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Mehr Geldwäscheverdachtsfälle bei der Solarisbank

Bekommt nach N26 nun auch die Solarisbank Probleme mit Kriminellen, die die Konten der Bank für ihre Machenschaften nutzen? Das legt zumindest die gestiegene Zahl der Geldwäscheverdachtsfälle nahe. Die Bank widerspricht.

Die Solarisbank in Berlin | Foto: Solarisbank

Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" mehren sich bei der Solarisbank die Zahl der Geldwäscheverdachtsverfahren. Lag der Anteil von Fällen, die die Solarisbank betrafen, 2019 und 2020 meist nur bei einem Prozent, so sei der Wert im vergangenen Jahr teils massiv gestiegen:  Je nach Bundesland liegt er zwischen fünf und zwölf Prozent, wie Zahlen von knapp der Hälfte aller Landeskriminalämter belegen.

Am höchsten sei der Solarisbank-Anteil mit 80 von 641 Verdachtsfällen in Thürigen. Ermittler berichten aus ihrer Praxis teils von einer deutlichen Zunahme der Fälle.

Mit einem Klick zum Konto

Dass man bei Online-Banken vergleichweise schnell an ein Konto kommt, könnte - trotz aller Sicherungssysteme bei der Anmeldung - einladend auf Kriminelle wirken. Die heuern dann häufig Dritte an, um die Konten zu eröffnen und nutzen dann deren Zugangsdaten.

Bekommt nun also auch die Solarisbank ein ähnliches Problem wie die Digitalbank N26, die zeitweise zu einer Art Lieblingsbank für Kriminelle geworden war? Weil sie zudem die Geldwäscheverdachtsfälle verzögert meldete, schickte die BaFin der Neobank vor kurzem bereits den zweiten Aufseher ins Haus - und deckelte ihr Neugeschäft.

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Die Solarisbank hat allerdings im Gegensatz zu N26 gar kein eigenes Endkundengeschäft, sondern ermöglicht als Dienstleister zahlreichen Fintechs die Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle, indem sie ihnen die Banken-Infrastruktur zur Verfügung stellt. Zu den Kunden gehören etwa die Öko-Neobank Tomorrow, der Online-Broker Vivid Money sowie der eigene Investor Samsung und dessen Dienst Samsung Pay.

Die pauschale Behauptung, dass Digitalbanken anfälliger sind für Betrüger, ist falsch.

Solarisbank in einem Pressestatement

Im Kampf gegen Betrüger müsse man die Zusammenarbeit intensivieren, aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher noch besser über die Gefahren aufklären, für Betrugsmaschen sensibilisieren und schnelle Hilfe im Schadensfall ermöglichen, heißt es auf Anfrage von der Solarisbank in einem Statement. "Die pauschale Behauptung, dass Digitalbanken anfälliger sind für Betrüger, ist falsch."

Fälle im Branchenschnitt

Zu den aktuellen Zahlen der Geldwäscheverdachtsfälle oder deren Anstieg äußert sich die Bank auf Nachfrage zwar nicht, verweist aber auf den allgemeinen Anstieg der Cyberkriminalität und die steigende Anzahl der Online-Girokonten in Deutschland in den letzten fünf Jahren.

Die sind laut Bankenverband im Durchschnitt um dreieinhalb Millionen pro Jahr gewachsen, und im vergangenen Jahr hat in gutes Stück dieses Wachstums bei dem Berliner Fintech stattgefunden: "Die Solarisbank allein hat im Jahr 2021 rund eine Millionen neue Konten eröffnet. Dabei nutzen wir ausschließlich GwG-konforme Identifikationsverfahren und erfüllen die gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen. Der Wertung, dass der Anteil der Geldwäscheverdachtsmeldungen bei der Solarisbank vergleichsweise hoch ist, widersprechen wir damit ausdrücklich", schreibt die Bank.

Der Wertung, dass der Anteil der Geldwäscheverdachtsmeldungen bei der Solarisbank vergleichsweise hoch ist, widersprechen wir ausdrücklich.

Solarisbank in einem Pressestatement

Rasantes Wachstum & Pörsenpläne

Tatsächlich ist die Solarisbank in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und hat sich dank der letzten Finanzierungsrunde zuletzt den Zahlungsdienstleister Contis einverleibt. Bis zur Jahresmitte 2022 will man zudem "IPO-ready" sein, hieß es zuletzt von Vorstandschef Roland Folz. Der Börsengang könnte schon für das dritte Quartal geplant werden.

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Gemessen an der Anzahl der Konten zählt die Solarisbank, mit inzwischen über fünf Mio. Endkundenkonten, zu den größten Retail-Banken in Europa. "Wir wissen um unsere Verantwortung und gehen konsequent gegen Betrüger vor. Zugleich arbeiten wir daran, unsere Prozesse und Sicherheitssysteme weiter auszubauen und zu optimieren", heißt es von der Bank.

"Der Schutz unserer Kunden und die Sicherheit ihrer Einlagen haben für uns oberste Priorität. Dabei ist der Kampf gegen Finanzkriminalität die wichtigste Komponente. Deshalb investieren wir kontinuierlich in unser Compliance-System." Mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter arbeiten heute schon in diesem Bereich - "Tendenz steigend", schreibt die Solarisbank.

Mehr Cyberkriminalität, mehr Fälle

Die hohen Investitionen seien auch deshalb notwendig, weil die Bedrohung durch Cyberkriminalität weltweit ansteige - laut BMI sowohl in der Zahl der Angriffe als auch in der Professionalität der Täter.

Laut Europol habe die während der Corona-Pandemie beschleunigte Digitalisierung diese Entwicklung noch verstärkt. "Für junge Unternehmen wie die Solarisbank mit ausschließlich digitalen Geschäft ist das natürlich eine besonders große Herausforderung, der wir uns seit Jahren mit großem Engagement und stetig wachsenden Ressourcen stellen", so das Fintech. 

Zur Identifizierung der Nutzer arbeitet das Fintech mit IDnow zusammen. Dort hatte man Ende 202 bereits einen hohen Anstieg der Betrugsversuche festgestellt.

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