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Bundesbank-Präsident warnt vor Gefahr anhaltend hoher Inflation

Die Teuerung könnte mittelfristig auf einem höheren Niveau bleiben als gedacht. Er bekräftigte abermals die Notwendigkeit, geldpolitisch gegenzusteuern.

Joachim Nagel bei einer Veranstaltung in Frankfurt. | Foto: Daniel Rohrig

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat vor anhaltend hohen Teuerungsraten im Euro-Raum gewarnt. Die Serie der Inflationsüberraschungen im Euro-Raum habe sich zuletzt fortgesetzt, sagte Nagel in einer Rede zum Amtswechsel in der Bundesbank-Hauptverwaltung in Bayern. Denn die Inflationsrate habe auch im Juni höher gelegen als von den meisten Fachleuten erwartet.

 "Damit steigt auch das Risiko, dass die Inflation mittelfristig höher bleibt", merkte er an. Die Teuerungsrate im Euro-Raum war im Juni auf das neue Rekordniveau von 8,6 Prozent nach oben geschossen nach 8,1 Prozent im Mai. Volkswirte hatten mit weniger gerechnet.

Als EZB-Rat werden wir an unseren Worten und vor allem an unseren Taten gemessen.

Joachim Nagel, Bundesbank-Präsident

Nagel wies angesichts der Rekordinflation auf die Notwendigkeit hin, geldpolitisch gegenzusteuern. "Als EZB-Rat werden wir an unseren Worten und vor allem an unseren Taten gemessen", sagte Nagel. "Wir müssen die Inflation mittelfristig wieder zu unserem Zielwert zurückführen." Die EZB strebt zwei Prozent Teuerung als optimales Inflationsniveau für die Wirtschaft im Euro-Raum an.

Aktuell liegt die Inflation damit mehr als viermal so hoch. "Das Schiff muss Kurs nehmen in Richtung zwei Prozent Inflation – je nach Bedarf mit mehr oder weniger Tempo", sagte er. Damit werde die angestrebte Inflationsrate wieder erreicht, nicht von heute auf morgen, aber mittelfristig, ergänzte er.

Ich gehe davon aus, dass diese Preisentwicklungen fundamental begründet sind, solange nicht das Gegenteil belegt ist.

Joachim Nagel, Bundesbank-Präsident

"Gleichzeitig sollten wir nicht verhehlen, dass dies wohl nicht ohne Belastungen verlaufen wird", sagte der Bundesbank-Präsident. Die Finanzmärkte differenzierten aufgrund des geänderten geldpolitischen Ausblicks nun wieder stärker zwischen verschiedenen Risiken. "Ich gehe davon aus, dass diese Preisentwicklungen fundamental begründet sind, solange nicht das Gegenteil belegt ist", merkte er an.

 Die EZB hatte unlängst angekündigt, rasch die Entwicklung eines neuen Instruments abzuschließen. Mit diesem will die EZB gegen eine unerwünschte Ausweitung der Anleihe-Renditeunterschiede (Spreads) vorgehen, was sie zumeist als "Fragmentierung" bezeichnet. Nagel will seine Zustimmung zu dem neuen Werkzeug davon abhängig machen, wie dessen Konditionen gestaltet werden.

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