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Joachim Nagel warnt vor geldpolitischen Turbulenzen

Mittelfristig sei das Inflationsziel von zwei Prozent kaum zu erreichen, erklärt der Bundesbankpräsident in einer Rede: Zu oft habe die EZB die tatsächliche Entwicklung bereits unterschätzt.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel bei seiner Keynote in Frankfurt - zugeschaltet aus Berlin | Foto: Daniel Rohrig

Dass die EZB aufgrund der Preissteigerungen in Sachen Zinswende keine Zeit verlieren sollte, hat Joachim Nagel schon oft betont. Für den Präsident der Bundesbank ist es derzeit das zentrale, alles bestimmende Thema. Auch in seiner Keynote anlässlich des ”Frankfurt Euro Finance Summit” rückte er es in den Mittelpunkt.

Bundesbank-Präsident warnt vor zu zögerlichen Schritten gegen die Inflation

Nagel war zugeschaltet aus Berlin, wo er am Abend an der von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) organisierten Auftaktveranstaltung zur ”Konzertierten Aktion” teilnehmen wird. Als erstes stellte er klar: Selbst wenn die EZB, wie angekündigt, im Juli und im September die Zinsen erhöht, rechnet er nicht mit einer schnellen Erholung am Markt – damit, dass die EZB mittelfristig wieder ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreicht.

Schließlich ist in den zurückliegenden Projektionen die tatsächliche Inflationsentwicklung mehrfach unterschätzt worden.

Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank

Wer sich an dieser Prognose orientiere, würde sich in falscher Sicherheit wiegen. ”Schließlich ist in den zurückliegenden Projektionen die tatsächliche Inflationsentwicklung mehrfach unterschätzt worden”, argumentierte Nagel. ”Möglicherweise erfassen unsere Modelle die aktuell außergewöhnlich starke Preisdynamik nicht vollständig.“

Die Geldpolitik müsse verhindern, dass sich die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen vom Inflationsziel wegbewegten, warnte der Bundesbankpräsident, - und das am besten zeitnah: ”Je zögerlicher die Geldpolitik jetzt handelt, desto mehr läuft sie Gefahr, in eine Situation zu geraten, in der sie später umso abrupter und stärker straffen müsste, um Preisstabilität zu gewährleisten.“

Zinssprünge der Fed

Um seine Warnung zu unterstreichen, erinnerte Nagel an die US-Notenbank Fed und deren Situation in den frühen 1980er Jahren, an die Leitzinsanhebung ”auf sage und schreibe 19 Prozent” und die Rezessionen, die sie damit auslöste. Nagel: ”Wegen der damals entankerten Inflationserwartungen halfen nur extrem hohe Zinsen, die Inflationsdynamik zu bremsen. So weit sollte es nicht kommen.”

Es sollte klar sein, dass der Aufstieg nicht auf dem Nullniveau enden kann.

Joachim Nagel

Die Bundesbank gehe davon aus, dass auf die bereits angekündigten Zinsschritten weitere folgen werden, dazu gebe es keine Alternative. Nagel: ”Es sollte klar sein, dass der Aufstieg nicht auf dem Nullniveau enden kann. Vielmehr sollte die immer noch sehr expansive Ausrichtung der Geldpolitik zügig beendet werden.“

Perspektivisch hält er es sogar für denkbar, dass die EZB zumindest zeitweilig eine restriktiv ausgerichtete Geldpolitik fährt.

Nagel kritisiert EZB-Entscheidung zur Fragmentierung

Die zweite Warnung, die Nagel den Konferenzteilnehmern mit auf den Weg gab, galt dem Thema Fragmentierung.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte Mitte Juni in Aussicht gestellt, gegen den Anstieg der Finanzierungskosten stärker verschuldeter Länder in der Euro-Zone vorzugehen – Nagel ist kein Freund davon: ”Es wäre fatal, wenn die Regierungen davon ausgingen, dass am Ende schon das Eurosystem bereitsteht, günstige Finanzierungskonditionen für die Staaten abzusichern“, erklärte er.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagt Fragmentierung den Kampf an

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