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Fratzscher erwartet massive Pleitewelle im zweiten Halbjahr

Der Präsident des DIW fürchtet, dass Insolvenzen derzeit nur aufgeschoben würden. Doch viele Firmen dürften die Kurve nicht kriegen.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher im März in der Fernsehsendung Anne Will. | Foto: picture alliance/Eventpress

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, befürchtet einen drastischen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im zweiten Halbjahr. Im Inforadio des RBB sagte er am Mittwoch, es gebe bisher nur wenige corona-bedingte Insolvenzen.

Viele davon seien aber vermutlich nur aufgeschoben: "Es gibt ja diese Verzögerung der Insolvenzanträge. Aber das zeigt auch, auf was wir uns gefasst machen müssen. [...] Dass wir das noch nicht gesehen haben, heißt: Wir müssen uns im zweiten Halbjahr, nach dem 30. September, auf eine massive Insolvenzwelle einstellen, einfach weil viele sagen 'Ich kriege doch nicht die Kurve' [...] und dann wird es richtig hart."

Wir müssen uns im zweiten Halbjahr, nach dem 30. September, auf eine massive Insolvenzwelle einstellen.-

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident im RBB

Für viele Firmen wird es nicht mehr, wie es war

Die "Schlüsselfrage" sei, wie schnell sich die Wirtschaft wieder erholt, betonte Fratzscher. Hier sei das DIW weniger optimistisch als andere Wirtschaftsforschungsinstitute: "Wir rechnen in diesem Jahr, dass die Wirtschaft um über neun Prozent schrumpfen könnte und dass sie sich auch im nächsten Jahr nur teilweise erholen wird."

"Das heißt dann konkret für viele Unternehmen, dass es von den Einnahmen und den Umsätzen her nicht wieder so sein wird, wie vor einem halben Jahr noch. Und ein Unternehmen kann vielleicht drei Monate überleben, kann vielleicht auch fünf Monate überleben, aber wenn ihnen 30 bis 40 Prozent der Umsätze fehlen, und zwar über ein oder zwei Jahre, dann ist es für viele fast unmöglich zu überleben", sagte Fratzscher.

Das gesamte Gespräch ist als Podcast in der ARD-Mediathek verfügbar.

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