FinanzBusiness

Softwarekonzern SAP übernimmt Working-Capital-Fintech Taulia

Das von Deutschen gegründete und in Kalifornien beheimatete Fintech werde als eigenständiges Unternehmen weitergeführt, teilte SAP mit. In der Vergangenheit hat Taulia bereits mit großen Banken wie JP Morgan kooperiert.

Cédric Bru,CEO von Taulia. | Foto: Taulia

Der Softwarekonzern SAP übernimmt einen Mehrheitsanteil am US-amerikanischen Working-Capital-Fintech Taulia, wie das Walldorfer Unternehmen mitteilte. SAP verfolge damit das Ziel, seinen Kunden besseren Zugang zu Liquidität zu ermöglichen und ihre Cash-Flow-Situation zu verbessern. Mit der Übernahme erweitere SAP deren Geschäftsnetzwerk und verstärke das Portfolio für CFO-Lösungen.

Zu den finanziellen Details der Transaktion vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Taulia soll als eigenständiges Unternehmen innerhalb der SAP-Gruppe geführt werden. So bleibt Cédric Bru CEO von Taulia, SAP-CFO Luka Mucic wird Vorsitzender des Verwaltungsrats. Taulia bietet Lösungen, mit denen Lieferanten schnell für ihre Lieferungen bezahlt werden können. Diese basieren auf Supply Chain Finance (Lieferketten-Finanzierung), dynamischer Diskontierung und der Finanzierung von Forderungen.

Schwierige wirtschaftliche Bedingungen und die anhaltenden Lieferketten-Engpässe hätten die Nachfrage nach Lösungen für die rasche Bezahlung von Lieferanten deutlich erhöht, heißt es in der Mitteilung. Der Markt für Working-Capital-Management hat zuletzt starkes Wachstum verzeichnet - das hatte auch Alexander Mutter, Global Head of Capital Markets bei Taulia, im Gespräch mit FinanzBusiness vergangenes Jahr berichtet.

"Wir kooperieren mit etablierten Banken, um von ihren Netzwerken und Bilanzstärken zu profitieren", sagt Alexander Mutter 

Kooperation mit JP Morgan

Taulia kooperiert bereits mit großen Banken wie JP Morgan, die die notwendige Finanzierung bereitstellen. Diese decken die Zeit zwischen einer sehr raschen Begleichung von Lieferantenzahlungen und einem späteren Begleichen von Rechnungen durch Käufer innerhalb der Zahlungsfrist ab. Zudem erhielt Taulia im Frühjahr 2020 eine Finanzierungslinie über 60 Mio. Dollar, bei der sich JP Morgan ebenfalls beteiligte. "Die Bank wird ihre strategische Allianz weiterführen und ihre Kapitalbeteiligung an dem Fintech-Unternehmen beibehalten", teilte SAP mit.

Die ausgeprägte Expertise von Taulia im Bereich Working-Capital-Management, kombiniert mit dem breiten CFO-Lösungsportfolio von SAP und der Integration in unsere Kern-Geschäftssoftware und unsere Business Network-Lösungen, bietet enormes Potenzial.

Luka Mucic, CFO von SAP

"Durch die Übernahme sind wir gut positioniert, ein führender Anbieter im Bereich Working-Capital-Management zu werden. Die ausgeprägte Expertise von Taulia im Bereich Working-Capital-Management, kombiniert mit dem breiten CFO-Lösungsportfolio von SAP und der Integration in unsere Kern-Geschäftssoftware und unsere Business Network-Lösungen, bietet enormes Potenzial. Wir werden diese Fähigkeiten skalieren, und Unternehmen dabei helfen, ihre Finanzlage zu verbessern und Wachstumschancen zu nutzen", kommentierte SAP-CFO Mucic.

Gemeinsamer Kundenstamm bei mehr als 80 Prozent

Taulia sei bereits ein wichtiger SAP-Partner mit bewährter Integration in SAP-Lösungen. Mehr als 80 Prozent des Kundenstamms betreiben ein SAP-ERP-System; Airbus, Nissan und AstraZeneca gehören zu den gemeinsamen Kunden.

SAP plane, die Integration mit Taulia zu verstärken, sowohl für das SAP Business Network als auch für die CFO-Lösungssuite. Die Lösungen von Taulia würden auch weiterhin eigenständig verfügbar sein, so dass auch Nicht-SAP-Kunden wie bisher vom Taulia-Portfolio profitieren können.

"Ich freue mich über die Kombination mit SAP und ihrem Ökosystem, um mehr Unternehmen zu bedienen und zur Vision von SAP beizutragen", sagte Taulia-CEO Bru. Das Fintech mit Sitz in San Francisco wurde 2009 unter anderem von dem Deutschen Bertram Meyer gegründet, der anfangs auch als Vorstandsvorsitzender diente und das Zepter 2015 an Bru übergab.

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