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Bares bleibt weiter Wahres

Bargeld bleibt das Lieblingszahlungsmittel der Deutschen - 58 Prozent aller Zahlungen erfolgten 2021 mit Münzen und Scheinen. Dies geht aus der jüngsten Studie der Bundesbank hervor.

Die beiden Bundesvorstandsmitglieder Johannes Beermann (r.) und Burkhard Balz (l.) stellten in Frankfurt die Studie zum Zahlungsverhalten 2021 vor. | Foto: Lachmann

100 Euro. So viel hatte der Deutsche im vergangenen Jahr im Durchschnitt im Portemonnaie. Die Bundesbürger hängen an ihrem Bargeld, trotz Corona und zunehmender Digitalisierung. Hauptgrund: Anonymität und ein besserer Überblick über den Betrag, den man zahlt.

Zwar sind die Zahlen gesunken, aber dennoch bleibt das Motto ”Nur Bares ist Wahres”, wie Johannes Beermann, für Bargeld zuständiges Vorstandsmitglied der Bundesbank, sagte. In Frankfurt stellte er zusammen mit seinem Vorstandskollegen Burkhard Balz die Ergebnisse der Studie ”Zahlungsverhalten in Deutschland 2021” vor.

Weder Digitalisierung noch Pandemie konnten das Bargeld verdrängen.

Johannes Beermann, für Bargeld zuständiges Vorstandsmitglied der Bundesbank

Der geringere Bargeldeinsatz beruhte demnach auf verstärkten Einkäufen im Internet. Beermann: ”Weder Digitalisierung noch Pandemie konnten das Bargeld verdrängen. Wenn es ums Bezahlen geht, ist Bargeld in Deutschland nach wie vor mit Abstand am beliebtesten.“ So wurde mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Zahlungen 2021 bar abgewickelt.

Kommt es zur Renaissance des Bargelds?

69 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zukünftig unverändert mit Scheinen und Münzen zahlen wollen. Gibt es nach den Coronajahren womöglich eine Renaissance des Bargelds? ”Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös sagen”, sagte Beermann.

Bundesbank will Probleme mit Zahlungsterminal genau analysieren

Auch die Frage, ob im Zuge des Crashs bei Kartenlesegeräten von Verifone die Nachfrage nach Bargeld-Bezahlungen angestiegen ist, können die Bundesbanker nicht aus dem Stegreif beantworten.

Allerdings wurde Burkhard Balz, das für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständige Vorstandsmitglied der Bundesbank, hier sehr deutlich. ”Wir waren überrascht und nicht amüsiert darüber, was da stattgefunden hat.“ So seien etwa zehn Prozent der Kartenterminals in Deutschland betroffen gewesen. Der Fall werde nun präzise aufgearbeitet.

Wir waren überrascht und nicht amüsiert darüber, was das stattgefunden hat.

Burkhard Balz, für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständiges Vorstandsmitglied der Bundesbank

Bei den Kartenzahlungen war die Girocard mit 23 Prozent das beliebteste Mittel für die Bürger, um ihr Geld loszuwerden. Hier fiel auf, dass vermehrt kleinere Beträge damit gezahlt wurden, Hintergrund ist das zunehmende kontaktlose Zahlen.

76 Prozent der Befragten gaben an, seltener Bargeld genutzt zu haben, weil die Geschäfte schlicht darum baten. Auch sei das bargeldlose Zahlen einfacher geworden. Vor allem größere Beträge wurden mit der Kreditkarte beglichen, die auch vermehrt im Onlinehandel eingesetzt wurde.

Apropos Einkaufen im Internet: Auch im zweiten Coronajahr gingen die Zahlen steil nach oben. Der Anteil des Onlinehandels am gesamten Umsatz stieg gegenüber 2017 von sechs auf 24 Prozent an. Interessant: Neben Paypal wurden hier auch gerne die klassische Überweisung oder die Lastschrift genutzt. Oder wie sich Balz ausdrückt: ”Totgesagte leben länger.“

Mobiles Zahlen noch Minderheitenthema

Mobiles Zahlen per Smartphone oder Wearables wie Smartwatch oder Fitnessarmband bleibt in Deutschland noch Minderheitenangelegenheit. Gemessen an allen Transaktionen waren dies 2021 nur zwei Prozent. Auch hier ist klar: Je jünger der Konsument, desto höher die Affinität zu dieser Bezahlweise.

Balz ist überzeugt: Das Thema mobiles Bezahlen wird an Bedeutung gewinnen. ”Ich erwarte, dass immer mehr Menschen ihren physischen Geldbeutel gegen eine elektronische Wallet eintauschen.“ Er äußerte sich auch zuversichtlich zum Projekt eines digitalen Euro. Sofern die EZB grünes Licht dafür gebe, rechne er mit einer Einführung nicht vor dem zweiten Halbjahr 2026. Wichtig sei es, sehr sorgfältig vorzugehen.

In der repräsentativen Studie wurden 5.870 Personen im Zeitraum 8. September bis 5. Dezember 2021 telefonisch befragt. Zudem führten die Befragten über drei Tage ein Zahlungstagebuch. Insgesamt handelte es sich um 15.482 Zahlungen mit einem Gesamtbetrag von 605.251 Euro.

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