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EY zieht Lehren aus dem Wirecard-Debakel

Der Fall Wirecard hat einen Schatten auf die Wirtschaftsprüfer geworfen. Mit Hilfe einer prominent besetzen Kommission will EY nun Veränderungen einführen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Der Schriftzug von EY | Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Die Wirtschaftsprüfer von EY kämpfen nach dem Wirecard-Skandal um ihren Ruf, weil sie das Milliardenloch in der Bilanz des einstigen DAX-Konzerns nicht entdeckten.

Nun hat EY einen Plan vorgestellt, um die eigenen Schwachstellen besser zu erkennen. Er wurde von einer vom Aufsichtsrat im Februar 2021 eingesetzten Expertenkommission entwickelt, zu der auch der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) gehört.

In einem internen Papier, über das die ”Frankfurter Allgemeine Zeitung” berichtet, spricht das Unternehmen vom ”umfassendsten Veränderungsprozess” seiner mehr als hundertjährigen Geschichte.

Strenger interne Prüfung und KI-Einsatz

Geplant sind demnach organisatorische und technologische Veränderungen, um einen Kulturwandel im Unternehmen anzustoßen und die kritische Grundhaltung zu stärken.

So sollen sich die Wirtschaftsprüfer gegenseitig strenger überwachen als bisher. Zudem wird die Praxis der internen Überprüfung nach dem Ende einer Abschlussprüfung ausgebaut- Qualität soll vor Marge gehen. Interne Prüfer dürfen zudem nicht mehr aus dem gleichen Standort kommen wie der Geprüfte und sie bekommen mehr Zeit für die internen Prüfungen. Außerdem werden Mitarbeiter ermutigt, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Ihre Vorgesetzten sollen hier eine Vorbildrolle spielen.

Zudem will EY auch technisch aufrüsten und Klumpenrisiken mit Hilfe von mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und technologiegestützten Datenanalysen analysieren., sodass die Prüfer von Routineaufgaben entlastet werden. Die ”vertrauensbildenden Maßnahmen” sollen bis zum Sommer 2023 umgesetzt werden.

Folgen aus dem Wirecard-Debakel

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