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BIZ-Chef Agustín Carstens wettert gegen Schattenbanken

Carstens macht Marktteilnehmer außerhalb der klassischen Bankenbranche für jüngste Turbulenzen verantwortlich und fordert, diese Akteure stärker zu beaufsichtigen.

BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens | Foto: picture alliance/AP Photo | Jose Luis Magana

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat deutlich dazu aufgefordert, Schattenbanken stärker an die Leine zu nehmen. Angesichts jüngster Marktturbulenzen, in deren Zentrum solche Finanzfirmen standen, hält die BIZ eine engere Kontrolle für erforderlich, wie die in Basel ansässige Notenbank der Notenbanken in ihrem Quartalsbericht schrieb.

Solche wiederholten Vorkommnisse legen nahe, dass der Status quo nicht akzeptierbar ist.

BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens

"Solche wiederholten Vorkommnisse legen nahe, dass der Status quo nicht akzeptierbar ist", schrieb BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens. Jüngste Turbulenzen an den Anleihemärkten zeigten, dass Schattenbanken sogar auch die Geldpolitik beeinflussen könnten.

Schattenbanken können Börsengewitter verstärken

Solche Finanzfirmen abseits der traditionellen Banken, zu denen unteren anderem Hedge- und Geldmarktfonds, alternative Investmentfonds und spezielle Börsenhändler gezählt werden, kommen laut BIZ inzwischen für fast die Hälfte der weltweiten Finanzanlagen auf. Sie bieten Finanzierungsmöglichkeiten an, die traditionelle Banken nicht abdecken und erfüllen somit laut BIZ wichtige Funktionen im Finanzsystem. Allerdings können ihre Aktivitäten auch Börsengewitter verstärken und die Stabilität des Finanzsystems untergraben. Zeitweise, wie im Frühjahr 2020 zu Beginn der Corona-Krise, mussten sogar Zentralbanken einschreiten, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Ein Element der Antwort sollte eine bessere Information durch stärkere Überwachung, erhöhte aufsichtliche Berichtspflichten und Offenlegung sein

BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens

Der aufsichtliche Rahmen für Schattenbanken müsse grundlegend überarbeitet werden, forderte Carstens. "Ein Element der Antwort sollte eine bessere Information durch stärkere Überwachung, erhöhte aufsichtliche Berichtspflichten und Offenlegung sein", führte er aus. Zudem müsse sichergestellt werden, dass solche Finanzgesellschaften in guten Zeiten Kriegskassen aufbauen. Liquiditätshilfen der Notenbanken in Stresssituationen sollten nicht die einzigen Mittel bleiben, um die Lücken zu schließen.

Auch Isabel Schnabel warnte vor Schattenbanken

In der Europäischen Union hat der Sektor trotz Corona-Krise zuletzt weiter an Bedeutung zugelegt. Im vierten Quartal 2020 verwalteten in der EU Finanzgesellschaften abseits der traditionellen Banken Vermögenswerte von 39,4 Billionen Euro, ein Plus von 1,5 Prozent binnen Jahresfrist, wie der Europäische Systemrisikorat (ESRB) im Sommer mitteilte. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte vor einigen Monaten gewarnt, solche Finanzfirmen hätten in ihren Bilanzen erhebliche Liquiditäts- und Kreditrisiken angehäuft. In einem Abschwung seien diese Gesellschaften dann womöglich weniger in der Lage, Verluste zu verkraften. Das könne dann auch die Geldpolitik beeinträchtigen.

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