FinanzBusiness

ZEW-Indikator für Banken weiter sehr schlecht

Der ZEW-Indikator für September ist gestiegen - sogar auf einen Rekordwert. Die Aussichten für die Banken sind allerdings mau.

Ein besonderer EC-Geldautomat steht vor Karls Erlebnishof in Rostock-Rövershagen. Er ist zusätzlich mit Blechplatten und rostigen Handrädern "gesichert" - eines der vielen scherzhaften Dinge bei Karls. (Symbolbild) Foto: picture alliance/Volkmar Heinz/dpa-Zentralbild/ZB

Der ZEW-Indikator für die Konjunkturerwartung im September ist auf den höchsten Wert seit 20 Jahren gestiegen. Der Indikator verbesserte sich um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler. Höher lag er zuletzt im Mai 2000. Analysten hatten dagegen mit einem Rückgang auf 69,5 Punkte gerechnet.

Es zeige sich, dass die Experten weiter von einer spürbaren Erholung der deutschen Wirtschaft ausgingen, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach und fügte hinzu: "Die ins Stocken geratenen Brexit-Verhandlungen und die steigenden Corona-Infektionszahlen konnten die positive Stimmung nicht bremsen. Der nach wie vor schlechte Ausblick für den Bankensektor weist auf Befürchtungen einer steigenden Zahl von Kreditausfällen im nächsten halben Jahr hin."

Der nach wie vor schlechte Ausblick für den Bankensektor weist auf Befürchtungen einer steigenden Zahl von Kreditausfällen im nächsten halben Jahr hin.

Achim Wambach, Präsident des ZEW

Bankenbranche mit schlechtestem Indikator-Wert

Während die allgemeinen Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen, sieht die Einschätzung für den Bankensektor ganz anders aus. Hier rechnen nur 7,9 Prozent der Befragten mit einer Verbesserung, auch wenn ein Plus von 1,9 Prozent zu Buche steht. 27,2 Prozent (plus 2,9 Punkte) glauben, dass sich nichts verändert - aber 64,9 Prozent (minus 4,8 Punkte) gehen von einer Verschlechterung aus. Damit bewegt sich dieser Unterindikator weiter mit minus 57,0 Punkten tief im negativen Bereich, wenngleich er sich um 6,7 Punkte verbessert hat.

Es handelt sich gleichzeitig um den mit Abstand schlechtesten Branchenindikator. Der zweitniedrigste Wert entfällt mit minus 29,0 Punkte auf die Versicherungsbranche. Daneben verzeichnen nur noch drei weitere Branchen (Fahrzeuge, Elektro, Maschinen) negative Werte zwischen minus 17,6 und minus 1,3.

Am optimistischsten sind die Aussichten für die Branche der Informationstechnologien mit einem Indexwert von plus 68,6 Punkten, auch wenn sich dieser zuletzt um 2,9 Punkte verringerte.

"Insgesamt wird eine kräftige Erholung der Wirtschaft im dritten Quartal angezeigt", kommentierte Ulrich Wortberg, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Zahlen seien zudem eine Indikation für das Ifo-Geschäftsklima, das in der kommenden Woche ansteht.

Die Befürchtung, dass es aufgrund von steigenden Unternehmensinsolvenzen zu Kreditausfällen kommt, die die Banken stark belasten, ist nach wie vor groß. Bisher ist dieser Fall nicht eingetreten.

Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft bei der DZ Bank

Zum schlechten Abschneiden des Bankensektors sagte Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der DZ Bank, zu FinanzBusiness: "Das liegt an den nach wir vor unsicheren Zeiten. Wir wissen nicht, ob eine zweite Welle kommt. Die Befürchtung, dass es aufgrund von steigenden Unternehmensinsolvenzen zu Kreditausfällen kommt, die die Banken stark belasten, ist nach wie vor groß. Bisher ist dieser Fall nicht eingetreten. Insolvenzen sind sogar zurückgegangen, weil die staatlichen Maßnahmen gut funktioniert haben."

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