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BIZ schließt weiteren Test mit digitalem Zentralbankgeld erfolgreich ab

Kann digitales Zentralbankgeld für Banken in deren Kernbankensystemen problemlos verarbeitet werden? Dieser Fragen ging die Bank für internationalen Zahlungsausgleich im Verbund mit unter anderem fünf Geschäftsbanken nach.

Benoît Cœuré, Leiter des BIZ-Innovationszentrums | Foto: picture alliance / dpa | Filip Singer

Die Integration von digitalem Zentralbankgeld (wholesale Central Bank Digital Currency - wCBDC) in die Kernbankensysteme von Finanzinstituten ist operationell möglich. Das ist das Ergebnis eines Experiments, über das die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel am Donnerstag informierte. Demnach wäre die Ausgabe von wCBDC auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT)-basierten Plattform, die einem Unternehmen des Privatsektors gehört und von diesem betrieben wird, nach Schweizer Recht möglich, heißt es.

Zu den anderen Akteuren des Experiments gehören die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Schweizer Börse SIX und die Banken Citi, Credit Suisse, Goldman Sachs, Hypothekarbank Lenzburg und UBS.

Wir haben gezeigt, dass Innovationen genutzt werden können, um die besten Elemente des gegenwärtigen Finanzsystems – darunter die Abwicklung in Zentralbankgeld – zu bewahren und gleichzeitig potenziell neue Vorteile zu erschließen.

Benoît Cœuré, Leiter des BIZ Innovation Hub

"Wir haben gezeigt, dass Innovationen genutzt werden können, um die besten Elemente des gegenwärtigen Finanzsystems – darunter die Abwicklung in Zentralbankgeld – zu bewahren und gleichzeitig potenziell neue Vorteile zu erschließen", sagt Benoît Cœuré, Leiter des BIZ Innovation Hub. "Wenn sich die DLT etabliert, wird dies wichtiger denn je."

Nach einem ersten Test 2020 wurde jetzt die Abwicklung von Interbank-, geldpolitischen und grenzüberschreitenden Transaktionen auf den Testsystemen von SIX Digital Exchange (SDX), des Schweizer Echtzeit-Bruttoabwicklungssystems SIX Interbank Clearing (SIC) und der Kernbankensysteme untersucht.

BIZ erwartet systemische DLZ-basierte Plattformen

Hintergrund ist die Erwartung der BIZ, dass künftig vermehrt tokenisierte Vermögenswerte über DLT-basierte Finanzinfrastrukturen abgewickelt werden. Laut BIZ seien zwar keine der bestehenden DLT-basierten Plattformen systemisch, dies könne sich aber in Zukunft ändern. Das auch Notenbank der Notenbanken genannte Institut erwartet zudem, dass Zentralbanken die Umsetzung der Geldpolitik auf tokenisierte Vermögenswerte ausweiten müssen. Der zweite Teil des Projekts Helvetia wurde Ende November/Anfang Dezember an drei Tagen umgesetzt.

Damit Zentralbanken ihren Auftrag zur Gewährleistung der Währungs- und Finanzstabilität erfüllen können, müssen sie mit dem technologischen Wandel Schritt halten. (...) Die SNB konnte vertiefte Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die Sicherheit von Zentralbankgeld auf Märkte für tokenisierte Vermögenswerte ausweiten lässt.

Andréa M. Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums

"Damit Zentralbanken ihren Auftrag zur Gewährleistung der Währungs- und Finanzstabilität erfüllen können, müssen sie mit dem technologischen Wandel Schritt halten. (...) Die SNB konnte vertiefte Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die Sicherheit von Zentralbankgeld auf Märkte für tokenisierte Vermögenswerte ausweiten lässt", sagt Andréa M. Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums.

Erste Experimente gab es schon 2020 und 2021

Im ersten Teil des Projekts Helvetia wurde 2020 der Einsatz von CBDC zur Abwicklung digitaler Vermögenswerte sowie zur Anbindung von DLT-Plattformen an existierende Zahlungssystem erfolgreich getestet. Bei dem Projekt Jura testete die SNB und die französische Notenbank im vergangenen Jahr grenzüberschreitende CBDC-Transaktionen. Ob es weitere Experimente geben wird ist zurzeit noch unklar. Der SNB ist es allerdings wichtig zu betonen, dass all diese Experimente nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von wholesale CBDC durch sie interpretiert werden sollen.

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