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KfW Research sieht zunehmenden Gegenwind bei Erholung nach Corona-Einbruch

Während die Aufholbewegung nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung im April zunächst "mechanisch" war, wird es nun immer schwieriger, das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Der Chefvolkswirt der ING Deutschland, Carsten Brzeski, rechnet mit potenziellen Kreditausfällen.

Corona sorgt für Unsicherheiten beim Export (Symbolbild) | Foto: picture alliance/chromorange

Die zunächst steile Erholung der Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch im April dürfte sich künftig deutlich zäher gestalten. KfW Research erwartet für dieses Jahr weiterhin einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 6 Prozent, wie die Research-Abteilung der staatlichen Förderbank am Dienstag (25. August) mitteilte.

Für nächstes Jahr erwartet Autor Philipp Scheuermeyer ein Wachstum von 5 Prozent, was dazu führen könnte, dass zum Jahresende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreicht wird.

Exportwirtschaft von erheblicher Unsicherheit begleitet

In Deutschland dürfte insbesondere die exportorientierte Industrie mit zunehmendem Gegenwind auf Nachfrageseite zu rechnen haben. Da die Corona-Zahlen global immer noch stark ansteigen, bleibe die Unsicherheit "enorm hoch", so die Ökonomen der staatlichen Förderbank.

Im Herbst- und Winterquartal erwarte ich nur noch eine sehr langsame Aufholbewegung des deutschen und europäischen Wirtschaftswachstums.

Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW

Bremsend in Bezug auf die Investitionen von in- und ausländischen Unternehmen wirkten sich zudem die in der Krise gestiegenen Schulden aus. Da die Arbeitslosigkeit in Europa weiter zunehmen dürfte, komme es außerdem zu Zweitrundeneffekten beim Konsum und hier vor allem bei langlebigen Gütern wie Autos.

"Im Herbst- und Winterquartal erwarte ich nur noch eine sehr langsame Aufholbewegung des deutschen und europäischen Wirtschaftswachstums", sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. Da die Impfstoffentwicklung aber schnell vorankomme, sei es eine realistische Annahme, dass in wohlhabenden Volkswirtschaften wie den Euroländern ab dem Frühjahr 2021 Massenimmunisierungen beginnen.

Die aktualisierte Prognose der KfW liegt damit nahe am Risikoszenario in Form eines ausgeprägteren V, das der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Frühjahr veröffentlicht hatte.

Deutsche Volkswirtschaft wird im Jahr 2020 deutlich schrumpfen, erwartet Sachverständigenrat

Konjunktureinbruch korrigiert

Das Statistische Bundesamt teilte außerdem mit, dass der durch die Folgen der Pandemie bedingte Einbruch in Deutschland etwas geringer ausgefallen ist als erwartet. Das BIP schrumpfte demnach im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 9,7 Prozent. In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde von minus 10,1 Prozent ausgegangen.

Volkswirte erwarten positive Rekorde für das dritte Quartal

Für das dritte Quartal wird nun das Einsetzen der Erholung erwartet, wie Volkswirte kommentieren. Carsten Brzeski, Chef-Volkswirt der ING Deutschland sagte zu FinanzBusiness: "Die heutigen BIP Zahlen machen noch einmal das gesamte Ausmaß der Krise deutlich. Der starke Einbruch des Konsums und der Investitionen war zu erwarten."

Wenn den kommenden Monaten die strukturelle Natur der Krise immer sichtbarer wird, ist durchaus noch mit Kreditausfällen zu rechnen.

Carsten Brzeski, Chef-Volkswirt der ING Deutschland

Nun sei die große Frage, wie schnell wie viel des Verlustes wieder aufgeholt werden kann. "Der starke Anstieg der Kreditvergabe in den letzten Monaten zeigt, dass viele Unternehmen Überbrückungskredite in Anspruch genommen haben. Wenn den kommenden Monaten die strukturelle Natur der Krise immer sichtbarer wird, ist durchaus noch mit Kreditausfällen zu rechnen", so Brzeski weiter.

Und Thomas Gitzel von der VP Bank, sieht, dass der Horror des zweiten Quartals vorbei sei: "Das dritte Quartal wird auf der positiven Seite Rekorde brechen. Das Wiederanfahren der Wirtschaft wird die deutsche Wirtschaft im Zeitraum Juli bis September kräftig anschieben. Die Stunde der Wahrheit schlägt dann in den Herbst- und Wintermonaten. Die Reaktivierung der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht könnte im Herbst zu einer Pleitewelle führen."

Staatskasse im Minus

Derweil hat der deutsche Staat in der Corona-Krise weniger Geld eingenommen als ausgegeben. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen im ersten Halbjahr 2020 bei 3,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

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