Für N26 war 2021 das Jahr der Schlagzeilen

Die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal blicken auf ein turbulentes Jahr zurück: Neben hochkarätigen Abgängen, der Besetzung von Schlüsselpositionen und kostspieligen Problemen mit der BaFin konnte sich das Unternehmen weitere 700 Mio. Euro an Eigenkapital sichern. FinanzBusiness fasst die Geschehnisse als Jahreschronik zusammen.

(v.l.) Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf, Gründer von N26. | Foto: N26

Das Jahr 2021 lässt sich für die Berliner Neobank N26 in einem Wort zusammenfassen: turbulent. Es war ein Jahr der Schlagzeilen, geprägt von großtönenden Ankündigungen, auf die ernüchternde Rückzüge und Eingeständnisse folgten. Monatlich berichteten Medien von hochkarätigen Abgängen und Neuzugängen. Manch skandalbehaftete Nachricht kann sogar als existenzgefährdend eingestuft werden - etwa was die vielfachen Rügen der Aufsichtsbehörde BaFin anbelangt. Über 40 Artikel hat FinanzBusiness in diesem Jahr über Deutschlands größte Challenger-Bank geschrieben - Zeit für eine Rückblende.

Das Personal-Karussel dreht sich munter

Das Jahr begann mit der Besetzung einer Schlüsselposition auf dem Weg zum avisierten Börsengang, den das Unternehmen zeitgleich als festes Ziel für 2023 ankündigte. Jan Kemper, der vom E-Commerce-Riesen Zalando kam, würde zum 1. Juli neuer Finanzchef, teilte N26 in freudiger Erwartung mit. Mit ihm wolle man in eine "neue Wachstumsphase" eintreten, hieß es. Zeitgleich wurde N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal zum Co-CEO neben Valentin Stalf ernannt.

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Wenig später baute N26 die Geschäftsführung der Bank-Tochter um, nachdem die bisherigen Geschäftsführer Markus Gunter und Richard Groeneveld ihren Abgang bekanntgegeben hatten.

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Zudem holte N26 Marta Echarri als General Managerin für Spanien und Portugal an Bord - ein klares Bekenntnis zum Vorantreiben der Internationalisierung in Europa. Echarri folgte auf Francisco Sierra, der das Unternehmen nach etwa drei Jahren verließ. Mit ihm war die Neobank 2018 in Spanien gestartet.

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Die Personalrochade zog sich durch das Jahr hindurch. Während im März mit Gilles BianRosa ein neuer Produktchef gefunden wurde, verließ im darauffolgenden Monat der langjährige Finance-Manager William Kunter das Unternehmen. Für die europäische Lobbyarbeit verpflichtete N26 wenig später die ehemalige Beraterin Greta Schulte.

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In den folgenden Monaten verabschiedeten sich außerdem Oliver Schreiber, Head of Risk & Treasury bei der Banktochter von N26, und Georg Hauer, General Manager für die DACH-Region, der vor allem durch seine auffällige Social-Media-Präsenz von sich reden machte. Ein Nachfolger für ihn ist bis dato offiziell noch nicht gefunden.

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Immer wieder Ärger mit der BaFin

Doch die rege Fluktuation auf Manager-Level sollte nicht das drängendste Problem der Neobank darstellen. Im Mai wurde bekannt, dass ihr die BaFin einen Sonderbeauftragten ins Haus schicken werde, da Mängel bei der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung durchgesickert waren. Die BaFin hatte derartige Schwachstellen bereits zwei Jahre zuvor entdeckt und offen beanstandet. Der zeitgleiche Abgang des Group Anti Money Laundering Officers, Thomas Ball, machte die Sache nicht einfacher. Auf ihn folgte intern Stephan Niermann. Zudem stieg Thomas Grosse zum Chief Risk Officer der Gruppe auf.

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Die BaFin-Rüge kam die Neobank teuer zu stehen, wie im Herbst bekannt wurde: N26 habe bereits im Juni einen Bußgeldbescheid über 4,25 Mio. Euro wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen von der Aufsicht erhalten. N26 bezifferte die Zahl der Fälle aus den Jahren 2019 und 2020 selbst auf "weniger als 50". Den Betrag habe das Unternehmen nach eigenen Angaben fristgerecht am 14. Juli überwiesen und das Bußgeldverfahren sei damit abgeschlossen, hieß es. Zudem habe die Neobank weitere Millionensummen in die Stärkung der Compliance investiert, sagte ein Sprecher zu FinanzBusiness.

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Dass die BaFin die Zügel bei N26 deutlich anzieht, wurde zudem durch einen zweiten Sonderbeauftragten deutlich, den die Aufsicht wenige Monate nach dem ersten hinterherschickte.

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Mit Investoren durch dick und dünn

Bestehende und neue Investoren ließen sich von diesen Negativ-Schlagzeilen allerdings nicht abschrecken - im Gegenteil: Anfang Oktober folgte mit Bekanntwerden der Finanzierungsrunde in Höhe von rund 700 Mio. Euro ein zwischenzeitliches Hoch, die Bewertung stieg laut Branchenkennern auf etwa 8 Mrd. Euro. Die anhaltende Geldschwemme im Euroraum kombiniert mit dem Niedrigzinsumfeld wird diese Entscheidung sicherlich begünstigt haben. Ein Insider erzählte im Gespräch mit FinanzBusiness, dass Investoren sich aber generell von solchen Hürden wie Problemen mit Deutschlands oberster Aufsichtsbehörde nicht beeindrucken ließen, wenn sie an den Wachstumscase glauben.

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Die N26-Gründer sind in der Venture-Capital-Szene zudem gut vernetzt, Tayenthal ist selbst bekannter Angel-Investor.

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Jähes Ende der Übersee-Pläne

Marktbeobachter hatten schon seit geraumer Zeit gemunkelt, dass N26 sich mit der relativ frühen Expansion im US-amerikanischen Markt zu viel vorgenommen hatte. Im November folgte Gewissheit: Die Neobank teilte mit, dass sie den dortigen Kunden den Stecker zieht. Das Angebot wird ab dem 11. Januar 2022 nicht mehr verfügbar sein. Das betreffe rund 500.000 Nutzer, hieß es vom Unternehmen. Die Tochtergesellschaft N26 Inc. mit Sitz in New York war im Juli 2019 gestartet.

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Alles in allem hat das Gründer-Duo Stalf und Tayenthal Grund, auf 2021 anzustoßen, denn mit dem frischen Kapital können sie ihre ambitionierten Ziele trotz der Rückschläge weiter verfolgen. Zeitgleich stehen beide vor der Mammutaufgabe, dem heraufbeschworenen Wachstum nun effektive Strukturen folgen zu lassen, die das Unternehmen vor geschäftsgefährdenden Compliance-Schwachstellen bewahren. Und dann ist da noch die Sache mit der Profitabilität, die spätestens zum Börsengang in Aussicht stehen sollte, damit Kleinaktionäre ebenso wie gut betuchte Venture-Capital-Investoren an die Zukunft der Neobank glauben.

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