FinanzBusiness

Deutsche Start-ups sollen besseren Zugang zu Wagniskapital bekommen

Wirtschaftsminister Robert Habeck plant umfassende Erleichterungen für Jungunternehmen. Künftig sollen auch private und öffentliche Rentenversicherungen in Wagniskapital investieren drüfen.

Robert Habeck | Foto: picture alliance / EPA | FILIP SINGER

Start-up-Unternehmen in Deutschland sollen künftig leichter Risikokapital erhalten können, um ihre wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben zu können. Das sieht der Entwurf für eine neue Start-up-Strategie von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vor, der am Freitag bekannt geworden ist.

”Die Bundesregierung wird den deutschen Wagniskapitalmarkt weiter stärken und zusätzliche Möglichkeiten für großvolumige Finanzierungen durch inländische Investoren schaffen”, heißt es in dem Papier.

Aktuell ist es in Deutschland für stark wachsende Jungfirmen, die einen hohen Kapitalbedarf haben, schwer, ausreichend Geld zu erhalten. Bankkredite kommen kaum in Frage. Deswegen läuft die Finanzierung über staatliche Förderprogramme sowie spezialisierte öffentliche und private Investoren.

Das Papier sieht unter anderem vor, dass öffentliche Aufträge vermehrt an Start-ups vergeben werden sollen. Dafür soll beim Kompetenzzentrum Innovative Beschaffung (KOINNO) ein E-Marktplatz sowie eine zentrale Vergabeplattform geschaffen werden. Des Weiteren würden dem Entwurf zufolge zukünftig private wie öffentliche Rentenversicherungen einen festen Anteil ihrer Beitragseinnahmen in Wagniskapital investieren.

In den USA, den Golfstaaten, Skandinavien, Großbritannien und anderen Ländern fließen schon seit Jahren große Summen aus den Rentenkassen über Wagniskapitaltöpfe in die Finanzierung von jungen Firmen. In Deutschland verhindern regulatorische Vorgaben diesen Geldfluss dagegen weitgehend.

Erleichterungen bei der Anerkennung von Abschlüssen aus dem Ausland

Außerdem soll die Einkommensteuer reformiert werden, um die Mitarbeiterbeteiligung zu erleichtern und von Fondsinvestoren erhobenen Managementgebühren von der Umsatzsteuer befreit werden. Bisherige Hürden bei der Anerkennung von Berufs- und Hochschulabschlüssen ausländischer Fachkräfte sollen gesenkt und die IT-Sonderregelung im Einwanderungsrecht auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Zudem sollen Frauen in der weiterhin von Männern dominierten Branche besser gefördert werden.

Aktuelle Downsizing-Runden bei deutschen Fintechs

Habecks Vorstoß kommt zu einer Zeit, in dem viele Fintechs offensichtlich genauer auf die Zahlen schauen müssen. So haben etwa das Krypto-Start-up Nuri, der Banking- und Steuerservice Kontist sowie der Bezahldienstleister Klarna bereits harte Einschnitte bei den Mitarbeitern angekündigt.

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Klarna streicht jede zehnte Stelle

Nikolas Westphal von der auf die Tech-Branche spezialisierten Investmentbank Clipperton wertet im Gespräch mit FinanzBusiness die Entlassungen allerdings eher als letztes Mittel der Fintechs, wenn die Zeiten härter werden. ”In Investoren- und Unternehmergesprächen nehmen wir wahr, dass viele schnell wachsende aber unprofitable Firmen momentan daran arbeiten, ihre Cash Runway zu verlängern.” der Wert gibt an, wie viele Monate ein Unternehmen arbeiten kann, bevor ihm das Geld ausgeht - und wann es wieder frisches Kapital benötigt.

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