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Isabel Schnabel kündigt Zinserhöhung im Juli an

Das EZB-Direktoriumsmitglied sieht einen wachsenden und breiteren Inflationsdruck. Der Einlagesatz könnte wieder in den positiven Bereich drehen.

Isabel Schnabel, EZB-Direktoriumsmitglied | Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hält es angesichts der hohen Inflation im Euroraum für geboten, den Kurs in der Geldpolitik anzupassen. ”Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln”, sagte sie dem ’Handelsblatt’. ”Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juli für möglich.” Zuvor sollten die Nettozukäufe von Anleihen eingestellt werden, voraussichtlich Ende Juni.

Letzte Zinserhöhung gab es 2011

Zuletzt hat die Europäische Zentralbank (EZB) 2011 die Zinsen im Euro-Raum angehoben, dies aber kurze Zeit später korrigiert. In anderen Ländern wie den USA haben die Notenbanken die Zinsen in diesem Jahr bereits erhöht. Die US-Notenbank Fed steht nun vor der zweiten Erhöhung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie.

”Der Euro hat vor allem gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Das hat über die erhöhten Importkosten Auswirkungen auf die Inflation, die wir genau beobachten. Aber wir verfolgen kein Wechselkursziel”, sagte Schnabel.

Wir müssen verhindern, dass sich die hohe Inflation in den Erwartungen festsetzt.

Isabel Schnabel, EZB-Direktoriumsmitglied

Der EZB-Direktorin zufolge beschränkt sich der Preisanstieg nicht nur auf Energie und Lebensmittel. ”Wir sehen eine Verbreiterung des Inflationsdrucks.” Es stehe außer Zweifel, dass höhere Lohnforderungen kommen, wenn die Inflation längere Zeit hoch bleibe. ”Wir müssen verhindern, dass sich die hohe Inflation in den Erwartungen festsetzt”, sagte Schnabel. Noch würden sich Löhne und Preise nicht gegenseitig hochschaukeln. Geldpolitik müsse aber vorausschauend handeln: ”Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn eine Lohn-Preis-Spirale bereits in Gang gekommen ist.” Derzeit könne sie allerdings eine solche Spirale nicht erkennen.

Nach Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte die Notenbank ihre milliardenschweren Nettoankäufe von Wertpapieren im Juli dieses Jahres beenden. Das sei dann der Zeitpunkt, ”sich die Zinsen und eine Erhöhung dieser Zinsen anzuschauen”, hatte Lagarde kürzlich gesagt. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB den Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei ihr parken können, in diesem Jahr von minus 0,5 Prozent auf null Prozent anheben könnte. Der Leitzins im Euroraum, der seit mehr als sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, könnte dann 2023 angehoben werden

Rekordinflation von 7,5 Prozent im April

Die Inflation in der Euro-Zone ist im April auf ein neues Rekordhoch von 7,5 Prozent gestiegen und setzt die Währungshüter zusehends unter Zugzwang. Investoren an den Finanzmärkten rechnen für dieses Jahr bereits mit drei bis vier Zinsschritten nach oben. Zurzeit liegt der geldpolitische Schlüsselsatz bei 0,0 Prozent. Zugleich müsse Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz ist aktuell bei minus 0,5 Prozent.

Aus heutiger Sicht gehe ich nicht davon aus, dass es eine Stagflation gibt, sondern sehe weiterhin ein Wachstum im positiven Bereich.

Isabel Schnabel, EZB-Direktoriumsmitglied

Insgesamt geht Schnabel aber nicht von allzu starken wirtschaftlichen Auswirkungen aus. ”Natürlich dämpft der Krieg die wirtschaftliche Entwicklung”, sagte sie zwar. Aus heutiger Sicht geht sie aber nicht davon aus, dass es eine Stagflation gibt, ”sondern sehe weiterhin ein Wachstum im positiven Bereich”.

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