Die spannendsten Personalwechsel im Mai 2022

Mehrere Fintechs planen einen massiven Stellenabbau - und Stühle werden auch bei den klassischen Banken gerückt: Der Vorstand einer großen Bausparkasse stellt sich neu auf, der BVR setzt auf Sparkassen-Know-how und die LBBW erhöht ihren Frauenanteil.

Auf dem Weg. | Foto: picture-alliance | Kitty Kleist-Heinrich TSP

In diesen Tagen gibt es schlechte Nachrichten für viele, die bei Fintechs arbeiten: Die Szene steht vor einem massiven Stellenabbau. Der Branchenriese Klarna will jeden zehnten der weltweit 7000 Mitarbeitenden entlassen und setzt damit dem Expansionskurs der vergangenen Jahre ein abruptes Ende. Das Berliner B2B-Fintech Kontist wird sich strategisch neu aufstellen und entlässt aus diesem Grund ein Viertel der Beschäftigten. Gut 50 Personen müssen sich einen neuen Job suchen.

Und auch das Krypto-Fintech Nuri baut Arbeitsplätze im selben Ausmaß ab: Etwa 45 der 200 Mitarbeitenden müssen gehen. Die Gründe sind zumindest bei Nuri und Klarna ähnlich: Zu hohe Kosten, zu wenig Rentabilität - und das in einer Marktlage, in der sogar Wagniskapitalgeber bei ihren Investments mehr aufs Risiko achten.

Klarna streicht jede zehnte Stelle

Kontist entlässt ein Viertel seiner Mitarbeiter

Nuri kündigt Stellenabbau an

Weniger dramatisch fallen die Neuigkeiten in den klassischen Banken aus. Bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall und dem genossenschaftlichen Bankenverband BVR vollzieht sich ein Generationenwechsel, und die Landesbank Baden-Württemberg sowie die Sparkasse Hannover besetzen vakante Positionen nach. Dabei zeigt sich: Die Chefetagen werden allmählich jünger und weiblicher.

Schwäbisch Hall hat eine neue Vorständin

Personalrochade im Vorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall: Finanzvorstand Jürgen Gießler verabschiedet sich nach mehr als 30 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand. Der 63-Jährige übergibt deshalb seine Zuständigkeiten an Mike Kamann, der dem Vorstand seit 2020 angehört.

Kristin Seyboth | Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall
Kristin Seyboth | Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall

Kamanns Aufgaben wiederum werden von einer neuen Vorstandskollegin übernommen: Kristin Seyboth. Die 41-Jährige ist ein echtes Eigengewächs der Bausparkasse und hat schon ihr duales Studium bei Schwäbisch Hall absolviert. 2020 ist sie zur Generalbevollmächtigten bestellt worden. Nun hat sie im Vorstand der Bausparkasse seit Mai unter anderem die IT-Verantwortung übernommen.

Neue Vorständin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

Mehr Frauen in Führungsposition bei der LBBW

Frauenförderung, das ist eines der Schlagworte, mit denen sich die LBBW als Arbeitgeberin präsentiert. Im Vorstand der baden-württembergischen Bank ist zwar noch viel Luft nach oben – sechs Männer, eine Frau – doch auf der zweiten Führungsebene tut sich etwas: Angela Brötel wird im September Leiterin Konzernkommunikation, Marketing und Vorstandsstab.

Sie folgt dabei auf Johannes Marten, der die Bank Ende März verlassen hat. Die 43-Jährige arbeitet derzeit noch als Director of Group Communications beim Energieversorger EnBW, in ihrer neuen Position untersteht sie dem LBBW-Vorstandschef Rainer Neske.

Angela Brötel | Foto: Landesbank Baden-Württemberg
Angela Brötel | Foto: Landesbank Baden-Württemberg

Zugleich hat die Bank mit Carmen Müller eine neue Führungskraft im Unternehmenskundengeschäft eingestellt. Müller, die zum 1. Juli von der Standard Chartered Bank wechselt, wird Bereichsleiterin Large Corporates und berichtet wie ihr Kollege Ingo Lenz an den Bereichsvorstand Andreas Sahl. Sahls Vorgesetzter wiederum ist der Unternehmenskundenvorstand Karl Manfred Lochner.

