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Verivox macht Trendwende beim Negativzins aus

Schon im Vorfeld der erwarteten Zinswende der EZB am Donnerstag kündigen viele Institute die Abschaffung von Verwahrentgelten an. Viele Banken haben den Negativzins ohnehin an die Zinsentscheidungen der Zentralbank gebunden.

Stempel mit der Aufschrift "Minuszinsen" | Foto: Colourbox

Die Zeit der Negativzinsen für Tagesgeld und Co. nähert sich dem Ende. Schon vor der erwarteten ersten Leitzinserhöhung im Euroraum seit elf Jahren haben mindestens 49 Geldhäuser das sogenannte Verwahrentgelt für Privatkunden ganz oder teilweise abgeschafft, wie aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox von rund 1300 Banken und Sparkassen hervorgeht. Viele warten allerdings noch ab.

Erste Hinweise auf ein bevorstehendes Ende der Negativzinsen für Sparer gab es Ende April, als die ersten Banken ihre Freibeträge angehoben haben. Zwar gab es anfangs auch noch Institute, die Negativzinsen neu einführten oder ihre Konditionen verschärft haben. Doch spätestens seit Juni gibt es einen eindeutigen Markttrend in die andere Richtung.

Den Daten von Verivox zufolge verlangen aktuell noch mindestens 426 Kreditinstitute Negativzinsen ab bestimmten Summen auf dem Tagesgeld - oder Girokonto (Stand: 14. Juli). ”Sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streicht, werden auch die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen”, erwartet Oliver Maier Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. ”Ein historisches Zinsphänomen geht zu Ende”.

Sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streicht, werden auch die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen.

Oliver Maier Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH


Die Europäische Zentralbank (EZB) will bei ihrer Sitzung am Donnerstag (21. Juli) angesichts der Rekord-Inflation die Leitzinsen im Euroraum um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben. Es wäre die erste Zinserhöhung seit elf Jahren. Im September hat die Notenbank einen weiteren - womöglich größeren Zinsschritt - in Aussicht gestellt. Noch müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Die Kosten dafür geben viele Geldhäuser an Kunden weiter.

EZB kündigt Zinserhöhung für Juli an

Mehrere große Institute, darunter auch die Deutsche Bank haben bereits angekündigt, die Negativzinsen für ihre Kunden entsprechend der EZB-Entscheidungen zurückzufahren. Bei vielen Banken und Sparkassen reduzieren sich die Negativzinsen ohnehin automatisch, weil sie das Verwahrentgelt ausdrücklich an den Einlagezins der EZB gekoppelt haben.

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Banken streichen den Negativzins

Der Verivox-Auswertung zufolge haben seit Ende April bereits 34 Finanzhäuser ihre Negativzinsen komplett abgeschafft. Bei weiteren 15 Instituten wurden die Freibeträge deutlich angehoben, so dass zumindest ein Großteil der Kunden keine Negativzinsen mehr zahlen muss. Ein weiteres Institut hat die vollständige Abschaffung beschlossen, die Negativzinsen entfallen zum 1. August. Unter den Geldhäusern, die Wende eingeleitet haben, sind demnach neben Online-Banken vor allem viele regionale Institute, darunter mehrere Sparda- und PSD-Banken sowie auch Volksbanken und Sparkassen.

Das Zeitalter der Negativzinsen geht zu Ende

Weitere Banken streichen schrittweise den Negativzins

Verbraucherschützer halten Negativzinsen auf private Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten generell für unzulässig, egal ob bei Neukunden oder Bestandskunden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat daher Klagen gegen unterschiedliche Kreditinstitute erhoben.

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