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Cerberus erwägt wohl Komplett-Rückzug bei Deutscher Bank und Commerzbank

Erst Anfang der Woche sorgte ein Teilverkauf der Anteile an beiden Instituten für Aufsehen in der Branche. Der Finanzinvestor hat damit sehr wahrscheinlich ein Verlustgeschäft in Millionenhöhe gemacht.

Türme mit Logos von Deutscher Bank und Commerzbank. | Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Der US-Finanzinvestor Cerberus wird Insidern zufolge über kurz oder lang seine Anteile an der Deutschen Bank und der Commerzbank komplett veräußern. "Das ist wohl der Anfang vom Ende eines Investments, das sich letztlich nicht ausgezahlt hat", sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Cerberus hatte seine Anteile an den beiden Großbanken Anfang der Woche über Nacht deutlich reduziert - vier Jahre nach dem aufsehenerregenden Einstieg. Der Investor realisierte mit dem 443 Mio. Euro schweren Verkauf nach Reuters-Berechnungen rund 170 Mio. Euro Verlust. Seine beiden Anteilspakete sind 450 Mio. Euro weniger wert als damals.

Cerberus schlägt Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank los 

Cerberus hält nun noch knapp zwei Prozent an der Deutschen Bank und knapp drei Prozent an der Commerzbank. Weitere Paketverkäufe könnten schnell folgen: Cerberus hat sich nur auf eine Frist von 45 Tagen festgelegt, innerhalb der der Investor keine weiteren Bank-Aktien auf den Markt werfen will. Dabei sind eigentlich eher Haltefristen von mindestens 90 Tagen üblich.

Kurse trotz Restrukturierungsprogrammen gesunken

Beide Großbanken haben in den vergangenen Jahren groß angelegte Umbaumaßnahmen eingeleitet, zu denen auch massive Stellenstreichungen gehören. Dadurch haben sich zwar auch ihre Aktienkurse erholt, Deutsche-Bank-Papiere liegen aber immer noch mehr als 20 Prozent unter dem Kursniveau, zu dem Cerberus gekauft haben dürfte. Bei Commerzbank-Aktien sind es sogar rund 30 Prozent.

Der Finanzinvestor war vor gut vier Jahren mit drei Prozent bei der Deutschen Bank und mit fünf Prozent bei der Commerzbank eingestiegen. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen Investor, der normalerweise die kompletten Anteile an Unternehmen kauft. Cerberus setzte Insidern zufolge auf eine Bankenfusion - eine Wette, die bisher nicht aufging.

Weder kam der große Zusammenschluss zwischen den beiden Häusern zustande, auch wenn zeitweise darüber gesprochen wurde, noch gab es eine Fusion des einen oder anderen mit einer ausländischen Bank. Cerberus ließ Bitten um eine Stellungnahme unbeantwortet. Deutsche Bank und Commerzbank wollten sich nicht äußern.

Mega-Fusion beider Geldhäuser eher unwahrscheinlich

Auch Aktionärsschützer glauben nicht mehr an eine Fusion der beiden Großbanken. "Aus meiner Sicht hat Cerberus realisiert, dass es endgültig keine realistische Chance mehr gibt, dass eine Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank realisiert werden kann", kommentierte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), den Rückzug. Dazu hätten der Erfolg der Sanierung der Deutschen Bank und die neue Strategie der Commerzbank beigetragen, aber auch die neue Bundesregierung, merkte der Anlegeranwalt an.

Deka-Bankanalyst Andreas Thomae sieht den Ausstieg nüchtern: "Cerberus hat sich opportunistisch bei steigenden Kursen von einem Teil seiner Investments getrennt." Strategieänderungen seien dadurch nicht zu erwarten. "Beide Banken sind auf einem guten Erholungspfad."

Bei der Commerzbank hatte Cerberus dazu durchaus beigetragen: Der Großaktionär machte so lange Druck auf Bankchef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann, bis beide im Sommer 2020 im Streit um einen härteren Sanierungskurs gleichzeitig das Handtuch warfen. Zielkes Nachfolger Manfred Knof griff dann deutlich radikaler durch. 

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