Nur jedes fünfte Fintech würde wieder Deutschland als Standort wählen

In einer Studie kommt der Standort nicht gut weg. Lediglich die Wettbewerbssituation wird positiv gesehen. An einer ”deutschen Krankheit” wird besonders viel Kritik geübt. 
Mit dem Ansehen Deutschlands als Wirtschaftsstandort steht es nicht zum Besten. | Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
Mit dem Ansehen Deutschlands als Wirtschaftsstandort steht es nicht zum Besten. | Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Deutschlands Fintechs sind mit den Bedingungen, unter denen sie hierzulande operieren müssen, sehr unzufrieden. Das ist das Ergebnis einer Studie mit dem Titel ”Standort Deutschland: Fintechs ziehen Bilanz”, für die der Digitalverband ”Bitkom” 54 Fintechs befragt hat. 

Danach würden nur 19 Prozent wieder die Bundesrepublik als Gründungsstandort wählen. Lediglich 18 Prozent sind der Meinung, in Deutschland gäbe es genug Venture Capital für Fintechs, und nicht mehr als 19 Prozent bewerten das hierzulande existierende Finanzierungs-Ökosystem für Fintechs positiv.

Kritik an Bundesregierung

Nicht besonders gut weg in der Umfrage kommt die Arbeit der Bundesregierung. Für die Bemühungen von SPD, FDP und Grünen, die sich In ihrem Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt hatten, Deutschland zum europaweit führenden Standort für Fintechs zu machen, vergaben die Fintechs gerade mal die Schulnote „ausreichend“. 

Als größte Herausforderung beim Wachstum bezeichneten die Befragten Bürokratie und Verwaltungsaufwand (46 Prozent). Wobei ein Fintech, das von der BaFin eine Erlaubnis für Dienstleistungen des Bank- und Finanzwesens erhalten hat, im Schnitt darauf zwei Jahre warten musste. 

Risikovermeidung statt Innovation

Als weitere Herausforderungen genannt wurden die Finanzierung (33 Prozent), die schwierige Zusammenarbeit mit etablierten Akteuren (22 Prozent), die Erlangung einer aufsichtsrechtlichen Lizenz (19 Prozent) laufende Aufsichtspflichten (17 Prozent) sowie ein zu schwach ausgeprägtes Fintech-Ökosystem (17 Prozent). Den Wettbewerb in Deutschland sehen lediglich sieben Prozent als Problem. 

Verlieren Banken das Interesse an Fintechs?

Die Finanzmarktregulierung in Deutschland bezeichnen 65 Prozent als einschränkend. 82 Prozent beklagen, dass in Deutschland bei der Umsetzung von Regulierungsvorgaben die Risikovermeidung statt Innovation im Zentrum stehe, wobei sich 67 Prozent dadurch im weltweiten Wettbewerb als benachteiligt empfinden und 53 Prozent im europäischen Wettbewerb. Entsprechend plädieren 72 Prozent für ein klares und harmonisiertes Lizenzierungsverfahren in allen EU-Mitgliedsstaaten. Das würde den Marktzugang für Fintechs erleichten, weil sie in jedem EU-Land dieselben Anforderungen und Standards erfüllen müssten.

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