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Bayern-LB-Tochter Real I.S. fährt ihr Immobilien-Ankaufsvolumen zurück

Der Vorstand sieht ein nahendes Ende des Immobilienbooms. Die Deutsche Bank erwartet dies allerdings erst in zwei Jahren.

Logo der Real I.S.

Es wird eine Seitwärtsbewegung bei den Preisen und Erträgen auf dem Immobilienmarkt geben. Da ist sich der Real-I.S.-Vorstandsvorsitzende Jochen Schenk sicher. ”Der Boom der letzten zehn Jahre wird sich so nicht fortsetzen”, sagte er in einem Interview mit der ”Börsen-Zeitung”.

Gewinn vor Steuern soll dennoch steigen

Aktuell sei die Real I.S. sei mit einem verwalteten Immobilienvermögen von 12,5 Mrd. Euro in ”sehr solider Verfassung” und erziele akkurate Bestandsgebühren. Nicht zuletzt mit letzteren möchte die BayernLB-Tochter den Gewinn vor Steuern im laufenden Jahr von knapp 27 Mio. auf 31 Mio. Euro steigern.

Durch den Ukraine-Krieg sei eine Sondersituation entstanden, sagte Schenk. Man erlebe jeden Tag eine Nachricht, bei der man feststelle, dass man dies auch noch nicht gehabt habe, sagte er. ”Hohe Vorsicht und ein Fahren auf Sicht”, ist sein Credo deshalb.

Plus ausschließlich mit Verkäufen

Die Strategie der Landesbank-Tochter ist es nicht zuletzt deshalb, im laufenden Jahr zwar das Transaktionsvolumen von 1,7 Mrd. auf zwei Mrd. Euro zu erhöhen. Dabei soll das Plus aber ausschließlich mit Verkäufen erreicht werden. Denn diese legen von 473 Mio. auf eine Milliarde Euro zu. Dabei kommt Schenk entgegen, dass geschlossene Fonds mit höheren Volumina nun aufgelöst werden, die zum Anfang des Jahrhunderts aufgelegt wurden.

Wir nehmen den Ankauf bewusst nach unten.

Jochen Schenk, Real-I.S.-Vorstandsvorsitzender

”Wir nehmen den Ankauf bewusst nach unten”, erklärt der Real-I.S.-Chef. Grund sei das weiter gestiegene Preisniveau. Das Ankaufsvolumen wird er deshalb von 1,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr auf nun rund eine Milliarde Euro senken. Schon das Volumen 2021 lag unter der Planung des Instituts von 1,5 Mrd. Euro.

Auch die Seitwärtsbewegung der Konjunktur allgemein ist demnach für Vorstandsmitglied Pamela Hoerr ein Kriterium für die neue Strategie. Die Immobilienpreise folgten diesem Trend eher nachlaufend. Sonst sei viel Kapital im Markt. Die Preisentwicklung sei schwierig zu beurteilen. Der Markt hat aus Sicht von Schenk den Corona-Schock allerdings überwunden

Büro-Anteil der Engagements sinkt

Real I.S wird dennoch wachsen. Die Assets under Management sollten im Jahr 2022 auf 13,2 Mrd. Euro gesteigert werden, sagte Schenk. Im vergangenen Jahr hatten sie um 13 Prozent auf 12,5 Mrd. Euro zugelegt und landeten damit auf einem Niveau, das über der internen Langfristplanung lag. Der Großteil wandert in Büros, allerdings sank der Anteil von 63 Prozent des verwalteten Immobilienvermögens auf 54 Prozent.

Wir erwarten, dass die Hypothekenzinsen für zehnjährige Finanzierungen in den Sommermonaten auf drei Prozent steigen.

Max Herbst, Gründer der FMH Finanzberatung

Das zusätzlich zu den Preisen der Immobilien auch die Zinsen steigen, kann am Markt ebenfalls beobachtet werden. ”Wir erwarten, dass die Hypothekenzinsen für zehnjährige Finanzierungen in den Sommermonaten auf drei Prozent steigen”, sagte beispielsweise gestern Max Herbst, Gründer der Frankfurter FMH Finanzberatung. Zunächst hatte er mit diesem Sprung erst bis Jahresende gerechnet.

Auch der Münchner Immobilienfinanzierer Interhyp rechnet mit einem weiteren Zinsanstieg. Er erwartet 2,5 bis 3 Prozent für zehnjährige Darlehen bis Jahresende.

Der Druck auf die Bauzinsen steigt

Die Deutsche Bank beispielsweise erwartet in ihrem aktuellen Deutschland-Monitor für das Jahresende 2022 für fünf- bis zehnjährige Hypothekenzinsen von 2,45 Prozent und bis zum Jahresende 2023 eine weitere Erhöhung auf 2,95 Prozent - allerdings nur bezogen auf Wohnungsbaufinanzierungen. Ein Ende des Hauspreiszyklus sei allerdings erst 2024 in Sicht.

Aktuell treibe die ukrainische Flüchtlingswelle die Wohnungsnachfrage. Die ”Einwohnerzahl könnte über nächsten zehn Jahre auf fast 85 Mio. ansteigen”. Zusätzlich zur Verteuerung der Bauzinsen kommt seit einigen Monaten die Material- und Personalknappheit sowie Lieferengpässe bei den Baumaterialien.

Baugeld verteuert sich durch Krieg in der Ukraine

Die Bauzinsen steigen Anfang 2022 überdurchschnittlich stark

Denn derzeit nähmen die Überbewertungen von Objekten zu. In Zukunft könnten die Berwertungsprognosen allerdings für Investoren und Privatkäufer unattraktiver ausfallen - ”auch bei begrenztem Zinsanstieg”, wie es im Deutschland-Monitor heißt.

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