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Jeder vierte Firmenkunde der Mainzer Volksbank zahlt Strafzinsen

Das Institut gibt sich positiv bei der Vorstellung ihrer Jahreszahlen. Beim Thema Verwahrentgelte weichen der Vorstandsvorsitzende Uwe Abel und Sprecher Martin Eich jedoch aus.

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank. | Foto: Mainzer Volksbank

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank, findet bei der Bilanzpressekonferenz lobende Worte für das vergangene Jahr. "Wir haben die 8-Milliarden-Euro-Marke überschritten", sagte er mit Blick auf die Bilanzsumme. Diese stieg um 689 Mio. Euro von 7,4 Mrd. Euro auf knapp 8,1 Mrd. Euro.

Ein maßgeblicher Wachstumstreiber sei das Kreditgeschäft gewesen, so Abel. Dieses sei um 478 Mio. Euro auf 6,1 Mrd. Euro gestiegen.

Wir sind mit diesem Wachsum sehr, sehr zufrieden.

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender, Mainzer Volksbank

"Natürlich hatten wir auch laufende Tilgungen und Sondertilgungen", ordnet er die Zahl ein. "Deshalb betrug das Geschäft das Dreifache, das im Haus bearbeitet wurde." Es seien annähernd 1,5 Mrd. Euro gewesen.

Ein Allzeithoch hätten die privaten Baufinanzierungen erreicht: Diese wuchsen im vergangenen Jahr um 200 Mio. Euro auf 2,3 Mrd. Euro. "Wir sind mit diesem Wachstum sehr, sehr zufrieden", sagte Abel.

Gewachsen seien aber mit 8,8 Prozent auch die bilanzwirksamen Kundeneinlagen. Sie erhöhten sich um 532 Mio. Euro auf gut 6,5 Mrd. Euro. "Wir haben 2,7 Mio. Euro an Verwahrentgelt bezahlt", erklärte Pressesprecher Martin Eich.

Der Nachfrage von Finanzbusiness, an wie viele Kunden das Institut die Negativzinsen weitergibt, wich er jedoch aus. Es beträfe hauptsächlich Firmenkunden, jedoch würde bei 75 Prozent kein Verwahrentgeld erhoben. Jeder vierte Firmenkunde zahlt also drauf.

Die Zahl der betroffenen Privatkunden nennt Eich nicht, auch nicht auf erneute Nachfrage. Dabei ist klar, dass das Institut Verwahrentgelte um einiges strenger handhabt als andere: Laut Preisaushang berechnet die Volksbank Gebühren bereits ab einem Einlagebetrag von 10.001 Euro.

Sicher ist die Dividendenzahlung mit auschlaggebend für diese Steigerung.

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender, Mainzer Volksbank

Das Zinsergebnis stieg 2021 um 4,4 Prozent (4,6 Mio. Euro) auf 108,7 Mio. Euro. Treiber war neben dem wachsenden Kundenkreditgeschäft eine nachgelagerte Dividendenzahlung durch die DZ Bank - dem Zentralinstitut der Volksbanken und Raiffeisenbanken. "Sicher ist die Dividendenzahlung mit ausschlaggebend für diese Steigerung", erklärt Uwe Abel. "Lassen wir diesen Effekt aber außen vor, so zeigt unser Ergebnis eine Stabilisierung des absoluten Zinsergebnisses."

Die Mainzer Volksbank stand im bundesweiten Genossenschaftsranking zuletzt (2020) auf Platz 18, landete damit noch vor der Hannover Volksbank. Das Institut zählt rund 115.000 Mitglieder.

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