FinanzBusiness

Qonto übernimmt Penta

Verkauf statt Funding des Berliner Fintechs Penta: Mit der Übernahmen durch den französischen Wettbewerber werden zwei Neobanken für Geschäftskunden unter einem Dach vereint.

Penta-Mitgründer Lukas Zörner, Qonto-Mitgründer Steve Anavi, Penta-Chef Markus Pertlwieser, Qonto-Mitgründer Alexandre Prot. (v.l.n.r.) | Foto: Qonto

Eigentlich wollte sich das Berliner Fintech Penta zu Beginn des Jahres die nächste Finanzierungsspritze sichern. Nun ist klar: Aus der C-Level-Runde wird nichts mehr - stattdessen wird die Neobank für Mittelständler von der aus Frankreich stammenden Konkurrentin Qonto übernommen.

Über die Verbindung der beiden Business-Neobanken wurde bereit in den vergangenen Wochen spekuliert, sie sei eine große Chance für Qonto und Penta und verspreche, ”mehr zu sein als die Summe seiner beiden Teile”, heißt es in einer Mitteilung.

Durch die Kombination erhofft man sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Qontos anderen Märkten in Frankreich, Italien und Spanien noch schnelleres Wachstum. Der Deal, der in den nächsten Wochen abgeschlossen werden soll, erfolge inmitten des kontinuierlichen Wachstums beider Unternehmen.

Ich bin sehr stolz auf das, was wir bisher erreicht haben, aber wir wollen heute noch weiter gehen. Der natürliche nächste Schritt war der Zusammenschluss mit Penta.

Alexandre Prot, CEO von Qonto

”Ich bin sehr stolz auf das, was wir bisher erreicht haben, aber wir wollen heute noch weiter gehen. Der natürliche nächste Schritt war der Zusammenschluss mit Penta”, erklärt Alexandre Prot, CEO von Qonto, in einer Mitteilung.

Zum Kaufpreis äußert sich das Fintech nicht. Im Raum steht eine mittlere dreistellige Bewertung - und damit fast eine Vervierfachung im Vergleich zur letzten Finanzierungsrunde von Penta im Februar 2021. Damals bekam das Fintech 30 Mio. Euro von Finleap, HV Capital, RTP Global, Presight Capital, S7V and VR Ventures und ABN AMRO Ventures. Die Post-Money-Bewertung soll damals bei 65 Mio. Euro gelegen haben.

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CEO Markus Pertlwieser hatte noch im Frühjahr 2022 Gespräche mit potenziellen Investoren über eine weitere Finanzspritze zu einer Bewertung von 400 bis 500 Mio. Euro geführt. ”Eine Postmoney-Bewertung von mehr als 400 Millionen Euro halte ich für absolut realistisch”, sagt damals ein Insider zu FinanzBusiness.

Penta startet nächste Finanzierungsrunde

Kurz zuvor war die Berliner Business-Banking-Plattform eine Partnerschaft mit Signal Iduna eingegangen, um auch Versicherungsprodukte anbieten zu können. Der Schritt war als wichtiges Signal im Hinblick auf die erwartete Level-C-Runde gelesen worden.

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Doch zu der kam es nun nicht mehr - wohl auch, weil sich das Umfeld für das Funding von Fintechs seit Jahresbeginn deutlich eingetrübt hat. So büßte etwa der Zahlungsdienstleister Klarna bei seiner aktuellen Finanzierungsrunde 85 der zuvor erreichten Bewertung ein.

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Glück für Qonto: Das aus Frankreich stammende Fintech konnte sich noch im Januar eine Finanzspritze von 486 Mio. Euro unter anderem von Tiger Global sichern - kurz bevor der Markt sich gedreht hat.

Das versetzt die B2B-Online-Bank, die auch auf dem deutschen Markt aktiv ist, in die Lage, den eigentlich besser positionierten Wettbewerber Penta zu schlucken.

Qonto plant rasantes Wachstum - auch in Deutschland

Die Geschäftsmodell von Qonto und Penta ähneln sich, beide stehen im Kampf um die Gunst mittelständischer Firmenkunden in Konkurrenz zu traditionellen Banken, aber auch zu anderen Fintechs wie Moss, Holvi, Kontist, Finom, oder dem Deutsche-Bank-Ableger Fyrst.

Anfang des Jahres hatte Qonto-Country Manager Torben Rabe noch davon gesprochen, in den kommenden zwei Jahren mehr als 100 Mio. Euro in den deutschen Markt zu investieren, unter anderem sollte die Zahl der Mitarbeiter bis 2023 um rund 100 neue Menschen wachsen.

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Konkrete Zahlen für Deutschland legt Qonto bislang aber nicht vor, die selbst gesetzte Marke von 20.000 Kunden für das Jahr 2020 soll man aber verfehlt und sich auch ansonsten mit dem Ausbau in Deutschland schwer getan haben. Allerdings soll Deutschland zuletzt immerhin der am schnellsten wachsende Markt, mit einem Kundenzuwachs von mehr als 170 Prozent, gewesen sein.

Anders Penta: Dort war Pertlwieser Anfang 2021 mit dem klaren Anspruch angetreten, aus dem Fintech die führende digitale Neobank für Geschäftskunden in Deutschland zu machen. Dazu hatte er Penta auch auf mehr Profitabilität getrimmt und etwa das zuvor kostenlose Basiskonto abgeschafft. Bereits Ende 2021 soll das Fintech mehr als 40.000 Kunden gezählt haben.

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