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Vivid Moneys neuer Broker ist kein Zockerspielzeug

Das gerade eingeführtes Trading-Angebot ist direkt mit dem Girokonto verknüpft - was schnelles Handel mit Aktien ermöglicht. Vivid-Gründer Alexander Emeshev sieht sein Produkt trotzdem als Gegenentwurf zu Neobrokern wie Robinhood - auch weil man bewusst auf die "Weiterbildung" der Kunden setzt.

Alexander Emeshev, Mitgründer von Vivid Money | Foto: Vivid Money

"Der große Unterschied zu den gängigen Neobrokern ist: Vivid ist eine Banking App, welche ihren Nutzern zusätzlich zum Girokonto die Möglichkeit zum Investieren gibt", sagt Alexander Emeshev, Mitgründer von Vivid Money im Gespräch mit FinanzBusiness. Seit Ende Februar bietet die Baking-App zusätzlich zum Girokonto auch eine Trading-Funktion - unbegrenzt und provisionsfrei, wie Vivid verspricht. Kunden können beispielsweise schon mit nur einem Euro-Cent direkt in Aktien und ETFs aus den USA sowie der Europäischen Union investieren.

Vivid erweitert Angebot um Aktien- und ETF-Handel 

"Wir bieten zudem den großen Vorteil, dass Kunden ohne eine zeitliche Verzögerung investieren können, während sie bei einem Neobroker auch aufgrund des T+2-Systems beispielsweise nur zeitversetzt handeln können", so Emeshev.

Gerade das könnte aber doch eher Zocker anlocken - oder auch nicht so kundige Nutzer verführen, bei Börsen-Rallys wie zuletzt dem Hype um die Gamestop-Aktie mitzumachen? Bei der Börsen-Rally in Aktien wie Gamestop und AMC hatten sich Kleinanleger auf Reddit gezielt zum Aktienkauf verabredet, um Hedgefonds unter Durck zu setzen.

Ich denke nicht, dass Spekulanten von unserem Produkt  angezogen werden, sie suchen das Risiko eher bei klassischen Neobrokern.

Alexander Emeshev, Mitgründer von Vivid Money

"Ich denke nicht, dass Spekulanten von unserem Produkt angezogen werden, sie suchen das Risiko eher bei klassischen Neobrokern", meint Emeshev.

"Wir legen viel Wert darauf, den Nutzer in die Lage zu versetzen, durchdachte Finanzentscheidungen zu treffen, beispielsweise lediglich Bruchteile einer Aktie zu erwerben. Der typische mit Aktien nicht so vertraute Nutzer der App weiß vielleicht nicht, was ein differenziertes Portfolio ist, oder wann sich ein Investment in ETFs lohnt - das wollen wir ändern", so Emeshev. "Wir wollen allen Kunden ermöglichen, Geld in den Aktienmarkt zu investieren." Daher baut man gerade in der App entsprechende Informationsangebote auf.

Kein Produkt für Zocker

Von den Neobrokern wie dem US-amerikanischen Fintech Robinhood, dass während der Börsen-Rally bei Aktien wie Gamestop stark in die Kritik geraten war, grenzt Emeshev sich bewusst ab.

Der Gamestop-Effekt wird für Robinhood zur Herausforderung 

"Wir machen genau das Gegenteil von dem, was Neobroker wie Robinhood tun, die auf schnelles Trading setzen - und zudem Aktienkäufe leveragen. Die größten Probleme, auch während der Gamestop-Rally, hatte man dort beispielsweise mit "option trades", meint der Vivid-Gründer. Letztlich musste Robinhood den Handel sogar zeitweise aussetzen - und hatte wohl auch ein massives Problem mit dem Kundenservice, der zeitweise unter der Last vieler Anrufe zusammenbrach.

"Painpoint" Kundenservice

Für Emeshev ein echter "Painpoint". "Ich kann es nicht ertragen, wenn Kunden in der Warteschleife hängen - Kundenservice ist bei uns ein echter Aktivposten. Wir haben schon jetzt ein 200-köpfiges Team mit einer sehr umfangreich geschulten Kundenservice-Abteilung, welche in vier Sprachen Antworten geben kann und wir stellen immer noch wie verrückt ein - Kundenservice ist für ein gutes Produkt einfach essentiell und der Schlüssel für Kundenzufriedenheit. Unsere Kunden sollen sich sicher fühlen, es geht immerhin um ihr Geld", so Emeshev.

Weg vom "maskulin-per-design"

Am beliebtesten bei den Vivid-Kunden sei derzeit die Pocket-Funktion, rund 30 Prozent nutzen zudem bereits die virtuelle Debitkarte. Emeshev selbst ist ein großer Fan der Shared Pockets, die "perfekt für Familien" seien, um ihre täglichen Ausgaben darüber zu steuern. Der typische Kunde bei Vivid ist zwischen 32 und 33 Jahre alt - und - wie bei vielen Neobanken - in der Mehrzahl männlich.

Viele Fintech-Apps sind maskulin-per-design, unsere Optik ist da ganz bewusst anders

Alexander Emeshev, Mitgründer von Vivid Money

"Das ist aber etwas, was wir gerne ändern wollen unser Anspruch ist ja gerade, Hürden abzubauen, die Nutzer vom Sparen und Investieren abhalten könnten. Viele Fintech-Apps sind maskulin-per-design, unsere Optik ist da ganz bewusst anders", sagt Emeshev

Nächstes Marke: 500.000 Kunden

Ziemlich schnell hat Vivid das selbstgesteckte Ziel von 100.000 Kunden in einem Jahr bereits nach acht Monaten erreicht. "In dem kommenden 18 Monaten halten wir schon eine Kundenzahl von 500.000 für möglich", sagt Emeshev, auch wenn das kein festgesetztes Ziel sei, das man unbedingt erreichen müsse.

Vivid Money übertrifft seine Wachstumsziele  

"Wichtiger ist für uns, jede Woche eine Neuerung in die App zu bringen und ständig neue Services und Produkte zu launchen", sagt Emeshev. Denn Vivid investiere nicht allzuviel Geld in teure Marketing-Kampagnen - sondern setzt lieber auf Mundpropaganda: "Wir denken beispielsweise über einen Konsumentenkredit für Kunden nach und über weitere Wege, wie sie ihr Geld für sich arbeiten lassen können."

Krypto steht ganz oben auf der Liste

Aktuell evaluiert Vivid den Markt zu derzeit gehypten Kryptowährungen. "Bitcoin und Co. stehen ganz weit oben auf der Liste möglicher neuer Services." Bei der Entscheidung für oder gegen ein neues Produkt stelle er sich die Frage, wie man das Angebot besser gestalten kann als andere Player am Markt, so Emeshev. "Gleichzeitig muss es aber auch immer ein zweites Kriterium erfüllen: Nämlich super sicher zu sein."

Außerdem will man auf jeden Fall noch in diesem Jahr in drei bis vier weitere europäische Länder expandieren und die Partnerschaften mit Unternehmen ausbauen.

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