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Wissenschaftler und Insolvenzverwalter warnen vor mehr Firmenpleiten bis 2023

Zwar lag die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2022 weiter auf sehr niedrigem Niveau, das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle sowie der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter sehen allerdings bereits eine Trendwende.

Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. | Foto: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent gefallen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Nach vorläufigen Angaben sind die beantragen Unternehmensinsolvenzen im August allerdings um 6,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem im Juli die Anzahl noch um 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen war.

Auch wenn die Zahlen weitgehend unverändert sind, sehen wir in diesen Wochen einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf vor allem bei Unternehmen aus energieintensiven Branchen.

Jutta Rüdlin, Insolvenzverwalterin und Vorstandsmitglied des VID

”Auch wenn die Zahlen weitgehend unverändert sind, sehen wir in diesen Wochen einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf vor allem bei Unternehmen aus energieintensiven Branchen“, sagt Jutta Rüdlin, Insolvenzverwalterin und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Insolvenz- und Sachwalter Deutschlands (VID), in einer Mitteilung.

Die Entlastungspakete der Bundesregierung enthalten bisher keine pauschalen Hilfszusagen, sondern konzentrieren sich auf eine Erleichterung bei der Insolvenzantragspflicht für ”Unternehmen, die im Kern gesund und auch langfristig unter den geänderten Rahmenbedingungen überlebensfähig sind“.

Anstieg um 40 Prozent denkbar

Weitergehende Hilfen, wie sie während der Coronapandemie ermöglicht wurden, sind hier bisher nicht vorgesehen. ”Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass bei anhaltend hohen Energiepreisen und entsprechend steigenden Preisen für Rohstoffe, Logistik, etc. die betroffenen Unternehmen in die Verlustzone geraten. In der Folge könnten die Unternehmensinsolvenzen innerhalb der nächsten zwölf Monate um bis zu 40 Prozent steigen. Dies wäre allerdings auf der historisch niedrigen Basis keine Insolvenzwelle, sondern eine Normalisierung der Zahlen“, erläutert die VID-Vorständin.

IWH beobachtet ebenfalls Trendwende

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht von steigenden Zahlen in den kommenden Monaten aus. ”Nach lange Zeit niedrigen Insolvenzzahlen hat nun eine Trendwende eingesetzt”, erklärte IWH-Forscher Steffen Müller in der vergangenen Woche. Verantwortlich seien in erster Linie stark steigende Preise zum Beispiel für Energie und Probleme in den Lieferketten. Von einer drohenden Pleitewelle könne jedoch trotz steigender Zahlen derzeit nicht gesprochen werden.

Um eine Pleitewelle infolge der Pandemie abzuwenden, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt. Seit dem 1. Mai 2021 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang. Ausnahmen gab es noch bis 31. Januar 2022 für Betriebe, die im vergangenen Sommer Schäden durch Starkregen oder Überflutungen erlitten.

Im vergangenen Jahr hatte es so wenige Firmenpleiten wie noch nie seit Einführung der aktuellen Insolvenzordnung 1999 gegeben.

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