind noch Fächer frei", sagt Wiedemann auf Nachfrage von FinanzBusiness. "Im Frühjahr gab es kurzzeitig sogar Nachfrage, Cash in Schließfächern zu verwahren, der sogenannte Bank-Run blieb dann aber zum Glück aus", ergänzt er.

Während der Zinsüberschuss angesichts des Niedrigzinsumfeldes weiter unter Druck geriet und um sieben Prozent sank, konnte die Sparkasse den Provisionsüberschuss weiter ausbauen. Er legte um fast 14 Prozent zu, das sei in Teilen auch auf das gestiegene Wertpapiergeschäft zurückzuführen.

Ertragsentwicklung unabhängiger vom Zinsgeschäft machen

"Die Sparkasse ist ihrem mittelfristigen Ziel, das Provisionsgeschäft zu forcieren, um die Ertragsentwicklung unabhängiger vom Zinsgeschäft zu machen, damit ein Stück näher gerückt", sagt Wiedemeier. "Im nächsten Jahr möchten wir mit unserem Provisionsüberschuss die 100-Millionen-Marke knacken."

Der Verwaltungsaufwand konnte im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent verringert werden, dennoch erhöhte sich die Cost-Income-Ratio von 76,6 auf 79,4 Prozent.

Anstieg der Risikovorsorge

Die Frankfurter Sparkasse legt angesichts der Pandemie mehr Geld auf die hohe Kante. Die Risikovorsorge, die im Bewertungsergebnis enthalten ist, stieg von 3,2 Mio. auf 17 Mio. Euro.

Auch für das laufende Geschäftsjahr plane die Bank eine Risikovorsorge in dieser Größenordnung ein. "Zu berücksichtigen ist, dass die Insolvenzantragspflicht bis zum 30. April 2021 ausgesetzt wurde. Wir gehen davon aus, dass sich die Situation in diesem Jahr verschärfen wird", so Wiedemann.

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