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"Der Flurfunk funktioniert auch digital prima", sagt Claudia Briem

"Jeden Tag im Büro? Das kommt nie wieder", ist die Personalchefin der BayernLB überzeugt. Im Interview mit FinanzBusiness erläutert sie das "New Work"-Konzept des Instituts und was das für Führungskräfte bedeutet.

Claudia Briem, Bereichsleiterin Personal der BayernLB. | Foto: BayernLB

Jüngst geriet die BayernLB in die Schlagzeilen. Das Institut will sich von seinem Stammsitz in der Brienner Straße in München trennen. Von Kosteneinsparungen durch den Verkauf der Immobilie in einer Top-Lage der bayerischen Landeshauptstadt will Claudia Briem, seit dem vergangenen Sommer, Bereichsleiterin Personal der Landesbank, nichts wissen.

Es geht uns aus Sicht der Personalabteilung nicht um Kosten. Wir investieren in Architektur, IT und in eine moderne Büroausstattung. Wir wollen ein moderner, attraktiver Arbeitgeber in München sein.

Claudia Briem, Bereichsleiterin Personal BayernLB

"Es geht uns aus Sicht der Personalabteilung nicht um Kosten. Wir investieren in Architektur, IT und in eine moderne Büroausstattung. Wir wollen ein moderner, attraktiver Arbeitgeber in München sein", sagt sie im Interview mit FinanzBusiness. Und das kann die BayernLB ihren Angestellten an der Brienner Straße nicht bieten.

Briem beschreibt die jetzige Immobilie: "Lange, dunkle Gänge, wenig Licht und eine bescheidene WLAN-Verbindung." Was der Personalchefin, die vorher viele Jahre beim Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt tätig war, vorschwebt: "Ein helles Gebäude mit viel Licht, Räumen für Begegnung und Kreativität." Die Mitarbeiter sollen bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Büroräume beteiligt werden, kündigt sie an.

Eins steht aber fest: Nur sieben von zehn Mitarbeitern haben heute schon bei einigen Bereichen einen Arbeitsplatz vor Ort und auch keinen festen. Wer ins Büro kommen will, muss seinen Schreibtisch vorher online buchen. "Das funktioniert gut", meint die Personalchefin des Instituts.

Nicht nur, aber gerade auch in der jüngeren Generation wird von den Mitarbeitern Flexibilität erwartet. Manche machen gerne am Mittag eine Stunde Fitness. Dafür sitzen sie dann am Abend noch am Rechner.

Claudia Briem, Bereichsleiterin Personal BayernLB

Jeden Arbeitstag verbindlich im Büro verbringen? Für Briem ist das Vergangenheit. "Nicht nur, aber gerade auch in der jüngeren Generation wird von den Mitarbeitern gegenüber dem Arbeitgeber Flexibilität erwartet. Manche machen gerne am Mittag eine Stunde Fitness. Dafür sitzen sie dann am Abend noch am Rechner", sagt Briem. Auch junge Mütter bräuchten Flexibilität.

Die bei der BayernLB nahezu unbegrenzte Möglichkeit des Home-Office passt für die Personalchefin zur Unternehmenskultur: "Bei uns wird sich geduzt, ohne dass es Pflicht ist. Wer in Jeans und Pulli ins Büro kommen möchte kann das tun. Wer sich in der Arbeit so wohler fühlt, kann auch so im Büro erscheinen."

Alle Teile zusammengenommen ergäben ein Puzzle, das sich gut zum Unternehmensclaim der BayernLB passe: "Fortschrittsfinanzierer". Mit diesem Aufdruck gibt es auch ein Hoodie, das selbst Manager beim Onboarding zur Verfügung gestellt bekommen.

Was in München gilt, gilt auch anderswo

Briem bestreitet, dass Arbeitgeber in München besonders attraktiv sein müssen. Dort ist der Sitz von Technolgieunternehmen ebenso wie Automobilkonzernen, die gerade im IT-Bereich mit Banken um Talente kämpfen. "New Work hat nichts mit dem 'war for talents' zu tun. Was in München gilt, hat auch seine Berechtigung in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf. Es ist einfach der Zeitgeist, die Mitarbeiter erwarten das. Und es gibt auch kein Zurück mehr, die alten Zeiten von 100 Prozent Präsenz im Büro  werden nicht mehr zurückkehren."

Führung wird jetzt anders werden. Es braucht neue Skills und Vertrauen.

Claudia Briem, Bereichsleiterin Personal BayernLB

Gleichwohl: des einen Freud ist des anderen Leid. Briem gesteht ein, dass Vorgesetzte jetzt umdenken, und vor allem dazulernen müssen. "Führung wird jetzt anders werden. Es braucht neue Skills und Vertrauen."

Es sei anspruchsvoller, hybride Teams zu leiten. Vorgesetzte müssten lernen, auch über den Bildschirm emphatisch zu sein. "Führungskräfte müssen sich mehr Zeit für Führung nehmen", gibt die Personalchefin die Linie vor. Man könne auch über den Bildschirm Emphatie zeigen. "Etwa indem man den gemeinsamen Arbeitstag mit einem virtuellen Kaffee beginnt oder - wie bei agilen Methoden - vor und nach dem virtuellen Meeting ein check-in oder ein check-out mit den Teammitgliedern durchführt ", schildert sie.

Investieren in Führungskräfte

Doch auch Briem ist bewusst, dass dies leichter gesagt als in der Praxis umgesetzt ist. "Darum werden wir in diesem Jahr auch verstärkt in die Fortbildung von Führungskräften investieren", kündigt sie im Interview an.

Nur über eines müssten sich Vorgesetzte auch in der neuen, hybriden Arbeitswelt keine Gedanken machen. "Der Flurfunk, der funktioniert auch digital prima. Da bin ich manchmal selbst überrascht", sagt die BayernLB-Personalchefin.

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