Angela Brötel wird Leiterin Konzernkommunikation, Marketing und Vorstandsstab bei der LBBW

LBBW holt Carmen Müller als weitere Bereichsleiterin Large Corporates

Aus Franken nach Niedersachsen

Die Sparkasse Hannover, Deutschlands sechstgrößte Sparkasse, bekommt einen neuen Vorstand für das Privatkundengeschäft: Markus Lehnemann übernimmt Anfang kommenden Jahres die Position, die seit 2019 interimistisch von Kerstin Berghoff-Ising geführt wird. Sie hatte den Job damals von Jens Bratherig übernommen, der als Vorstandsvorsitzender zur Sparkasse Syke gewechselt war.

Markus Lehnemann | Foto: Sparda-Bank Nürnberg
Markus Lehnemann | Foto: Sparda-Bank Nürnberg

Ob der Wechsel in die niedersächsische Landeshauptstadt zum Kulturschock für Lehnemann wird? Von der Banklehre in Fürth über eine Tätigkeit beim Sparkassenverband Bayern bis hin zum Vorstandsposten bei der Sparda-Bank Nürnberg hat er sein Berufsleben im Freistaat Bayern verbracht.

Markus Lehnemann wechselt von der Sparda-Bank Nürnberg ins Sparkassenlager

Von der Sparkasse an die Spitze des BVR

Ausgerechnet eine Managerin aus dem Sparkassenlager holt sich der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), um einen Vorstandsposten zu besetzen: Tanja Müller-Ziegler, aktuell Vorständin der Berliner Sparkasse, tritt im Sommer 2023 die Nachfolge von BVR-Vorstand Andreas Martin, der in den Ruhestand treten wird.

Tanja Müller-Ziegler | Foto: BVR
Tanja Müller-Ziegler | Foto: BVR

Allerdings kennt sich Müller-Ziegler auch bei den Genossen aus: Sie war sechs Jahre lang bei der Berliner Volksbank und dort unter anderem als stellvertretende Vorständin für Recht und Compliance tätig. Müller-Ziegler sei damit ”eine profunde Kennerin beider großer Finanzgruppen und deren spezifischer Bedürfnisse”, so formuliert es die BVR-Präsidentin Marija Kolak.

Achleitner geht, Wynaendts kommt

Trägt er eine Mitschuld an der Krise der Deutschen Bank, wie es Medien schildern, oder hat er vielmehr dem Vorstand in schweren Zeiten den Rücken freigehalten, wie Vorstandschef Christian Sewing meint?

Paul Achleitner | Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert
Paul Achleitner | Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Die Bilanz von Paul Achleitner als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank fällt jedenfalls gemischt aus, auch wenn es zum Abschied auf der Hauptversammlung ausschließlich freundliche Worte gegeben hat: In einem sechsminütigen Video schilderten Weggefährten ihre Erinnerungen an die Zeit, während der der 65-jährige Österreicher an der Spitze des Kontrollgremiums gestanden hat.

Dass man in dieser Position kritisch beäugt wird, hat auch sein Nachfolger Alexander Wynaendts schon erfahren: Zu wenig Bankenerfahrung, zu viele andere Mandate, kaum vernetzt in Deutschland lauteten die Kritikpunkte der Aktionärsvertreter. Gewählt wurde er trotzdem - mit einer starken Mehrheit von 98 Prozent.

Wynaendts mit knapp 98 Prozent zum Deutsche-Bank-Chefaufseher gewählt

Paul Achleitner, ab morgen Aufsichtsrat a.D.

Der Commerzbank-Aufsichtsratschef würde weitermachen

Während es beim Wettbewerber Deutsche Bank den Wechsel an der Aufsichtsratsspitze gegeben hat, könnte Helmut Gottschalk der Commerzbank als Chefkontrolleur noch länger erhalten bleiben. Denn der Schwabe, der 2021 für den Posten als Aufsichtsratschef seinen Ruhestand unterbrochen hat, hat mittlerweile einige Fans gewonnen: Gilt er doch als einer, der dem Management genau auf die Finger schaut und die Rolle als Chefaufseher durchaus ernst nimmt.

Helmut Gottschalk | Foto: Commerzbank AG
Helmut Gottschalk | Foto: Commerzbank AG

Die einen begrüßen das angesichts der Transformation, die Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank durchmacht, die anderen kritisieren eine zu starke Einmischung. Gottschalk selbst scheint Gefallen an seiner Aufgabe zu haben: Gegenüber dem ”Handelsblatt” sagte er, dass er sich durchaus eine zweite Amtszeit vorstellen könne. Gewählt ist er bis 2023.

Commerzbank-Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk ist bereit für die nächste Runde