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Deutscher Ex-Goldman-Banker ist Kronzeuge in Prozess um Bestechungsskandal

Nach seinem eigenen Geständnis im Jahr 2018 soll Tim Leissner nun gegen einen ehemaligen Mitarbeiter aussagen. Es geht um Schmiergelder im "1MDB"-Skandal.

Logo von Goldman Sachs. | Foto: picture alliance / EPA | JUSTIN LANE

Der ehemalige Südostasien-Chef von Goldman Sachs, Tim Leissner, steht vor Gericht - dieses Mal aber nicht für sein eigenes Geständnis, das er bereits 2018 ablegte, sondern um gegen einen ehemaligen Mitarbeiter auszusagen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Deutsche wird voraussichtlich der Hauptzeuge im Verfahren der US-Regierung gegen seinen ehemaligen Mitarbeiter Roger Ng, den einzigen Goldman-Banker, der wegen des milliardenschweren Bestechungsskandals - auch "1MDB"-Skandal genannt - vor Gericht steht.

Leissner bekannte sich schuldig

Die Eröffnungsplädoyers waren für Montag in einem Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn angesetzt. Jedem der beiden Männer drohen für ihre gemeinsame Tätigkeit jahrzehntelange Haftstrafen. Leissner bekannte sich im August 2018 schuldig der Verabredung zu Bestechung und Geldwäsche. Bei ihm wurden 44 Millionen Dollar (39 Millionen Euro) eingezogen.

Ng hingegen wolle das Verfahren durchkämpfen, berichtet die Zeitung. Seine Anwälte stellen ihn als Leissners Gehilfen dar, als gewissenhaften Banker, der als erster die damalige Compliance-Abteilung vor dem malaysischen Finanzier Jho Low gewarnt habe.

Der angeklagte Ex-Goldman-Banker Roger Ng vor einem Gerichtstermin. | Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Seth Wenig
Der angeklagte Ex-Goldman-Banker Roger Ng vor einem Gerichtstermin. | Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Seth Wenig
Leissners letzter öffentlicher Auftritt war 2018

Leissner werde wohl mehrere Tage im Zeugenstand verbringen. Die Staatsanwälte wollen mit seiner Aussage beweisen, dass Ng eine entscheidende Rolle bei dem Betrug spielte. Der letzte öffentliche Auftritt des Deutschen war sein Geständnis vor dem Gericht in Brooklyn. Er und ungenannte Kollegen hätten ihrem Arbeitgeber wissentlich verschwiegen, dass Jho Low an einem der Geschäfte beteiligt gewesen sei und Schmiergelder gezahlt habe, erklärte Leissner damals.

Er war einer der ersten Berater von 1 Malaysia Development Bhd, einem staatlichen Investitionsfonds für die aufstrebende Wahlmonarchie am südchinesischen Meer gewesen. Im Lauf von zwei Jahren verdiente Goldman etwa 600 Mio. Dollar Gebühren für die Begleitung dreier Anleihen, die 1MDB 6,5 Mrd. Dollar in die Kassen spülten - ein ungewöhnlich hohes Honorar für staatsnahe Transaktionen. Diese und andere Deals verhalfen Leissner zu "großen Jahresendboni", behaupten die US-Behörden.

Laut den Strafverfolgern zahlte Leissner jedoch Schmiergelder, um die Geschäfte von 1MDB zu ergattern und zu behalten, und er veruntreute für sich und andere Geld aus dem Fonds. Laut Gerichtsakten wurden mehr als 2,7 Mrd. der 6,5 Mrd. Dollar abgezweigt. Goldman beurlaubte Leissner im Januar 2016, und er schied kurz darauf aus.

Leissner wurde bislang noch nicht verurteilt und ist gegen eine Kaution in Höhe von 20 Mio. Dollar auf freiem Fuß. Sein Schuldeingeständnis und seine Kooperation im Verfahren gegen Ng sollen sein Strafmaß reduzieren, das wahrscheinlich noch in diesem Jahr verkündet wird. Leissner kam laut Handelsblatt 1998 zu Goldman, stieg innerhalb von acht Jahren zum Partner auf und wurde 2014 Chef des Südostasien-Geschäfts.

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