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Bankenbranche dringt auf Überdenken der Krisen-Geldpolitik

Negativzinsen dürfen kein dauerhaftes Instrument der Geldpolitik sein, fordert BdB-Präsident Christian Sewing. Mit Blick auf den Finanzbinnenmarkt und die Kapitalmarktunion mahnt Sewing zur Eile.

Christian Sewing, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken | Foto: BdB

Deutschlands Banken fordern angesichts der steigenden Inflation ein Überdenken der Krisen-Geldpolitik im Euro-Raum.

Vieles spreche dafür, dass die Inflation im Währungsgebiet mittelfristig nicht mehr auf das Vor-Pandemie-Niveau von deutlich unter zwei Prozent zurückfalle, sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Christian Sewing. Sewing sprach heute bei einem Online-Pressegespräch im Vorfeld der Herbsttagung von IWF und Weltbank.

Auch die Geldpolitik sollte deswegen offen über Wege diskutieren, die aus dem gegenwärtigen Ausnahmezustand herausführen

Christian Sewing, BdB-Präsident

"Auch die Geldpolitik sollte deswegen offen über Wege diskutieren, die aus dem gegenwärtigen Ausnahmezustand herausführen", ergänzte der Deutsche-Bank-Chef.

Sewing prangert Negativzinsen an

Besonderes Dorn im Auge sind Sewing die Negativzinsen. "Insbesondere die Negativzinsen, die seit Mitte 2014 die europäischen Banken erheblich belasten, können und dürfen kein dauerhaftes Instrument der Geldpolitik sein", führte er aus. Es gebe Möglichkeiten für die Zentralbank, bereits kurzfristig aktiv zu werden. Die Belastungen für die Banken müssten verringert werden. Dabei hat Sewing die hohe Überschussliquidität im Blick, auf die die Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen. In seiner Rede nannte er den Betrag von 17 Mrd. Euro, den europäische  die europäischen Banken mehr an die EZB jährlich zahlen müssten. "Hier muss dringend gegengesteuert werden", sagte er.

Nicht nur für die Banken, sondern auch für die Volkswirtschaft sei es wichtig, dass ein Weg aus den Negativzinsen gefunden werde, sagte Sewing. Er wies darauf hin, dass seit Beginn der Pandemie die Überschussliquidität, für die die Banken Negativzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, von 950 Mrd. Euro auf gut 3,4 Billionen Euro angestiegen sei. Berücksichtigt sei dabei bereits der Freibetrag von aktuell rund 900 Mird. Euro.

Die EZB verlangt seit 2014 Strafzinsen von den Instituten, wenn diese bei ihr überschüssige Gelder parken. Zur Zeit liegt der sogenannte Einlagensatz bei minus 0,5 Prozent. Seit Herbst 2019 räumt sie allerdings auch Freibeträge für die Banken ein, so dass nicht mehr auf alle geparkten überschüssigen Gelder Strafzinsen fällig werden. "Eine Erhöhung dieses Freibetrages, das wäre zum Beispiel ein Weg", sagte Sewing.

Mehr Tempo bei Finanzbinnenmarkt und Kapitalmarktunion

Wie bereits in einer Rede im Vormonat thematisierte Sewing das Thema Kapitalmarktunion und mahnte dabei, ebenso wie bei der Vollendung des Finanzbinnenmarkts, zur Eile. "Die Arbeiten an der Kapitalmarkt- und der Bankenunion müssen in den kommenden Monaten allergrößte Priorität genießen", sagte Sewing.

"In Europa haben wir viel dafür getan, Banken nicht mehr groß werden zu lassen", kritisiert Christian Sewing 

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