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Atruvia rutscht auf Konzernebene 2021 in die Verlustzone

Aufgrund von Preissenkungen sind die Einnahmen des IT-Dienstleisters der Genossenschaftsbanken im vergangenen Jahr gesunken, dazu wurde weiter in den Umbau investiert. Unterm Strich steht ein Verlust von 1,7 Mio. Euro.

Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Brinkmann nannte das Jahr 2021 „einen großen Durchbruch“ für Atruvia | Foto: Atruvia

Atruvia hat im Jahr eins seiner Transformation zwar weniger umgesetzt und weist auch einen geringeren Überschuss aus, sieht sich deshalb aber nicht unter Druck – auch nicht unter Druck des Aufsichtsrats.

Aus der Fiducia & GAD IT wird Atruvia

Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Braunschweig Wolfsburg und bei Atruvia zugleich Chef-Kontrolleur, erklärte bei der Hauptversammlung in Karlsruhe: „Aus dem IT-Dienstleister von einst wird sukzessive der Digitalisierungspartner für die Volks- und Raiffeisenbanken, der seine Kunden auf dem Weg zum Banking von morgen begleitet – mit modernen Services auf Basis einer modularen Omnikanalplattform“.

Begleiten wir den mutigen Weg von Atruvia weiterhin mit diesem kraftvollen Engagement.

Jürgen Brinkmann, Aufsichtsratsvorsitzender, Atruvia

Laut Mitteilung des Unternehmens verwies er in seiner Rede auf das Erreichte, bedankte sich bei den Anteilseignern für ihre Unterstützung und ihre Geduld: ”Begleiten wir den mutigen Weg von Atruvia weiterhin mit diesem kraftvollen Engagement“, wird Brinkmann zitiert. ”Denn nur so kann Morgen kommen.”

Dass der Umsatz sinkt, war allerdings schon erwartet worden. Bereits 2015, als die Fusion der beiden Vorläuferunternehmen Fiducia und Gad zustande kam, wurden Preissenkungen angekündigt und im Oktober 2020 schließlich eingeführt: Sie sind einer der Hauptgründe für die Entwicklung im vergangenen Jahr – insgesamt geht es um Entlastungen in Höhe von jährlich 125 Mio. Euro.

Konzernverlust summiert sich auf 1,7 Mio. Euro

”Trotz der erstmalig wirkenden Ganzjahreseffekte aus unserer Preissenkung und zusätzlicher Investitionen in die Strategieumsetzung im zurückliegenden Jahr haben wir eine stabile Ertragslage vorzuweisen“, sagte Co-Vorstandssprecher Martin Beyer. Der Mitteilung zufolge betonte er gegenüber den Anteilseignern zugleich: ”Unser Effizienzprogramm greift.“ Der Geschäftsbericht für 2021 liefert die Details:

  • Die Umsatzerlöse der Atruvia AG lagen bei 1,31 Mrd. Euro – nach 1,37 Mrd. Euro im Jahr zuvor. Der Gesamtkonzern kam auf Einnahmen in Höhe von 1,75 Mrd. Euro (2020: 1,77 Mrd. Euro).
  • Atruvia betreute in etwa genauso viele Konten wie ein Jahr zuvor, rund 86 Millionen, wickelte für seine Bankkunden jedoch mehr Transaktionen ab: 7,8 Milliarden waren es 2021 (2020: 7,5 Mrd.). Die Zahl der Bankkunden sank auf 1035 (2020: 1081).
  • Dass parallel die Personalaufwendungen deutlich angestiegen sind, dürfte vor allem eine Folge der Neueinstellungen sein. 8.793 Mitarbeiter zählte Atruvia im Konzern Ende 2021, knapp 500 mehr als noch ein Jahr vorher. Da außerdem Tarifanpassungen hinzukamen, steht das Unternehmen jetzt bei 700,7 Mio. Euro fürs Personal – 69,9 Mio. Euro über dem Vorjahr.
  • Für Material hat Atruvia im Gegenzug – weil Fremdarbeit seltener wurde – 43,5 Mio. Euro weniger ausgegeben als 2020, in Summe 740,1 Mio. Euro.
  • EBIT und EBITDA blieben mit 18,4 Mio. Euro bzw. 160,2 Mio. Euro unter den Erwartungen. Zudem weist Atruvia auf Konzernebene diesmal einen Verlust aus (-1,7 Mio. Euro), nachdem 2020 noch ein Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe verbucht werden konnte (27,9 Mio. Euro).

Der Umbau, den Atruvia zuletzt angestoßen hat, ist also längst nicht abgeschlossen. Anders als das Projekt Campusneubau in Karlsruhe: Die Teilnehmer der Hauptversammlung haben ihn jetzt eröffnet.

Vorstand erwartet verbesserte Gewinnsituation für 2022

Atruvia verfolgt mit dem Campus das Ziel, Anschluss an eine moderne, agile Arbeitswelt zu finden und wird auch nach der Eröffnung noch weiter investieren. 29,1 Mio. Euro sind dafür laut Geschäftsbericht im laufenden Jahr bereits budgetiert.

2022 rechnet der Vorstand dann auch damit, sowohl beim operativen Gewinn (EBIT) als auch beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA) wieder besser dazustehen. Prognostiziert wird im Geschäftsbericht ein EBIT von 19 Mio. Euro und ein EBITDA von 182 Mio. Euro.

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