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Sewing und Théry fordern starken europäischen Finanzbinnenmarkt

Die EU-Taxonomie müsse die schrittweise Transformation zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Die Kapitalmarktunion stehe zu wenig im Fokus der Öffentlichkeit, schreiben der deutsche und der französische Bankenpräsident in einem Gastbeitrag.

Nicolas Théry (l.) und Christian Sewing. | Foto: Fédération Bancaire Francaise

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Christian Sewing, und sein französischer Verbandskollege Nicolas Théry haben in einem Handelsblatt-Gastbeitrag die Notwendigkeit eines europäischen Finanzbinnenmarktes betont. Es müsse aber noch mehr Kapital mobilisiert werden. Die Kreditinstitute bräuchten dazu "bessere Rahmenbedingungen".

Wir dürfen uns nicht nur auf Vorhaben beschränken, die bereits eindeutig grün sind. Vielmehr müssen wir auch die schrittweise Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen.

Christian Sewing Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Nicolas Théry, Präsident des französischen Bankenverbands

Dies gelte beispielsweise für die EU-Taxonomie, die definiert, welche Finanzierungen künftig als nachhaltig gelten. "Hier dürfen wir uns nicht nur auf Vorhaben beschränken, die bereits eindeutig grün sind. Vielmehr müssen wir auch die schrittweise Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen", heißt es in dem Gastkommentar.

Für das Transformationsprojekt zu mehr Umweltschutz würden jährlich mehr als 350 Mrd. Euro benötigt. Hinzu kämen 125 Mrd. Euro für die Digitalisierung. "Hierfür muss vor allem privates Kapital mobilisiert werden." Schon jetzt sehen Sewing und Théry viele deutsche und französische Banken darauf gut vorbereitet.

Notwendig sei ein "starker europäischer Banken- und Kapitalmarkt, um den Wandel der Wirtschaft wirksam und effizient finanzieren zu können."

Die Kapitalmarktunion zählt leider zu jenen Projekten, die unter dem Radar der Öffentlichkeit und auch großer Teile der Politik laufen, obgleich sie für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft von großer Bedeutung sind.

Christian Sewing Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Nicolas Théry, Präsident des französischen Bankenverbands

Hier haben die beiden Bankenlobbyisten allerdings ein Wahrnehmungsproblem ausgemacht: "Die Kapitalmarktunion zählt leider zu jenen Projekten, die unter dem Radar der Öffentlichkeit und auch großer Teile der Politik laufen, obgleich sie für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft von großer Bedeutung sind." 

Sie fordern deshalb von der deutschen und von der französischen Regierung, "ihr Gewicht in die Waagschale [zu] werfen, um in dieser Frage signifikante Fortschritte zu erzielen". Auch erhoffen sie sich von der französischen EU-Ratspräsidentschaft "weitere wichtige Impulse im nächsten Halbjahr", wie sie im Handelsblatt schreiben. Diese startet am 1. Januar.

Lob für den Ampel-Koalitionsvertrag

Beide loben ausdrücklich den Koalitionsvertrag der neuen Ampelkoalition. Dieser schaffe "neue Perspektiven" für mehr Klimaschutz. Er stärke die "globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft" und die Souveränität Europas.

Jens Tolckmitt fürchtet weniger Banken-Immobilienfinanzierungen durch Basel III

Als Gefahr für eine akkurate Unternehmensfinanzierung haben die beiden Bankenpräsidenten indes die Verschärfungen der Baseler Kapitalstandards ausgemacht. Man dürfe sich dabei nicht zu stark an US-amerikanischen Modellen orientieren. Dies würde den "Zugang zu Immobilienkrediten sowie die Finanzierung von Unternehmen" unnötig erschweren.

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