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Lagarde plädiert für schnelle Mittelverteilung aus Corona-Aufbaufonds

Weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft seien denkbar, teilte die EZB-Chefin in einem Interview mit. Zudem sprach sie sich für einen europäischen Aufbaufonds als "dauerhaftes Instrument" aus.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde | Foto: picture alliance

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, plädierte in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Monde" für eine schnelle Auszahlung der Gelder aus dem Corona-Hilfspaket. Die EZB veröffentlichte das Interview auf ihrer Website.

Die Gelder müssten zielgerichtet sein, ansonsten drohe, dass sie im "administrativen Labyrinth" verloren gingen und die Wirtschaftshilfen nach der Pandemie versandeten. Dazu zähle vor allem, dass die Hilfen für nachhaltige und digitale Innovationen getätigt werden müssten.

Im Zuge der Corona-Krise hatte die EZB im März einen 750 Mrd. Euro schweren Aufbaufonds für die Behebung der wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Krise bei gleichzeitiger Erneuerung der europäischen Wirtschaft aufgelegt, der seitdem auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt wurde.

Weitere Corona-Hilfsmaßnahmen nicht ausgeschlossen

Doch das ist noch nicht das Ende - weitere Maßnahmen der EZB seien laut Lagarde denkbar: "Die Möglichkeiten in unserem Werkzeugkasten sind noch nicht ausgeschöpft", sagte sie der Zeitung Le Monde.

Die Möglichkeiten in unserem Werkzeugkasten sind noch nicht ausgeschöpft.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)

Die EZB werde die weitere Entwicklung in der Pandemie beobachten. "Wenn mehr getan werden muss, werden wir mehr tun", betonte Lagarde. Darin könnte bereits ein Bekenntnis zur weiteren Lockerung der Geldpolitik liegen, wie etwa der Ausweitung des billionenschweren Anleihekaufprogramms. Die nächste Zinssatzentscheidung der EZB steht am 29. Oktober an.

EZB-Chefvolkswirt schürt Gerüchte um weitere geldpolitische Maßnahmen 

Europäischer Aufbaufonds als dauerhaftes Instrument

Die Kooperation der nationalen Regierungen für das Aufsetzen des EU-weiten Aufbaufonds und die dadurch gezeigte Solidarität sei für Lagarde ein "wichtiger Wendepunkt für Europa". Dadurch habe die EZB nun ein zusätzliches Instrument zur Verfügung, auch wenn dies aktuell noch eine Ausnahme darstelle. Die EZB-Präsidentin fordert eine offene Diskussion über einen EU-weiten Rettungsfonds als dauerhaftes Instrument im "europäischen Werkzeugkasten".

Ich hoffe, dass es auch eine Debatte über ein gemeinsames Haushaltsinstrument für den Euroraum geben wird, und dass sie durch unsere derzeitigen Erfahrungen bereichert wird.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)

In der erfolgreichen Kooperation beim Corona-Rettungsfonds sieht Lagarde einen Meilenstein auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik: "Ich hoffe, dass es auch eine Debatte über ein gemeinsames Haushaltsinstrument für den Euroraum geben wird, und dass sie durch unsere derzeitigen Erfahrungen bereichert wird."

Zudem schließe sie sich ihrem Vorgänger Mario Draghi an und betrachtet den Euro als "unumkehrbar".

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