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Auch Klarna hat jetzt einen Betriebsrat

Bereits Ende Juni wurden die Mitarbeitervertreter in der deutschen Einheit des schwedischen Fintechs gewählt - nachdem dort im Mai eine Entlassungswelle angekündigt worden war.

Die Klarna-App auf einem Smartphone | Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang

Die deutschen Mitarbeiter des schwedischen Bezahldienstleisters Klarna haben einen Betriebsrat gegründet, der bereits seine Arbeit aufgenommen hat. Die Wahl dazu fand Ende Juni statt.

”Die Klarna-Führungsriege hat den Prozess von Anfang an unterstützt”, sagt ein Sprecher des Fintechs auf Nachfrage. An der Wahl haben sich demnach etwa 200 Beschäftigte von Klarna beteiligt. Der Blog ”FinanceFWD” hatte als erster über den neuen Betriebsrat berichtet.

Dessen Gründung ist eine offensichtliche Reaktion auf die aktuellen Belastungen der Klarna-Mitarbeiter, nachdem das Fintech im Mai angekündigt hatte, jede zehnte Stelle im Unternehmen streichen zu wollen - insgesamt mussten rund 700 Mitarbeiter gehen.

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Die deutsche Einheit dürfte - als eine der größten außerhalb Schwedens - davon entsprechend stark betroffen gewesen sein, auch wenn das Fintech selbst zu den konkreten Zahlen schweigt. Auf einer im Internet kursierenden Liste von Klarna-Mitarbeitern, die nach der Entlassung auf Jobsuche sind, kommen rund 100 aus Deutschland.

Dabei hatte Klarna in Deutschland eigentlich sogar Ausbaupläne und kündigte noch im Herbst 2021 an, am Standort Gießen bis zu 400 neue Stellen schaffen zu wollen.

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Doch auch für den schwedischen Bezahldienstleister hat sich das Marktumfeld seitdem massiv verändert: Wie in vielen Fintechs ist die Maxime, um jeden Preis möglichst schnell Marktanteile zu gewinnen, von einem strengeren Blick auf die eigenen Zahlen abgelöst worden. Um weiter Investoren überzeugen zu können, werden Geschäftsmodelle stärker durchleuchtet - und Überkapazitäten abgebaut.

Bei der letzten Finanzierungsrunde sank die Bewertung von Klarna um 85 Prozent auf nun 6,7 Mrd. Dollar (etwa 6,6 Mrd. Euro). Ein tiefer Fall, denn nur ein Jahr zuvor war das Fintech in der Boom-Phase der Start-up-Finanzierungen noch mit 45,6 Mrd. Dollar bewertet worden.

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Auch für die Klarna-Mitarbeiter ist der Wertverlust des Unternehmens bitter: Laut Presseberichten mussten sie zuletzt im Rahmen des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms Tausende Euro an Steuern und Abgaben zahlen – ohne von dem Programm zu profitieren, da die Aktien nun weniger wert waren, als die Steuern, die die Mitarbeiter vorab gezahlt hatten.

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