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EZB erteilt Geschäftsmodellen der Banken schlechtere Noten

Mehr als jede zweite Bank erhält bei der jährlichen Überprüfung die Note drei oder vier. Die Pandemie ist offenbar der Treiber, aber möglicherweise auch eine Verschärfung der Kriterien.

EZB-Zentrale in Frankfurt. | Foto: picture alliance / Fotostand | Fotostand / Freitag

Die Großbanken im Euroraum müssen in diesem Jahr vermutlich ein schlechtes Zeugnis fürchten. Bei der Bewertung ihrer jeweiligen Geschäftsmodelle durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben die Kreditinstitute 2021 offenbar deutlich schlechter abgeschnitten als 2020 und 2019. Das schreibt die "Börsen-Zeitung".

Demnach erteilten die Aufseher inzwischen für die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von mehr als jeder zweiten Bank auf einer von 1 bis 4 reichenden Skala die Note drei oder vier. Eine eins würde dabei keine erkennbaren Risiken bedeuten, eine vier dagegen ein hohes Risiko.

Endgültige Noten erst im Februar

Offiziell wird die Notenbank erst im kommenden Monat über die Ergebnisse ihrer jährlichen Überprüfung und Bewertung der Großbanken im Euroland informieren.

Sollte die Bewertung tatsächlich so ausfallen, läge der Anteil der mit drei oder vier bewerteten Geschäftsmodelle nicht mehr bei der Marke von 50  Prozent, sondern eher bei 60  Prozent. In den Jahren 2019 und 2020 hatte er zusammengerechnet noch bei 47  Prozent gelegen. Allerdings kommentierte die EZB diesen Aspekt gegenüber der BöZ nicht.

Die Skepsis nimmt zu

Dennoch ist klar: Die Skepsis nimmt zu. Die nach der aufsichtlichen Überprüfung und Bewertung (Supervisory Review and Evaluation Process, SREP) jährlich verteilten Noten gehen über eine Fingerübungen weit hinaus. Vielmehr leitet die EZB aus ihnen individuelle Kapitalvorgaben (Pillar2 Requirement) und Kapitalempfehlungen (Pillar2 Guidance, P2G) für die Institute ab. In den SREP fließen dabei neben Noten für das Geschäftsmodell einer Bank, Bewertungen der internen Governance sowie der Risiken für Kapital und Liquidität ein.

Die Meinungen über die Gründe der Verschlechterung gingen im vergangenen Jahr auseinander. Im Markt gibt es Erklärungsversuche, dass die EZB ihre Anforderungen an die Institute im Zuge brancheninterner Quervergleiche nach und nach immer weiter heraufgesetzt hat.

So sähen die Aufseher, sobald etwa der EU-Bankenregulierer EBA Leitlinien herausgebe, diese umgehend als Benchmark und ließe entsprechende Umsetzungsfristen außer Acht, was bedeutet: strengere Kriterien, schlechtere Bewertungen. An anderer Stelle wird hingegen auf eine Verschlechterung der Lage der Institute verwiesen.

Zuvor kamen die Noten vor Weihnachten

Im Einzelnen will die europäische Bankenaufsicht erst im Februar über die Ergebnisse des SREP für das Jahr 2021 informieren; in den Jahren zuvor geschah dies jeweils vor Weihnachten. Allen 115 Großbanken der Eurozone unter ihrer direkten Aufsicht hat die EZB laut BöZ bereits vorläufige Bescheide für den SREP 2021 zugestellt, einige Institute aber werden erst gegen Ende Januar informiert.

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