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Unicredit prüft den Ausstieg aus Russland

Die italienische Großbank will ihre russische Tochtergesellschaft dem Vernehmen nach verkaufen - hält sich aber auch eine Rückkauf-Option offen, für den Fall, dass sich die Lage in Russland wieder stabilisiert.

Unicredit-Filiale in St. Petersburg | Foto: picture alliance / Russian Look | Maksim Konstantinov

Die italienische Großbank Unicredit prüft Insidern zufolge einen vorläufigen Ausstieg aus dem Russland-Geschäft. Das Institut wägt demnach unter anderem die Möglichkeit ab, seine russische Einheit mit einer Rückkauf-Option zu veräußern, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die angestrebte Struktur würde es Unicredit ermöglichen, die Tochtergesellschaft zurückzukaufen, wenn sich die geopolitische Lage stabilisiert. Die Bank wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die Unicredit gehört in Europa zu den Instituten mit einem besonders starken Engagement in Russland - neben der österreichischen Raiffeisen Bank International und der französischen Société Génerale. Unicredit hat in Russland 70 Filialen, 4000 Angestellte und rund 1500 Firmenkunden. Daran sollen nun sowohl nicht-sanktionierte russische Finanzinstitute Interesse bekundet haben, als auch Firmen, die an einer Banklizenz in Russland interessiert sind. Außerdem gebe es Bewerber aus China, der Türkei und Indien, die versuchen, die Aktivität westlicher Firmen in Russland zu ersetzen.

Société Générale hat den Rückzug bereits angetreten

Während die Société Générale ihre russische Tochter bereits verkauft hat, hat sich die Unicredit bislang nicht aus Russland zurückgezogen. Konzernchef Andrea Orcel zeigte sich stattdessen optimistisch, dass Russland wieder auf dem Weltmarkt Fuß fassen wird. Sich von der Tochtergesellschaft zu trennen, lehnte er bislang ab: ”Sie abzuschreiben und zu verschenken ist nicht vereinbar mit Sanktionen und ist unserer Meinung nach moralisch nicht korrekt”, sagte er im Juni.

Société Génerale verkauft russische Tochter Rosbank an Milliardär

Auch die deutschen Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank sind nach wie vor in Russland vertreten. Beide machen allerdings kein Neukundengeschäft mehr. Bei der österreichischen Raiffeisen Bank International hieß es im März, dass man einen Ausstieg aus Russland prüfe. Zunächst hatte die Bank einen solchen Schritt noch abgelehnt.

Commerzbank und Deutsche Bank machen kein Neugeschäft mehr in Russland

Zum Jahresauftakt hatte das Russland-Geschäft das Ergebnis des Mutterkonzerns der Hypovereinsbank erheblich belastet und damit die Pläne Orcels durchkreuzt, in den kommenden Jahren mindestens 16 Mrd. Euro in Aktienrückkäufe und Dividenden zu stecken. Der Gewinn der Unicredit sackte im ersten Quartal um rund 70 Prozent auf 247 Mio. Euro ab. Insgesamt wurden die Risiken in Russland um 1,85 Mrd. Euro reduziert - mehr als 1,2 Mrd. Euro über eine höhere Risikovorsorge für den Ausfall von Krediten sowie einer Abschreibung von rund 600 Millionen Euro.

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