FinanzBusiness

2022 werden wirtschaftliche Folgen der Covid-Pandemie für Banken schlagend

Trotz eines erwarteten Anstiegs notleidender Kredite nach dem Ablauf der staatlichen Hilfsmaßnahmen, bleibt die Bereitschaft der von EY befragten Banken hoch, die Neukreditvergabe im nächsten Jahr zu steigern.

(v.l.) Michael Berndt, Christoph Roessle | Foto: EY

Für Banken bleiben die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein Thema, das sie künftig noch stärker beschäftigten wird. Rund vier von fünf der Instituten rechnen mit wirtschaftlichen Folgen im ersten und zweiten Halbjahr 2022.

Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY in ihrer heute veröffentlichten Kreditmarktstudie 2021. EY hat dazu 100 Kreditmanager befragt.

Das dicke Ende der wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie steht aus Sicht der deutschen Kreditinstitute erst noch bevor.

Michael Berndt, Partner in der Finanzdienstleistungsberatung bei EY EMEA

"Das dicke Ende der wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie steht aus Sicht der deutschen Kreditinstitute erst noch bevor", sagt Michael Berndt, Partner bei EY in der Mitteilung zur Studie.

Kreditqualität verschlechtert sich

Fast die Hälfte (49 Prozent) der 100 befragten Bankmanager rechnen im ersten Halbjahr 2022 und 29 Prozent im zweiten Halbjahr 2022 mit zunehmenden Insolvenzen von Unternehmen und Privathaushalten. Insgesamt gehen 74 Prozent der Kreditinstitute davon aus, dass sich die Kreditqualität verschlechtern wird, also dass die Bonität der Kreditnehmer leidet und die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt.

Immerhin drei von vier Instituten rechnen mit einem Anstieg der notleidenden Kredite (non performing loans - NPL) um bis zu 20 Prozent.

Mehr Neukreditvergabe

Dennoch wollen 61 Prozent der Banken die Neukreditvergabe in den kommenden zwölf Monaten steigern, nur bei 13 Prozent soll sie sinken. Obwohl die Bereitschaft zur Kreditvergabe hoch ist, rechnen 45 Prozent der Befragten, dass die Branche in Zukunft insgesamt weniger Kredite ausgeben wird.

Anforderungen für Kredite werden steigen

Bankkunden werden in Zukunft striktere Dokumentation und höhere Sicherheiten liefern müssen. 63 Prozent der Bankmanager planen bessere Bonitäten zu verlangen und strengere Kennzahlen durchzusetzen.

Die Belastungen für die Kreditinstitute haben noch einmal zugenommen.

Christoph Roessle, Partner Strategie- und Transaktionsberatung Finanzdienstleistungen bei EY

"Die Belastungen für die Kreditinstitute haben noch einmal zugenommen", erklärt Christoph Roessle, Partner Strategie- und Transaktionsberatung Finanzdienstleistungen bei EY EMEIA. Er verweist auf die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) und strengere Risikovorsorge, die durch den von der EU eingeführten sogenannten NPL-Backstop von den Banken verlangt wird.

Bad Bank für notleidende Kredite nicht gefragt

Um das Problem mit notleidenden Krediten in den Griff zu bekommen, setzen die Banken vor allem auf eine individuelle Betreuung ihrer Kunden: Zwei Drittel (65 Prozent) sehen in einer aktiv betriebenen Restrukturierung die Lösung. Immerhin ein Drittel (32 Prozent) der befragten Manager kann sich die Veräußerung von NPLs über Einzeltransaktionen und 22 Prozent über Portfoliotransaktionen vorstellen. Die Gründung einer Bad Bank, in die man notleidende Kredite auslagern könnte, kommt dagegen nur für sieben Prozent der befragten Kreditmanager infrage.

Eine digitale NPL-Handelsplattform, wie sie die EZB und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) vorschlagen, sehen 43 Prozent für ihre Institut als unerheblich an und weitere 28 Prozent messen diesem Vorschlag nur geringe Bedeutung bei.

Mit Blick auf die Transformation des Kreditvergabeprozesse gibt rund ein Fünftel der Befragten an, bereits wesentliche Teile ihres Kreditprozesses automatisiert und digitalisiert zu haben. Bei 56 Prozent sind entsprechende Projekte in der Umsetzung.

Ausblick auf Ertragslage

19 der 100 befragten Institute gehen von einer Verbesserung ihrer Ertragslage aus. Weitere 37 Prozent zumindest keine Verschlechterung, schreiben die Verfasser in ihrem Bericht.

Mehr von FinanzBusiness

Verbände: Betrüger haben bei N26 die besten Karten

Sowohl der bayrische Genossenschaftsverband als auch der dortige Sparkassenverband machen der Neobank heftige Vorwürfe. Im Gespräch mit FinanzBusiness ist von mehreren Tausend Betrugsfällen die Rede, die über N26 laufen sollen. Die Neobank selbst sei für die Banken kaum zu erreichen, so die Kritik.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Trial banner

Neueste Nachrichten

Finanzjob