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ETF als Zahlungsmittel polarisiert vor Start

Das Berliner Fintech UnitPlus setzt auf ETFs als Zahlungsmittel. Ein Modell für die Zukunft? Mit Risiken, findet die DWP Bank.

Links im Bild: Die Gründer von UnitPlus (v.l. Sebastien Segue, Fabian Mohr und Kerstin Schneider) Rechts im Bild: Christian Hogrebe, Leiter Produktmanagement und Vertrieb der Deutschen WertpapierService Bank | Foto: UnitPlus/Dwpbank

Bezahlen, aber mit ETFs. Damit kommt Fabian Mohr, Mitgründer des Berliner Fintech-Unternehmens UnitPlus, im Gespräch mit FinanzBusiness direkt auf seine Geschäftsstrategie zu sprechen: "Viele Deutsche beschäftigen sich nicht mit Anlagestrategien, sondern lassen ihr Geld auf einem klassischen Konto liegen", sagt er.

Das Konzept erscheint auf den ersten Blick einfach. Das Geld wird in einem passiv gemanagten ETF-Depot angelegt, der Kunde bekommt eine kostenlose Mastercard Debitkarte, mit der er einkaufen kann.

Doch ganz so unkompliziert ist es dann auch wieder nicht, erklärt Christian Hogrebe, Leiter Projektmanagement und Vertrieb der Deutschen WertpapierService Bank (DWP Bank). "Das kann schon Sinn machen als Ersatz für ein Tagesgeldkonto." Würden Kunden die Karte jedoch exzessiv nutzen, fielen im Hintergrund für jede Transaktion Gebühren an. "Da muss der Betreiber sehen, dass er das richtig kalkuliert."

Zahlungsströme bleiben geheim

Ein Thema, über das Mohl lieber schweigt: "Zu den Zahlen möchten wir noch nichts sagen. Aber es ist genug Geld für den Anfang da, um die Transaktionen durchzuführen." Denn das FinTech muss das Geld vorlegen - ein ETF-Verkauf dauert in der Regel zwei Werktage, der Kunde braucht das Geld aber sofort, wenn er mit der Karte einkauft. Und es gibt eine weitere Hürde, denn in der Regel sind die Kosten bei einem Einkauf nicht eins zu eins mit dem zu verkaufenden ETF identisch, auch, wenn er nur teilweise verkauft wird. "Das lösen wir so, dass der Differenzbetrag dann wieder angelegt wird." Möglich gemacht wird das über Partnerinstitutionen, zu denen sich das Start-up jedoch ausschweigt.

Kein Gehaltskonto

Von den komplexen Mechanismen im Hintergrund bekommt der Kunde nichts mit. "Wir wollen, dass es so einfach wie möglich ist, um Hemmschwellen abzubauen", erklärt Mohr. Es gebe kein Ent­we­der-oder beim Thema Anlage. Das Geld sei immer sofort verfügbar. Trotzdem stellt er klar: "Es ist kein Gehaltskonto. Die Idee ist mehr eine Depot-App, als eine vollständige Kontolösung." Das Depot könne auch nicht überzogen werden. "Es handelt sich hier eher um eine moderne Art der Prepaidkarte."

An den Start gehen möchte das Unternehmen Ende des Jahren und hofft, im kommenden Jahr 35.000 Nutzer zu überzeugen. "Ich denke, das ist realistisch, die aktuelle Resonanz ist gut", berichtet Mohr. Angesprochen werden sollen vor allem Millennials, aber es gebe auch Zuspruch aus anderen Altersschichten. "Wir wollen ein leicht verständliches und faires Angebot, weshalb wir uns für eine monatliche Gebühr von zwei Euro entschieden haben sowie 0,7 Prozent auf das angelegte Geld im Jahr." Dafür sei eine Rendite von 8 Prozent im Jahr möglich.

Den Kurswert im Auge behalten

Das Ziel laut Mohr ist, langfristig ein guter Verwalter vom Geld zu sein. Für Vielshopper sei das Angebot nicht geeignet. Und auch Christian Hogrebe gibt zu bedenken, dass der Kurswert schwankt: "Wenn Sie jeden Tag mit dieser Karte beim Bäcker Brötchen einkaufen, ist Ihre Kaufkraft davon abhängig, wie ihre ETFs stehen." Der Erfolg dieses Konzepts steht und fällt in seinen Augen damit, dass nicht ständig Transaktionen ausgelöst werden.

ETF-Sparpläne erfreuen sich großer Beliebtheit. Nach Angaben von ING Deutschland von Ende Juli ist der durchschnittliche Wertpapiersparer bei der Direktbank 39 Jahre alt. Dabei ist die Altersgruppe der Berufstätigen von 25 bis 54 Jahren mit über 60 Prozent am häufigsten vertreten.

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