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Ostdeutsche Sparkassen erwarten auch 2022 weniger Gewinn

Der OSV-Präsident Michael Ermrich zeigt sich im Interview aber zuversichtlich, dass die Prognose für 2021 erreicht werden kann. Auch sieht er noch Möglichkeiten, die Kosten der Institute weiter zu senken.

Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands. | Foto: picture alliance/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul

Die ostdeutschen Sparkassen erwarten auch 2022 und damit das fünfte Jahr in Folge weniger Gewinn. "Wir rechnen mit einem weiter sinkenden Ergebnis, werden aber gegensteuern", sagte der Präsident des Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV), Michael Ermrich, der Nachrichtenagentur Reuters. "In der Tendenz wird es eine Seitwärtsbewegung geben." Die niedrigen Zinsen, steigende regulatorische Kosten und auch die Corona-Krise sorgten für Gegenwind.

Die Prognose vom Halbjahr werden wir erreichen.

Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

Im August hatte der OSV geschätzt, dass das operative Ergebnis seiner 43 Mitgliedsinstitute 2021 voraussichtlich um rund elf Prozent auf 1,03 Mrd. Euro sinken werde. "Die Prognose vom Halbjahr werden wir erreichen", betonte Ermrich.

Der seit Jahren extrem lockere Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) setze die Institute unter Druck. "Der Zinsüberschuss sinkt weiter." Auch ein gutes Kreditgeschäft und die Provisionsüberschüsse könnten das nicht auffangen. Deshalb müssten die Sparkassen weiter an der Kostenschraube drehen. "Die Prozesse kann man weiter vereinheitlichen, etwa bei der Kontoeröffnung", erläuterte Ermrich.

Es gibt noch Möglichkeiten, die Kosten weiter zu senken.

Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

Auch wenn die Sparkassen in den vergangenen Jahren bereits den Gürtel enger geschnallt hätten, betonte der OSV-Chef: "Es gibt noch Möglichkeiten, die Kosten weiter zu senken." So sei Teil der Strategie 2025 ein verstärkter Austausch und mehr Beratung zwischen den einzelnen Sparkassen. Dies könnte helfen Synergien zu heben.

Zurück zu normalen Verhältnissen bei der Geldpolitik

Ermrich nannte es wichtig, dass man bei der Geldpolitik wieder zu normalen Verhältnissen komme. "Die EZB muss die Politik des billigen Geldes zurückfahren", forderte der Sparkassen-Lobbyist. "Zinserhöhungen müssten in ganz kleinen Schritten kommen. Aber ich denke, da kommt man nicht umhin."

Besorgt zeigte sich der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) auch über die Inflation, die zuletzt mit 5,2 Prozent auf den höchsten Wert seit 1992 kletterte. "Ich glaube nicht, dass der aktuell starke Inflationsanstieg im nächsten Jahr deutlich nachlässt." Es gebe das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale. Dies wirke auch wie eine Art Enteignung für Verbraucher. "Der normale Sparer verliert jedes Jahr Geld, das dann bei der Altersvorsorge fehlt - das ist ein Riesenproblem." Deshalb müsse bei der Rente dringend etwas passieren. "Ich hoffe, dass die künftige Regierung hier neue Impulse setzt."

Der 68-jährige Ermrich ist seit Mitte 2013 Chef des OSV und übergibt den Posten am 1. Januar 2022 an seinen Nachfolger Ludger Weskamp, einen Brandenburger Kommunalpolitiker. Der Verband vertritt die Interessen aller Sparkassen in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In der achteinhalbjährigen Amtszeit Ermrichs gab es zwei Sparkassenfusionen, die Zahl der Sparkassen-Beschäftigten fiel um rund 20 Prozent auf gut 18.000 und die Zahl der Geschäftsstellen sank um über ein Viertel auf 1122. "Filialschließungen in den vergangenen Jahr haben viel mit verändertem Kundenverhalten und dem verstärkten Online-Banking zu tun", sagte Ermrich. Weitere Fusionen sehe er derzeit nicht.

Wir sind nach wie vor in der Fläche vertreten.

Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

"Wir sind nach wie vor in der Fläche vertreten", betonte Ermrich mit einem Seitenhieb auf Privatinstitute wie Deutsche Bank und Commerzbank, die ihr Filialnetz kräftig ausgedünnt haben. Zur Nutzung von Geldautomaten will Ermrich auch andere mit ins Boot holen: "Da kann man sich auch vorstellen, künftig mit den Genossenschaftsbanken vielleicht zusammenzuarbeiten, um die Bargeldversorgung in dieser Form aufrechtzuerhalten."

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