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S&P stärkt Grenke durch Bestätigung des Emittentenratings den Rücken

Nach erneuten Anschuldigungen durch den Shortseller Fraser Perring hat die Ratingagentur das lang- und kurzfristige Emittentenrating des Konzerns bestätigt. Zu diesem Anlass hat FinanzBusiness eine Jahreschronik des in die Kritik geratenen Finanzierungsdienstleisters zusammengestellt.

Michael Bücker, CEO von Grenke. | Foto: Grenke

Beim Leasingspezialisten Grenke geht das insgesamt turbulente Jahr gemäßigt zu Ende. Die Rating-Agentur S&P hat das lang- und kurzfristige "BBB+/A-2" Emittentenrating des Konzerns bestätigt. Den Ausblick für das Langfrist-Rating beließ S&P allerdings auf "negativ".

Des Weiteren wurde das Emissionsrating für die Hybridanleihen von "BB-" auf "BB" angehoben. Hintergrund der Maßnahme ist eine von Standard & Poor’s am 9. Dezember veröffentlichte neue Bewertungsmethodik für Banken und Finanzinstitutionen. Diese ermögliche unter anderem den Einbezug weiterer Kreditfaktoren bei der Bestimmung des Stand Alone Credit Profile (SACP).

Auf dieser Basis hat S&P auch das Stand-Alone-Rating von Grenke um eine Stufe erhöht. Die Rating-Agentur begründet die Anpassung damit, dass sie bei Grenke im Vergleich zu Finanzinstituten mit einer ähnlichen Kreditwürdigkeit weiterhin ein höheres Rentabilitätsniveau und bessere risikobereinigte Margen erwartet und dies bislang nicht im SACP berücksichtigt worden sei.

Aktuell drei AT1-Anleihen ausstehend

Die GBB-Rating Gesellschaft für Bonitätsbeurteilung hatte das Rating für den Konzern am 1. Juli von "A" auf "A-" gesenkt.

Laut Grenke-Webseite hat der Konzern aktuell drei AT1-Anleihen ausstehend. Die älteste wurde im Juli 2015 begeben und weist einen Zinssatz von 8,25 Prozent auf. Es folgte eine weitere im September 2017 (7,00 Prozent) und im Dezember 2019 (5,375 Prozent). Zudem hat die Tochtergesellschaft Grenke plc eine Reihe von Anleihen begeben, die durch den Konzern garantiert sind.

Chronik 2021: Personalrochade an der Konzernspitze

Für Grenke war 2021 von monumentalen Veränderungen an der Konzernspitze sowie im Aufsichtsrat geprägt. Nach den initialen Anschuldigungen durch den Shortseller Fraser Perring im Herbst 2020 hat das Unternehmen im Vorstand aufgeräumt: Finanzchef Sebastian Hirsch wurde 2020 offiziell zum CFO, seit Oktober diesen Jahres ist er zudem stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Isabel Rösler trat zu Jahresbeginn die neugeschaffene Position der Risikochefin an; wenig später verließ Mark Kindermann infolge der Kritik durch die Aufsichtsbehörde BaFin das Unternehmen.

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Im Mai gab es zunächst Entwarnung vonseiten der Wirtschaftsprüfer - KPMG attestierte den unter Beschuss geratenen Geschäftsbericht 2020 uneingeschränkt.

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Im Sommer folgte dann der nächste Paukenschlag: Die Vorstandsvorsitzende, Antje Leminsky, gab ihren Posten nach gut drei Jahren auf - mit Grenke habe sie den "härtesten Kampf ihres Lebens" geführt, schrieb sie. Seither kann man ihre Aktivitäten auf dem Karrierenetzwerk Linkedin verfolgen.

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Für sie holte Grenke den langjährigen BayernLB-Banker Michael Bücker zum 1. August als Nachfolger.

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Auf der Hauptversammlung Ende Juli wurde schließlich besiegelt, was bereits Monate zuvor gemunkelt worden war: Firmengründer Wolfgang Grenke, der seit seinem Abgang als CEO Anfang 2018 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender war, legte sein Amt endgültig nieder. Er hatte sein Mandat infolge der Shortseller-Attacke zunächst temporär ruhen lassen. Zudem verließen Claudia Krcmar und Florian Schulte - offiziell auf eigenen Wunsch - den Aufsichtsrat, auf sie folgten Norbert Freisleben und Konstantin Mettenheimer.

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Seither hat der Konzern seine Gewinnprognose infolge des Verkaufs seiner Anteile an Viafintech angehoben, die Prognose für das Neugeschäft allerdings nach unten korrigiert. Als negative Faktoren werden die anhaltende Corona-Pandemie und makroökonomische Trends zur Begründung herangezogen.

Shortseller legt nach

In der Zwischenzeit hat Shortseller Perring vor wenigen Wochen erneut nachgelegt: Er schrieb auf Twitter, dass der Grenke Bank der Rauswurf aus dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken drohen könnte. Dabei bezog er sich auf einen Kapitalmarktprospekt vom 13. Juli 2021 zur Begebung einer Anleihe. In diesem heißt es, dass der Prüfungsverband deutscher Banken eine Untersuchung über die Mitgliedschaft der Grenke Bank im Einlagensicherungsfonds durchführe. Offiziell wies das Unternehmen die Vorwürfe laut "Börsen-Zeitung" zurück. Es scheint, als müsse sich der Grenke-Konzern auch 2022 auf weitere Kapitalmarkt-Gefechte einstellen.

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