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NFT locken Betrüger an

Betrüger lieben neue Technologien, weiß Kim Grauer vom Datendienstleister Chainalysis. Daher sind auch die Non-fungible Token (NFT) nicht sicher vor Scams und Geldwäsche. Doch noch ist die Gefahr im Vergleich zu Krypto-Währungen gering.

Ein Mann hält ein Smartphone mit NFT in der Hand vor einem Laptop | Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Der Trend in Non-fungible Token (NFT) zu investieren, schwappt über den Atlantik: Auch bei uns werden die digitalen Statussymbole immer beliebter. Zwar gilt die zugrundeliegende Blockchain-Technologie als fälschungssicher - dennoch ist auch die NFT-Szene nicht frei von Betrugsversuchen.

Den Umsatz des NFT-Marktes, also an Ethereum-Smart-Contracts, taxiert der Datendienstleister Chainalysis auf 44 Mrd. US-Dollar. In einem Analyse Report hat sich das Unternehmen vor kurzem auch mit der kriminellen Seite der NFT beschäftigt: Und festgestellt, dass es auch in der neuen, bunten Welt der digitalen Sammelbilder vermehrt Betrugsversuche gibt: ”Dieser Anstieg ist wahrscheinlich auf das Wachstum des NFT-Marktes insgesamt zurückzuführen”, erklärt Kim Grauer im Gespräch mit FinanzBusiness den Anstieg von Betrugsfällen.

Übeltäter nutzen oft die neuesten Technologien.

Kim Grauer, Direktor für Research bei Chainalysis

”Übeltäter nutzen oft die neuesten Technologien.” Aber es seien die illegalen Aktivitäten bei NFT immer noch relativ gering . ”Die Wachstumsrate der legalen NFT-Aktivitäten übertraf bei weitem den Anstieg der illegalen NFT-Aktivitäten”, sagt sie.

Non-fungible tokens hatten 2021 ihren globalen Durchbruch

Preisblasen dank ”Wash-Trades”

Ein Problem der NFT - sie können für sogenannte ”Wash-Trades” missbraucht werden. Dabei wird der Preis künstlich aufgeblasen, indem die digitalen Sammleobjekte scheinbar von verschiedenen Menschen gehandelt werden, um ihren Wert in die Höhe zu treiben. In Wirklichkeit werden die NFT aber nur zwischen eigenen Wallets des Wash-Traders hin- und hergeschoben. Insgesamt sollen 262 Wash-Trader so laut Chainalysis fast 8,5 Mio. US-Dollar gemacht haben. Doch nicht immer erzielen die ”Wash-Trader” den gewünschten Gewinn.

Kim Grauer, Direktor für Research bei Chainalysis | Foto: Chainalysis
Kim Grauer, Direktor für Research bei Chainalysis | Foto: Chainalysis

Grauer hat sich einige Fälle genauer angeschaut: ”In einer Profitabilitäts-Analyse einer Gruppe von 262 Verkäufern haben wir im vergangenen Jahr festgestellt, dass 152 von ihnen nicht profitabel sind und insgesamt 416.984 Dollar durch Wash Trading verloren haben. 110 von ihnen sind profitabel und haben insgesamt 8.458.331 Dollar verdient”, berichtet Grauer. ”Während also die meisten NFT-Wash-Trader unprofitabel sind, machen diejenigen, die profitabel sind, so viel, dass ihre Gewinne die Verluste der Mehrheit, die unrentabel sind, in den Schatten stellen.”

Während also die meisten NFT-Wash-Trader unprofitabel sind, machen diejenigen, die profitabel sind, so viel, dass ihre Gewinne die Verluste der Mehrheit, die unrentabel sind, in den Schatten stellen.

Kim Grauer, Direktor für Research bei Chainalysis

”Der von uns identifizierte Wash-Trading-Trend war wahrscheinlich der interessanteste. Aber wir beobachten weiterhin, wie bösartige Akteure NFT-Plattformen missbrauchen könnten, da der Markt weiter wächst.” Ob es sich um Wash-Trades handelt, sei dank der Blockchain-Technologie gut nachvollziehbar, sagt Grauer, deren Arbeitgeber entsprechende Überwachungstools anbietet: ”Alle diese Aktivitäten sind auf der Blockchain transparent.”

Während Wash-Trading bei konventionellen Wertpapieren und Termingeschäften verboten ist, ist die rechtliche Situation bei den NFT bislang weniger eindeutig, da sie bislang kaum reguliert sind. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Aufsichtsbehörden ihren Schwerpunkt verlagern und die bestehenden Vorschriften zur Betrugsbekämpfung auch auf diesen neue Markt ausweiten.

Plattformen sollten in die Pflicht genommen werden, Mechanismen zur Legitimitätsprüfung von NFTs und Händlern einzuführen.

Alexander Braun, Executive Director bei der Beratungsgesellschaft Capco

Alexander Braun von der Beratungsgesellschaft Capco sieht die Verantwortung auch bei den Plattformen, über die NFT gehandelt werden - insbesondere bei der Legitimitätsprüfung. ”Plattformen sollten in die Pflicht genommen werden, Mechanismen zur Legitimitätsprüfung von NFT und Händlern einzuführen. Es ist wichtig, dass verifizierte Accounts entstehen, durch die Betrugsversuche vereitelt werden.” Auch könnten zum Beispiel Kunstgalerien die Echtheit von NFT überprüfen, schlägt er vor.

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NFT können auch zur Geldwäsche genutzt werden

Denn der NFT-Boom von 2021 soll auch der Geldwäsche Vorschub geleistet haben: So stieg die Summe der von illegalen Adressen an NFT-Marktplätze gesendeten Kryptowährungen im dritten Quartal 2021 deutlich an und überschritt den Wert von einer Million US-Dollar. Im vierten Quartal summierten sich die Gelder mit illegalem Hintergrund sogar bereits auf knapp 1,4 Mio. US-Dollar.

Aus Sicht von Chainalysis ist das gemessen an der Geldwäsche mit Kryptowährungen, die für 2021 mit 8,6 Mrd. Dollar beziffert wird, zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nichtsdestotrotz warnen die Analysten, dass die NFT-Geldwäsche das Vertrauen in den noch jungen Investmentzweig massiv untergraben könnte.

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