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Commerzbank und Verdi nähern sich bei Haustarifvertrag an

In zwei von vier Fragen könnten sich die Beteiligten einigen. In zwei anderen stellt sich das Management aber noch quer, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann FinanzBusiness.

Stefan Wittmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär und Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank. | Foto: privat

Die Chancen, dass die Gewerkschaften und die Management der Commerzbank auf einen Haustarifvertrag einigen können, stehen so schlecht nicht. Das sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär und Commerzbank-Aufsichtsrat Stefan Wittmann FinanzBusiness.

Verdi hatte die Forderung nach einem Haustarifvertrag in der laufenden Tarifrunde für die rund 140.000 Beschäftigten im privaten Bankgewerbe aufgebracht.

Verdi drängt bei der Commerzbank auf einen Haustarifvertrag

"In zwei von vier Punkten könnten wir uns einigen", sagte Wittmann. Kompromisse seien demnach im Bereich der Standortsicherung und auch der Arbeitszeiten.

Soll in den digitalen Beratungszentren von Deutschlands zweitgrößter Geschäftsbank künftig auch an Samstagen gearbeitet werden, braucht es einen Haustarifvertrag, denn der derzeitige Branchentarifvertrag sieht Arbeit am Samstag nicht vor. Auch bei der Standortsicherung für die 13 von der Commerzbank geplanten digitalen Beratungszentren gibt es keine größeren Hürden, schildert Wittmann im Gespräch mit FinanzBusiness.

Management blockt bei Kündigungsschutz

In den beiden anderen Punkten liegen die Vorstellungen aber noch weit auseinander, so der Gewerkschaftssekretär. Da ist zum Beispiel der von Verdi geforderte Kündigungsschutz. Wittmann kann den Standpunkt des Managements nicht nachvollziehen. "Die Instrumente der Restrukturierung verhindern ohnehin, dass über den geplanten Personalabbau hinaus Kündigungen nicht möglich sind", sagte Wittmann FinanzBusiness.

Das Commerzbank-Management um CEO Manfred Knof, hat sich betriebsbedingte Kündigungen als Ultima Ratio zur Umsetzung des im Februar angestoßenen Restrukturierungsprozesses allerdings offen gehalten.

Auf Granit beißt Verdi bei der Commerzbank-Führung auch mit seiner Forderung, dass der Tarifabschluss auch auf die übertariflich bezahlten Angestellten übertragen wird.

650 Commerzbanker streikten in NRW

Verdi ist in Deutschlands zweitgrößter Geschäftsbank recht gut organisiert. 30 Prozent der nicht-leitenden Commerzbank-Angestellten sind Mitglied der Gewerkschaft. So hat sich der Warnstreik in Nordrhein-Westfalen in der zurzeit laufenden Tarifrunde für das private Bankgewerbe auch auf die Commerzbank konzentriert. Nach Angaben von Wittmann hat eine dreistellige Anzahl von Commerzbankern teilgenommen. An einem virtuellen Warnstreik hätten sich weitere mehrere Hundert Angestellte beteiligt. Wittmann sprach von 650 Streikenden.

Die Commerzbank hat im Zuge ihrer im Februar angestoßenen Restrukturierung ein umfangreiches Stellenabbauprogramm angekündigt. Es sollen 10.000 Jobs wegfallen, in Deutschland jeder dritte. Zwar hatten sich Management und Betriebsrat im Grundsatz geeinigt.

Commerzbank-Restrukturierung vermeidet betriebsbedingte Kündigungen 

Im Detail stockt aber der zu vereinbarende Interessenausgleich, sagte Wittmann FinanzBusiness. Von den 25 Teilen seien erst knapp die Hälfte ausverhandelt. Für ein Weiterkommen fehle die notwendige Datenlage, bemängelte der Gewerkschaftssekretär.

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