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Klarna will bei BNPL neue Standards setzen

Mit seinem ”Buy-now-pay-later” (BNPL)-Angeboten ist der schwedische Bezahldienstleister groß geworden. Nun sollen die entsprechenden Zahlungsoptionen verbraucherfreundlicher werden.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang

Gerade hat Klarna die Ausweitung der Partnerschaft mit Ebay verkündet: Dort können Kunden nun auch die Zahlungsoptionen ”Kauf auf Rechnung” und ”Ratenkauf” nutzen. Zuvor waren auf dem Marktplatz lediglich Sofortüberweisung über Klarna möglich.

Damit baut der schwedische Bezahldienstleister auch hierzulande fleissig weiter an seiner Vision von der Shopping-Super-App - und lässt dabei alte Strategien hinter sich. Denn vor knapp einer Woche überraschte Klarna mit der Nachricht, dass sich ausgerechnet das Feature, für das man in den Augen vieler im Zahlungsverkehr steht, stark verändern soll. An der ”Buy-now-pay-later” (BNPL)-Option wollen die Schweden in Deutschland kaum noch Geld verdienen. Zwar bleibt der Service erhalten, die Gebühren, die Klarna damit bislang eingenommen hat, entfallen aber, insgesamt werden die Regeln kulanter.

So hat der Bezahldienstleister unter anderem die Zahlungsfrist für Rechnungen verdoppelt und wird über die kommenden Monate ”überflüssige” Gebühren streichen, wie er mitteilte. Das ganze ist Teil einer Transparenz-Offensive, mit der die Schweden ihre Kundenfreundlichkeit unter Beweis stellen wollen. Laut Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski will man so auch Vorbild für andere sein. ”Klarna hat sowohl die Möglichkeiten als auch die Verantwortung, einen Wandel hin zu einer verbesserten finanziellen Situation der Konsument*innen weltweit voranzutreiben”, sagt er in einer Mitteilung. Dazu müsse der Markt transparenter werden. ”Den größten Einfluss haben wir jedoch, wenn wir selbst aktiv werden”, begründet Siemiatkowski die Veränderungen in Deutschland.

Klarna beendet revolvierende Kredite

Konkret heißt das: Beim ”Buy-now-pay-later” werden aus 14 Tagen 30 Tage und mit dem neuen Angebot ”Pay in 3” können Kunden ihre Rechnung zudem auf drei zinsfreie Raten verteilen. Die gebührenpflichtige Option ”Bezahlen im Monat X” fällt dagegen dem Rotstift zum Opfer - mit der Option konnten Nutzer bislang gegen eine Gebühr Zahlungen auf einen anderen Monat verschieben. Zudem werden alle Kreditangebote ohne klares Enddatum, die sogenannte revolvierende Kredite beendet. Klarna ersetzt sie durch feste Raten mit einem eindeutigen Enddatum - ”unnötige” Zinssätze und scheinbar unbegrenzten Krediten sollen so der Vergangenheit angehören.

Auf bestehende Partnerschaften mit anderen Fintechs haben die Produktänderungen keine Auswirkungen, wie eine Sprecherin auf Nachfrage versichert.

Billie und Klarna machen bei ”Buy now, pay later” gemeinsame Sache

Um zu unterstreichen, dass BNPL eigentlich noch nie der Motor des Klarna-Erfolgs war, gibt der Payment-Anbieter zudem Einblick in die Nutzerdaten. So seien bislang überhaupt nur drei Prozent der Zahlungen in Deutschland über eine Ratenzahlung abgewickelt worden. Der Anteil der Zahlungen per Rechnung, was Klarna als ”Pay Later” bezeichnet, betrug im vergangenen Jahr dann aber doch immerhin 49 Prozent. Auch die Sofortüberweisung seien bei den deutschen Klarna-Nutzern sehr beliebt: 48 Prozent der Zahlungen erfolgen so sofort und in voller Höhe. Auch den Umgang mit Mahnungen will Klarna in den vergangenen zwei Jahren bereits verbessert haben: So sank die Mahnrate zwischen 2019 und 2021 um 26 Prozent.

Im Visier der Verbraucherschützer

Grund für die neue Transparenz könnte allerdings auch die zunehmende Kritik am Buy-Now-Pay-Later-Modell sein. Auf TikTok kokettieren junge User unter dem Hashtag #Klarnaschulden geradezu damit, sich bei dem Bezahldienstleister verschuldet zu haben. Und auch die BaFin warnte bereits mehrfach vor Buy-now-pay-later-Angeboten, Verbraucher sollten sich von den ”verführerischen” kreditbesicherten Bezahlformen nicht durch ”scheinbar großzügige Zahlungsbedingungen zu Käufen verleiten lassen, die sie über kurz oder lang in ernste finanzielle Schwierigkeiten bringen könnten”, so die Behörde.

Verbraucherschützer kritisierten in der Vergangenheit mehrfach den Umgang von Klarna und anderen großen Anbietern mit Mahnungen. Klarna hatte auf diese Kritik hin im vergangenen Jahr bereits den Abgleich von Zahlungen und Rechnungen auf ein manuelles Matching umgestellt, um Fehler zu minimieren.

Klarnas Kauf-auf-Rechnung ruft Verbraucherschützer auf den Plan

Verärgerung über Paypal, Klarna & Co. nimmt zu

Auf die Frage, ob der Schritt eine mögliche Regulieurng vorweg nimmt, antwortet die Sprecherin: ”Mit unseren umfassenden Produktänderungen möchten wir Klarnas Zahlungsoptionen noch fairer und transparenter gestalten und damit innerhalb der Branche einen notwendigen Wandel zum Wohle der Verbraucher*innen anstoßen. Dabei orientieren uns ausschließlich daran, was das Beste für Kund*innen und Händler ist und begrüßen eine Regulierung, wenn sie zu einer Verbesserung der Standards innerhalb der Branche führt.”

Die Änderungen, die nun in Deutschland durchgesetzt werden, hat Klarna in Skandinavien und Großbritannien schon 2021 erprobt. In Schweden sank nach der Umstellung der Anteil der Rechnungen, die Mahngebühren beinhalteten, um 61 Prozent. Insgesamt habe man Klarna-Kunden bisher allein in vierten Quartal 2021 rund 50 Mio. US-Dollar an Zinsen und Gebühren erspart, so das Unternehmen.

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