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Allzeithoch bei der Kryptokriminalität schockt nur auf den ersten Blick

Mit dem Krypto-Boom steigen auch die Gefahren von Geldwäsche und Betrug, wie eine aktuelle Analyse zeigt. Unterm Strich gab es 2021 aber so wenig illegale Krypto-Transaktionen wie noch nie. Kriminelle gehen allerdings immer stärker in den NFT-Markt.

Kryptowährung Bitcoin (Symbolbild) | Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt

Es ist die große Sorge der Banken, wenn sie auf die Asset-Klassen Krypto und NFT schauen: Zwar wollen die Institute gerne vom aktuellen Boom profitieren - doch der Krypto-Szene eilt aus Bankensicht an vielen Stellen noch ein Image voraus, dass Kryptowährungen mit einem Bein in der Illegalität verortet.

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Ein Vorurteil, das sich auf den ersten Blick zu bestätigen scheint: Die Krypto-Kriminalität hat 2021 ein neues Allzeithoch erreicht, so das Ergebnis eines Reports von Chainalysis. Demnach erbeuteten Cyberkriminelle fast doppelt so viel Geld wie im Jahr zuvor: Insgesamt wurden 14 Mrd. US-Dollar an rechtswidrige Adressen gesendet, im Jahr 2020 waren es "nur" 7,8 Millliarden.

Anteil illegaler Transaktionen so gering wie nie

Setzt man die Zahlen allerdings ins Verhältnis zu den gestiegenen Transaktionsvolumen auf dem Kryptomarkt, ging die Kriminalität sogar zurück: Das Transaktionsvolumen wuchs um 567 Prozent, während die rechtswidrigen Transaktionen um rund 80 Prozent anstiegen. Damit waren unterm Strich 0,15 Prozent der Krypto-Transaktionen illegal - so wenig wie noch nie.

Die Analyse von Chainalysis macht aber durchaus Bereiche aus, in denen die Kriminalität blüht: gestohlene Gelder und Krypto-Scams. Demnach "verdienten" Kriminelle mit Betrügereien 7,8 Mrd. US-Dollar - was einem Anstieg von 82 Prozent entspricht. Ganze 2,8 Mrd. US-Dollar machten die Betrüger mit einer Methode namens Rug-Pulls, bei der Investoren-Gelder eingesammelt werden, bis die Initiatoren dann sang und klanglos mit dem Geld verschwinden - so geschehen etwa bei den Kryptoinvestments der türkischen Internet-Plattform Thodex.

Betrug und Geldwäsche mit NFTs

Die Analyse nimmt auch die Non-fungible Token (NFTs) genauer unter die Lupe, die sich einer steigenden Beliebtheit erfreuen. Der Umsatz des Marktes, also an Ethereum-Smart-Contracts, taxiert sie auf 44 Mrd. US-Dollar.

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Teilweise werden die Preise von NFTs aber durch sogenanntes Wash-Trading künstlich aufgeblasen, wie der Report feststellt. Bei diesem Trick werden die digitalen Sammleobjekte nur scheinbar von verschiedenen Menschen gehandelt - um ihren Wert in die Höhe zu treiben. In Wirklichkeit werden die NFTs aber nur zwischen eigenen Wallets des Wash-Traders hin- und hergeschoben. Insgesamt sollen 262 Wash-Trader so fast 8,5 Mio. US-Dollar gemacht haben.

Zudem hat der NFT-Boom von 2021 wohl auch der Geldwäsche Vorschub geleistet: So stieg die Summe der von illegalen Adressen an NFT-Marktplätze gesendeten Kryptowährungen im dritten Quartal 2021 deutlich an und überschritt den Wert von einer Million US-Dollar. Im vierten Quartal summierten sich die Gelder mit illegalem Hintergrund sogar bereits auf knapp 1,4 Mio. US-Dollar.

Vertrauen in NFTs könnte leiden

Neben Geldern, die aus Betrugsfällen stammten, stieg auch die Summe der Kryptowährungen, die von Adressen mit Sanktionsrisiko in NFT-Marktplätze flossen (284.000 US-Dollar).

Verglichen mit den 8,6 Mrd Dollar an Geldwäsche auf Basis von Kryptowährungen, die Chainalysis im gesamten Jahr 2021 verfolgt hat, ist das aber nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein", so der Report. Nichtsdestotrotz stellten Geldwäsche und insbesondere Überweisungen von sanktionierten Kryptowährungsunternehmen ein großes Risiko für den Aufbau von Vertrauen in NFTs dar.

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