FinanzBusiness

Neue Mitarbeitende verzweifelt gesucht

Der Fachkräftemangel trifft auch die Finanzbranche mit voller Wucht: Laut einer Erhebung haben Banken in Deutschland im ersten Halbjahr mehr als 65.000 offene Stellen ausgeschrieben, das sind 81 Prozent mehr als im Vorjahr.

Personalsuche (Symbolbild) | Foto: picture alliance / Zoonar | Markus Mainka

Der Personalmangel ist das größte Problem, dem sich deutsche Banken derzeit konfrontiert sehen - drängender noch als die Zinswende und eine drohende Rezession. Wie eine exklusive Erhebung der Personalmarktforschung Index für das ”Handelsblatt” zeigt, sind in deutschen Banken im ersten Halbjahr 65.094 offene Stellen ausgeschrieben.

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Laut dem ”Handelsblatt”-Bericht fehlen neue Mitarbeitende vor allem im Finanz- und Rechnungswesen sowie in den Bereichen Controlling und Versicherung - hier sind fast 22.000 Stellen unbesetzt. Doch auch in anderen Bereichen - etwa Vertrieb und Verkauf, Unternehmensführung und Management - seien Banken auf der Suche nach Fachkräften. So sei auch die Besetzung von klassischen Berufsbildern kein Selbstläufer mehr, zitiert die Zeitung den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken.

Jugendliche zeigen wenig Interesse am Bank-Beruf

Üblicherweise gewinnen die Geldhäuser neue Mitarbeitende über die Ausbildung zur Bankkauffrau bzw. zum Bankkaufmann. Doch gerade Institute in ländlichen Regionen hätten zunehmend Schwierigkeiten, Interessenten für diese Jobs zu finden. Laut DSGV konnten die Sparkassen in den Jahren 2020 und 2021 bundesweit jeweils neun Prozent ihrer Ausbildungsstellen nicht besetzen, schreibt das ”Handelsblatt” weiter.

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Die Gründe für den Personalmangel sind dem Bericht zufolge vielfältig: Zum einen habe das einst so gute Image der Banken unter Skandalen und der Finanzkrise gelitten. Zum anderen würden sich immer mehr Jugendliche für ein Studium und gegen eine Berufsausbildung entscheiden. Der demographische Wandel verschärft das Problem: In den kommenden Jahren werden mehr Menschen in Rente gehen, als neue Arbeitskräfte in das Berufsleben einsteigen.

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Im Wettbewerb um Mitarbeitende konkurrieren Banken mit Asset-Managern und Versicherern, und zunehmend werben Unternehmen aus anderen Branchen den Geldhäusern die Beschäftigten ab. Das ”Handelsblatt” zitiert einen Sprecher der Gewerkschaft Verdi, wonach manche Banken ihren neuen Vertriebsmitarbeitenden mittlerweile einen Zuschlag zum Tarifgehalt zahlen, weil sie ansonsten überhaupt keine neuen Vertriebler finden würden.

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Verdi hält Personalprobleme für hausgemacht

Bankvorstände machen dem Bericht zufolge vor allem die Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre für die heutige Personalnot verantwortlich: Heute hätten die Institute nur noch so viel Personal, wie sie wirklich bräuchten. Deshalb könne man es heute schwerer verkraften als früher, wenn Stellen unbesetzt sind.

Bei der Gewerkschaft Verdi dagegen meint man, dass die Probleme zwar demografische Gründe hätten, aber auch hausgemacht seien: Die Banken hätten in den vergangenen Jahren zu wenig ausgebildet. Zudem würden Bewerberinnen und Bewerber mehr Wert auf Work-Life-Balance legen, und hier hätte die Finanzbranche im Gegensatz zu anderen Branchen noch großen Nachholbedarf.

Als Ausweg aus der Personalnot bauen viele Banken laut der Zeitung ihre Personalabteilungen aus, um verstärkt um neue Arbeitskräfte zu werben. Auch werde stärker auf Standorte im Ausland gesetzt, wo man beispielsweise deutschsprachige Servicekräfte für die telefonische oder digitale Kundenberatung oder IT-Fachleute rekrutieren will.

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