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Non-fungible token hatten 2021 ihren globalen Durchbruch

Das globale NFT-Handelsvolumen verzeichnete im Vergleich zu 2020 eine Explosion. Analysten prognostizieren, dass NFTs 2022 als Anlageform einen Hype erleben werden. Auch deutsche Anbieter öffnen sich langsam für das "Web 3.0".

Internetauftritt der beliebten NFT-Kollektion "Bored Ape Yacht Club". | Foto: Screenshot Startseite von Boredapeyachtclub.com

Die Blockchain-Welt hat auch 2021 wieder neue Trends hervorgebracht - allen voran den Handel mit Non-fungible tokens (NFTs). Nach Daten von "The Block" erreichte das globale NFT-Handelsvolumen bis zum 28. Dezember mehr als 13 Mrd. Dollar (rund 11,5 Mrd. Euro), wie die "Börsen-Zeitung" berichtet. 2020 waren es lediglich 33 Mio. Dollar.

Bei NFTs handelt es sich um einen digitalen Echtheits- und Eigentumsnachweis. Basierend auf der Blockchain erhalten Objekte so unverwechselbare Signaturen, die sie zu Unikaten machen, auch wenn sie millionenfach reproduziert werden können. Spektakuläre Auktionen von Musikstücken, Tweets, Sport-Videos, gar Grundstücke und Figuren aus virtuellen Welten erzielten teils Millionen von Dollar.

Vor allem künstlerische Sammlerstücke sind bislang gefragt. Zuletzt machten Transaktionen um den "Bored Ape Yacht Club" - eine Kollektion von 10.000 NFTs, die unterschiedliche "Bored Ape"-Motive zeigen - und die "Crypto Punks" die Runde. Auch Werke des 40-jährigen Künstlers "Beeple" (bürgerlich Mike Winkelmann) erzielten hohe Verkaufspreise.

Beliebteste NFT-Trades der vergangenen sieben Tage (Stand 30.12.2021) | Foto: Screenshot Nonfungible.com
Beliebteste NFT-Trades der vergangenen sieben Tage (Stand 30.12.2021) | Foto: Screenshot Nonfungible.com
Der Handel findet vor allem über die Ethereum-Blockchain statt - dort sind Nutzer allerdings mit hohen Transaktionsgebühren konfrontiert. Deshalb legten die Nutzer NFT-Bibliotheken auf alternativen Blockchains wie "Solana" an.

Renommierte Auktionshäuser auf dem richtigen Dampfer

Auch traditionelle Auktionshäuser haben das Geschäft mittlerweile für sich entdeckt: Sotheby’s erzielte 2021 nach eigenen Angaben allein aus NFT-Auk­ti­onen einen Umsatz von gut 100 Mio. Dollar.

Die Plattform "Opensea" hat mit Fotografie eine neue Kategorie eingeführt. Das dürfte viele Nutzer anlocken, die ihre Werke einstellen, als NFT prägen und mit ihrer Wallet verbinden können. Eine solche Einbindung vieler einzelner Händler nennt sich "Long Tail" im E-Commerce. Über die Masse kommt dann großes Volumen zustande. Jede auf Opensea tätige Ethereum-Adresse erhielt vergangene Woche per Airdrop das Recht, den von OpenDAO emittierten SOS-Token gratis zu beziehen.

Der SOS-Token ist der SPL-Utility-Token von Solstarter im Solana-Netzwerk. Solstarter hat nach eigenen Angaben die Vision, das Investieren in Decentralized Finance zu demokratisieren. Der Hauptanwendungsfall von SOS-Token ist die Teilnahme an Token-Verkäufen von neuen Projekten, die auf der Plattform gestartet werden.

Davon machten gut ein Drittel der 850 .000 Nutzer Gebrauch, die im Schnitt Token im Wert von jeweils 125 Dollar erhielten. Die Marktkapitalisierung in Umlauf gekommener SOS-Token beträgt gut 200 Mio. Dollar. Experten warnen davor, dass sich die Hälfte der Token im Besitz von drei OpenDAO-Gründern befindet, die mangels Lock-up mit einer Verkaufswelle Retailkäufern schaden könnten.

Ausblick 2022: NFTs als Anlageobjekt

Vor allem die Kreativszene wird 2022 viele NFT-Projekte aufsetzen, da sich in der Musikbranche Künstler höhere Vergütungen aus dem Verkauf von NFT-Dateien ihrer Alben und Songs erhoffen, als sie etwa über Streaming-Plattformen wie Spotify möglich sind. Marktbeobachter erwarten, dass NFTs als Anlageobjekte weiter an Beliebtheit gewinnen und weitere Investoren in den Markt einsteigen. Spätestens seit der Umbenennung von Facebook in Meta Platforms und der Ankündigung eines eigenen Metaversums durch den Konzern sei das Thema in aller Munde, sagt der Analyst Mark Palmer vom Brokerhaus BTIG.

Roman Matkovskyy, Professor an der Rennes School of Business, sieht ebenfalls großes Potenzial für NFTs. Schließlich könnten sie zur Übertragung von Rechten sowohl an virtuellem als auch an physischem Eigentum genutzt werden. "Wir werden also herausfinden müssen, wie NFTs von traditionellen Institutionen wie Museen, Fonds und so weiter behandelt, gehalten und bewertet werden können."

Gleichzeitig eröffneten sich für Anleger Chancen durch Investments in Firmen, die sich mit der NFT-Technologie beschäftigten und zum Beispiel virtuelle Welten betreiben, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Noch ist aber nicht absehbar, ob es sich lohnen wird und welche Unternehmen sich durchsetzen werden - geschweige denn, ob sich Virtual Reality überhaupt als Technologie durchsetzen wird, die von vielen Menschen genutzt wird."

Auch deutsche Anbieter öffnen sich

In Deutschland ist der Trend ebenfalls angekommen - wenn auch im kleineren Stil; die Akzeptanz für neuartige Anlageformen wie diese muss wie etwa bei der von Kryptowährungen noch wachsen. Der Hamburger Neobroker Naga hat beispielsweise bereits die Anbindung einer NFT-Plattform angekündigt.

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Ebenso hat der Berliner Investor Greenfield One jüngst einen Kryptofonds in dreistelliger Millionenhöhe aufgelegt. Der Venture-Capital-Investor hält bereits Anteile an Darkblock, einem Protokoll für die Rechteverwaltung von NFTs. "Das Web 3.0 hat sich mittlerweile aus der Nische heraus entwickelt", sagte Greenfield-Mitgründer Sebastian Blum damals.

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