FinanzBusiness

Scholz nach Wirecard-Crash für wirksamere Aufsicht

Der Bundesfinanzminister spricht von einem Skandal, der nach mehr Kontrolle für die Finanzmärkte ruft.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Foto: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat den Zahlungsdienstleister Wirecard kritisiert und eine härtere Regulierung in Aussicht gestellt. "Der Fall Wirecard AG ist ein Skandal, der in der Finanzwelt schon seinesgleichen sucht", sagte Scholz. "Wir müssen unsere Aufsichtsstrukturen auch überdenken."

Was sich in dem Unternehmen zugetragen habe, müsse nun "schnell und gründlich" aufgeklärt werden, sagte der Minister. "Ein solcher Skandal wie bei Wirecard muss ein Weckruf sein, dass wir mehr Aufsicht über und Kontrolle für die Finanzmärkte brauchen als wir sie heute haben."

Der Fall Wirecard AG ist ein Skandal, der in der Finanzwelt schon seinesgleichen sucht.

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister

Der Staat müsse in der Lage sein, "komplizierte internationale Firmenkonstrukte wie Wirecard" effizienter und wirksamer zu kontrollieren. Er habe sein Ministerium beauftragt, ihm in den nächsten Tagen ein Konzept dafür vorzulegen. Sollten rechtliche, gesetzgeberische oder regulatorische Maßnahmen nötig werden, werde man sie ergreifen.

Kritik an Management und Aufsicht

Es stellten sich kritische Fragen an Vorstand und Management und auch die beteiligten Wirtschaftsprüfer, sagte Scholz, der aber auch auf die Rolle der Aufsichtsbehörden zu sprechen kam. "Auch hier müssen die Strukturen durchleuchtet, mögliche Fehler rasch identifiziert und dann natürlich sofort abgestellt werden."

Er sei dem Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, für seine klaren Worte dankbar und erwarte nun ebenso klare Taten. Hufeld hatte von einem "kompletten Desaster" gesprochen und eingeräumt: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert."

Auch hier müssen die Strukturen durchleuchtet, mögliche Fehler rasch identifiziert und dann natürlich sofort abgestellt werden.

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, über die Aufsicht

Der in einen Milliardenskandal verstrickte Zahlungsdienstleister Wirecard hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet.

Wirecard fliegt aus dem Stoxx Europe 600

Infolgedessen werden die Wirecard-Aktien in der kommenden Woche aus dem Stoxx Europe 600 entfernt. Von Dienstag, 30. Juni an werden sie nicht mehr im Index der 600 größten börsennotierten europäischen Unternehmen zu finden sein, teilte die Index-Tochter Stoxx Ltd. der Deutschen Börse am späten Donnerstagabend mit.

Im Wirecard-Bilanzskandal geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY mittlerweile von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgestellt werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann. Im Dax dürfte Wirecard derweil noch bis September bleiben, da hier die Regeln anders sind.

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