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EU-Ratspräsidentschaft will Verbot von Payment for Orderflow kippen

Die tschechische Regierung hat dazu einen neuen Anlauf gestartet. In einem sogenannten Non-Paper sondiert sie Alternativen zu einem Verbot.

Beim Thema PFOF gibt es in Brüssel Bewegung. | Foto: Yves Herman/REUTERS / X00380

Ende vergangenen Jahres gab es Aufregung in der Brokerage-Szene. Die EU-Kommission schlug eine Vereinheitlichung der europäischen Finanz- und Kapitalmärkte vor. Darin enthalten auch ein PFOF-Verbot. Die Abkürzung steht für ”Payment for Orderflow”.

Konkret ist es die Vergütung, die ein Börsenmakler von einem Market Maker im Austausch dafür erhält, dass der Broker die Trades seiner Kunden an den Makler weiterleitet. Bei dem Verbot geht es um mögliche Interessenkonflikte bei diesen Rückvergütungen. So zumindest die Auffassung der Kommission.

Bei Payment for Orderflow zeichnet sich in Brüssel ein Kompromiss ab

Seitdem ist das Thema nicht mehr zur Ruhe gekommen. Nachdem es im ersten Halbjahr unter französischer Führung nicht zu einer Einigung gekommen ist, will nun die tschechische Ratspräsidentschaft einen neuen Anlauf unternehmen, das Verbot doch noch zu verhindern. Das berichtet die ”Börsen-Zeitung” unter Verweis auf ein sogenanntes Non-Paper.

Darin sondieren die Tschechen unter Führung ihres Finanzministers Zbyněk Stanjura eine Alternative zu einem Verbot. Sie setzen demnach eher auf eine Straffung von Marktpraktiken, das Managen von möglichen Interessenkonflikten, mehr Transparenz sowie auf die bereits in Mifid II bestehenden Best-Execution-Vorschriften, um Kleinanleger zu schützen.

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”PFOF akzeptable Marktpraxis”

Der Vorschlag der EU-Kommission werde abgelehnt, neue, parallele Vorschriften in der Mifir-Regulierung zu verankern. Es gehe darum, rechtlich klarzustellen, dass PFOF eine akzeptable Marktpraxis sei, zitiert das Blatt aus dem Papier. Unter der Voraussetzung, dass Interessenkonflikte bei Rückvergütungsmodellen ordnungsgemäß gehandhabt und offengelegt würden sowie die besten Ergebnisse für die Kunden erzielt würden.

Auch wird weiter über die ein sogenanntes Consolidated Tape diskutiert. Was sich dahinter verbirgt: Den Brüsseler Plänen zufolge soll ein neues Vergleichsregister Investoren in die Lage versetzen, die für sie günstigsten Transaktionen zu erkennen. Bislang gibt es sowohl für Privatanleger als auch für Banken und Vermögensverwalter keine solche transparente Vergleichsmöglichkeit, auch ”Consolidated Tape” genannt.

Consolidated Tape in abgespeckter Form

Das Consolidated Tape wird allem Anschein nach kommen, aber eher in abgespeckter Form - nur mit Nachhandelsdaten statt Vorhandelsdaten. Das EU-Parlament will den gemeinsamen Datenträger auf Aktien auf andere Finanzinstrumente wie Derivate ausweiten. Denkbar ist in der politischen Brüsseler Szene, dass die Kommission das Thema PFOF-Verbot entspannter sieht, wenn es einen gemeinsamen Datenträger geben wird.

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Ein entsprechender Vorstoß der polnischen Berichterstatterin Danuta Hübner (EVP) war im Sommer bekannt geworden. Wie es heißt, liegt im EU-Parlament noch keine abgestimmte Position zu den Hübner-Entwürfen vor. Ein Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens werde erst 2023 erwartet.

Geschäftsmodell der Neobroker wäre gefährdet

Experten sehen das Geschäftsmodell der europäischen Online-Broker gefährdet, sollte der Bann kommen. Denn damit würde die wichtigste Ertragsquelle deutscher Fintechs - wie etwa Trade Republic oder Scalable Capital - versiegen. Deren Geschäftsmodell basiert in hohem Maße auf der Gebühr. Die kostenfreien Angebote der Neobroker sind oft nur möglich, weil sie Kunden an die mit ihnen verbundenen Marktplätze gegen eine Provision weiterreichen.

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