FinanzBusiness

ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend stark

In Bezug auf die Banken nimmt jedoch der Pessimismus zu - ebenso wie bei der Beurteilung der aktuellen Wirtschaftslage.

Kräne an einer Baustelle in Hamburg im Juli 2020 (Symbolbild) | Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com

Die vom ZEW ermittelten Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im August überraschend verbessert. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, stieg der entsprechende Indikator um 12,2 Punkte auf 71,5 Zähler.

Das ist der höchste Stand seit Januar 2004. Analysten hatten dagegen durchschnittlich mit einem Rückgang auf 55,8 Punkte gerechnet.

Wegen der Corona-Krise waren die Erwartungen im März noch bis auf minus 49,5 Punkte eingebrochen. Sie hatten sich dann drei Monate in Folge erholt und waren im Juli leicht gefallen.

Aussicht gut, Lage schlecht

Enttäuschend entwickelte sich im August dagegen die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage. Dieser Indikator fiel um 0,4 Punkte auf minus 81,3 Punkte. Hier hatten die Experten einen Anstieg auf minus 69,5 Punkte erwartet.

"Die Hoffnung auf eine schnelle Konjunkturbelebung ist wieder größer geworden, die Lageeinschätzung verbessert sich bisher allerdings nur schleppend", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Unternehmen würden vor allem von einer breiten Erholung der Binnenwirtschaft ausgehen.

Anlass zur Vorsicht geben jedoch die nach wie vor sehr schlechten Ertragserwartungen für die Bankenbranche sowie für die Versicherer mit Blick auf das kommende halbe Jahr.

Achim Wambach, Präsident des ZEW

Banken gehören nicht zu den erwarteten Gewinnern

"Anlass zur Vorsicht geben jedoch die nach wie vor sehr schlechten Ertragserwartungen für die Bankenbranche sowie für die Versicherer mit Blick auf das kommende halbe Jahr", zeigte sich Wambach besorgt.

Gefragt nach der Entwicklung in der Bankenbranche hatten 69,7 Prozent der Experten angegeben, sie erwarteten eine Verschlechterung. Das waren 4,6 Punkte mehr als im vergangenen Monat. Der Anteil der Optimisten, die eine Verbesserung erwarten, reduzierte sich um 1,3 Punkte auf 6,0 Prozentm, weitere 24,3 Prozent (-3,3 Punkte) gaben an, die Situation werde sich nicht verändern. Der Indikator beträgt damit -63,7 Punkte und hat sich zum Juli um 5,9 Punkte verschlechtert.

Gemischte Reaktionen von Volkswirten

Bankvolkswirte äußerten sich unterschiedlich zu den Gesamtzahlen. "Die Anzeichen für eine kräftige Konjunkturerholung im Sommer formieren sich somit weiter, im Einklang mit einem weiterhin recht optimistischen Stimmungsbild an den Finanzmärkten", sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Es mag nach Auffassung vieler Teilnehmer an der Umfrage der Wirtschaftsforscher aus Mannheim einfach kaum mehr schlechter werden können

Tobias Basse, Analyst bei der NordLB

Tobias Basse, Analyst bei der NordLB, schrieb dagegen: "Es mag nach Auffassung vieler Teilnehmer an der Umfrage der Wirtschaftsforscher aus Mannheim einfach kaum mehr schlechter werden können. Insofern ist die Stärke der Erwartungskomponente kein wirklich nachhaltig positives Signal - wenn man zu einem guten Freund sagt, er wäre im Vergleich zum Teufel wirklich ein sehr netter Zeitgenosse, ist dies sicherlich auch kein uneingeschränktes Lob!"

Einschätzungen für die Eurozone im Gleichschritt

In der Eurozone ist die Entwicklung ähnlich wie in Deutschland. Der Indikator für die Erwartungen stieg um 4,4 Punkte auf 64,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet sank hingegen um 1,1 Punkte auf einen Wert von minus 89,8 Punkten.

An der Umfrage vom 3. bis 10. August hatten sich 178 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. Der Indikator Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten in Deutschland wieder.

Mehr von FinanzBusiness

Wie die Banken den Spagat zwischen Homeoffice und Büro üben

Die Büros der Banken füllen sich wieder mit Menschen, aber nur teilweise. In vielen Instituten dürfen Angestellte weiterhin von zu Hause aus arbeiten. Hybride Arbeitsmodelle halten Einzug und gelten schon als die ”neue Normalität”. FinanzBusiness hat sich umgehört, welche Erfahrungen Institute damit machen.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Neueste Nachrichten