Alle sprechen von bevorstehender Zinssenkung - aber Deka-Chefvolkswirt geht einen Schritt weiter

Insider rechnen nicht mit einer Zinssenkung an diesem Donnerstag - allerdings mit einem Hinweis der EZB-Präsidentin auf eine Senkung in der Juni-Sitzung. Und Ulrich Kater erwartet noch mehr. 
dpa

(Aktualisiert um Einschätzung von Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater)

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird an diesem Donnerstag (11. April) nach Einschätzung von Ökonomen ihren Leitzins voraussichtlich nicht antasten. Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde dürfte jedoch eine Zinssenkung für Juni signalisieren. Es wäre das fünfte Mal in Folge, dass die Notenbank die Zinsen nicht verändert.

Der derzeit entscheidende Einlagensatz dürfte demnach zunächst auf 4,0 Prozent verharren, erwarten viele Analysten. Der seit längerem weniger entscheidende Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 4,5 Prozentpunkte.

Inflation weiter gesunken

Die EZB hatte im Kampf gegen die hohe Teuerung ihre Zinsen kräftig angehoben. Die Inflation in der Eurozone ist zuletzt allerdings weiter gesunken. Im März fiel die Inflationsrate auf 2,4 Prozent. Im Herbst 2022 hatte sie noch ein Rekordhoch von 10,7 Prozent markiert. Die Notenbank strebt auf mittlere Sicht eine Rate von 2,0 Prozent an.

Dss die Teuerung wieder in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der EZB sinke, sei nicht zuletzt auf das entschlossene Handeln der EZB zurückzuführen. ”Mit ihren deutlichen Zinsanhebungen seit Sommer 2022 hat die EZB auf die Teuerungswelle professionell reagiert”, so die Einschätzung von Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Das habe ihr gerade in Deutschland nicht jeder zugetraut, erinnerte Kater an eine Debatte, die vor allem während der großen Eurokrise vor gut zehn Jahren tobte. Seinerzeit hatte die Zentralbank dem kränkelnden Euroraum mit Niedrigzinsen und Anleihekäufen unter die Arme gegriffen, was ihr teils heftige Kritik einbrachte.

Trotz des Rückgangs der Inflation erwarten Experten eine erste Zinssenkung erst auf der nächsten Sitzung am 6. Juni. ”Die Mehrheit im EZB-Rat dürfte wohl bis Juni warten wollen, weil dann nicht nur die neuen Projektionen der EZB-Experten vorliegen, sondern die für die Notenbanker derzeit wichtigen Lohnindikatoren dann nahezu das erste Halbjahr abdecken”, heißt es in einem Ausblick der Commerzbank. Dies hatte auch EZB-Präsidentin Lagarde bei der vorherigen Pressekonferenz mehrfach angeführt. Man werde im April ”etwas mehr” wissen, im Juni aber ”deutlich mehr”.

Wenig Zweifel mit Blick auf Juni

”Im Vorfeld dieser EZB-Ratssitzung gaben einige Mitglieder zu verstehen, dass sie über den Beginn von Leitzinssenkungen diskutieren wollen”, schreiben die Experten der Deka in einem Ausblick. Wahrscheinlich werde die EZB eine Entscheidung jedoch auf das nächste Treffen verschieben, da sie dann über eine umfassendere Datengrundlage verfüge.

Es gibt derzeit wenig Zweifel an den Märkten, dass die EZB im Juni ihre Zinsen senken wird. Lagarde betont zwar immer wieder, dass man datenabhängig vorgehen werde. Allerdings ist die Notenbank meistens bestrebt, die Märkte nicht zu überraschen. ”Auf der Pressekonferenz sollte Präsidentin Lagarde andeuten, dass die Hürden für einen ersten Zinsschritt nicht hoch liegen, das anschließende Tempo der geldpolitischen Lockerung aber von der Entwicklung der Daten abhängen wird”, erwarten die Experten der Deka.

Eine Senkung - oder zwei?

Weil die Teuerung aktuell wieder fällt, kann sich der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, für dieses Jahr sogar insgesamt zwei Zinssenkungen der europäischen Währungshüter vorstellen. ”Eine erste Lockerung im Juni dürfte ausgemachte Sache sein. Danach dürfte die EZB ihre Leitzinsen im Jahresverlauf noch ein weiteres Mal lockern.”

Insgesamt zeichnet sich ab, dass die EZB die Zinsen vor der US-Notenbank Fed senkt. Angesichts der robusten Konjunktur und des stabilen Arbeitsmarkts in den USA gibt es mittlerweile sogar Stimmen aus der Fed, die Zinssenkungen in diesem Jahr in Zweifel ziehen. In der Eurozone hingegen schwächelt die Wirtschaft, insbesondere in Deutschland. Dies dürfte es der EZB leichter machen, die Zinsen im Juni zu senken.

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