Santander beendet Wirecard-Nachfolgegeschäft in Deutschland

Das Institut hatte Anfang 2021 Teile des insolventen Konzerns übernommen und wollte das Payment-Geschäft ausbauen. Die Spanier konzentrieren sich jetzt lieber auf Spanien, Portugal und Lateinamerika.
Santander-Filiale in Deutschland. | Foto: picture alliance / Schoening | Schoening
Santander-Filiale in Deutschland. | Foto: picture alliance / Schoening | Schoening

Die spanische Großbank Santander schließt das Zahlungsgeschäft ihrer Tochter Pagonxt in Deutschland. Ein Pagonxt-Sprecher bestätigte die Einstellung der Plattform gegenüber dem Handelsblatt. 

Klare Perspektive vermisst

Santander hatte Anfang 2021 Teile des insolventen Wirecard-Konzerns übernommen und wollte das Zahlungsgeschäft in Deutschland ausbauen. Der Start verlief jedoch holprig.. Die rund 500 übernommenen Wirecard-Mitarbeiter hätten zu Beginn eine klare Perspektive vermisst und hätten kritisiert, dass altbekannte Manager aus den Wirecard-Jahren weiterhin die Geschäfte leiteteten. Im Herbst 2022 übernahm Nicole Mantow die Geschäftsführung bei Pagonxt Merchant Solutions in München, verließ die Firma jedoch inzwischen wieder. 

”Angesichts der Entwicklung des Händlerzahlungsmarktes in Europa konzentrieren wir uns auf unser Acquiring-Angebot in Spanien und Portugal sowie auf strategische Märkte in Lateinamerika“, erklärte der Sprecher. ”Deshalb stellen wir unsere Plattform in Deutschland ein.“ 

Acquirer wickelt im Auftrag von Händlern Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten ab. Zahlungsfirmen erhalten von den Händlern einen kleinen Teil des Transaktionsvolumens als Gebühr. Santander hat in der Pagonxt-Tochter seine verschiedenen Zahlungsdienstleister weltweit gebündelt. 

380 Beschäftigte in Deutschland betroffen

Von der Entscheidung sind in Deutschland rund 380 Beschäftigte betroffen. Zudem betrifft es etwa 150 IT-Fachkräfte in Dubai und im indischen Chennai. ”Wir haben Gespräche mit dem Betriebsrat in Deutschland aufgenommen, um einen geordneten, sozialverträglichen Übergang für die Mitarbeitenden zu gewährleisten“, sagte der Pagonxt-Sprecher. 

Wirecard war im Juni 2020 zusammengebrochen, nachdem der damalige Dax-Konzern ein angebliches Milliardenvermögen auf Treuhandkonten nicht auffinden konnte. Das Geld sollte aus dem Drittpartnergeschäft stammen, das Wirecard vor allem in Asien für Kunden aus der Porno- und Glücksspielbranche betrieb. 

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