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Russlands Staatspleite würde deutsche Banken treffen, warnt Marcel Fratzscher

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft in Berlin befürchtet eine Staatspleite in den kommenden Monaten - und unmittelbare Auswirkungen auf die Liquidität in der Euro-Zone. Im Fall einer Krise bei deutschen Banken sollte der Staat seines Erachtens aber nicht eingreifen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft, Marcel Fratzscher. | Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft, Marcel Fratzscher, hält eine Staatsschuldenpleite Russlands in den kommenden Monaten für sehr wahrscheinlich. Aufgrund der westlichen Sanktionen wegen des Kriegs gegen die Ukraine bestehe ein hohes Risiko, dass Russland seine Schulden bei internationalen Investoren nicht bediene, sagte Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur.

Staat soll nicht für deutsche Banken in die Bresche springen

Unter einer russischen Staatspleite würden laut Fratzscher auch deutsche Investoren leiden, darunter einige Banken. Allerdings dürfte bei diesen Geldhäusern vor allem das private Kreditgeschäft beeinträchtigt werden.

Deutsche Finanzinstitutionen sind diese Risiken in den vergangenen Jahren bewusst eingegangen und haben daran kräftig verdient. Daher sollte der deutsche Staat ihnen diese Verluste nicht ersetzen.

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW

”Deutsche Finanzinstitutionen sind diese Risiken in den vergangenen Jahren bewusst eingegangen und haben daran kräftig verdient. Daher sollte der deutsche Staat ihnen diese Verluste nicht ersetzen”, so Fratzscher.

Russland von Geldreserven abgeschnitten

”Der russische Staat hat recht geringe Auslandsschulden”, erklärte der Ökonom. Durch den Export von Öl und Gas habe Russland hohe Handelsüberschüsse erzielt und seine Schulden stark abbauen können. Durch die Sanktionen bestehe jedoch kein freier Zugriff mehr auf die Geldreserven. ”Ich befürchte eine Ausweitung des Konflikts auf das globale Finanzsystem, bei dem Russland und seine Partner versuchen werden, Verwerfungen zu verursachen, um der Wirtschaft des Westens zu schaden”.

Liquidität in der Eurozone gefährdet

Fratzschers größte Sorge gilt dem Geldmarkt in der Eurozone. Hier spielten die russische Zentralbank und russische Privatbanken eine wichtige Rolle für die Liquidität. ”Ich erwarte, dass die Europäische Zentralbank ihre Liquiditätsvergabe ausweiten und die Finanzierungsbedingungen wieder verbessern wird, um Verwerfungen zu vermeiden”. So sei wegen des Krieges mit einer erneut expansiveren Geldpolitik zu rechnen - vor allem in Europa.

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