FinanzBusiness

"Die Transformation des Bankgeschäfts ist in vollem Gange", sagt Oliver Lüsch

FinanzBusiness Sommerinterview: Der Vorstandsvorsitzende der BB Bank gibt detaillierte Einblicke in die Ertragssituation seines Instituts, schildert, wie sich sein Haus auf eine mögliche vierte Welle vorbereitet und spricht über den Fachkräftemangel.

Oliver Lüsch, Vorstandsvorsitzender der BB Bank | Foto: BB Bank

Herr Lüsch, liegen Sie bei Erträgen und Kosten nach den ersten sechs Monaten im Plan?

"Wir blicken auf ein positives erstes Halbjahr. Die dynamische Geschäftsentwicklung setzt sich sowohl im Volumen als auch in der Ertragsrechnung fort. Unsere Kennzahlen liegen im Plan.

Das von uns betreute Kundengeschäftsvolumen hat im ersten Halbjahr die 30-Milliarden-Euro-Schwelle überschritten. In den ersten sechs Monaten haben wir um 1,9 Mrd. Euro oder 6,8 Prozent zugelegt. Der Mitgliederbestand hat sich in einem verteilten Marktumfeld per 30. Juni auf rund 486.000 Mitglieder erhöht. Das entspricht einer Steigerung von 1,5 Prozent. Die BB Bank gehört damit zu den größten Genossenschaftsbanken in Deutschland.

Das Zinsergebnis steht natürlich unter dem Einfluss der anhaltenden Negativzinsen der Europäischen Zentralbank. Wir können diesen Effekt aber durch das Provisionsergebnis mehr als kompensieren, sodass wir in der Hochrechnung auf Jahressicht mit einem Rohertrag, also Zins- und Provisionsergebnis, von rund 220 Mio. Euro rechnen. Dies entspräche einem Plus von 6,3 Prozent zum Vorjahr."

Kreditausfälle als Folge der Corona-Pandemie gibt es bei uns bislang keine und wir erwarten diese auch nicht.

Oliver Lüsch, Vorstandsvorsitzender der BB Bank

Wie steht es um Ihr Kreditbuch? Haben die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu Kreditausfällen geführt?

"Die BB Bank ist eine deutschlandweite Privatkundenbank mit Fokus auf den öffentlichen Dienst. Unser Kundenkreditbuch hat ein Volumen von über 8 Mrd. Euro und ist in den ersten sechs Monaten um vier Prozent gewachsen.. Es besteht hauptsächlich aus privaten Baufinanzierungen und Konsumkrediten. Kreditausfälle als Folge der Corona-Pandemie gibt es bei uns bislang keine und wir erwarten diese auch nicht."

Womit rechnen Sie im zweiten Halbjahr – auch mit Blick auf eine mögliche vierte Welle?

"Wir gehen davon aus, dass die dynamische Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr anhält. Insbesondere erwarten wir ein weiterwachsendes Baufinanzierungs- sowie Vermögensberatungsgeschäft. Auch das bargeldlose Bezahlen nimmt weiter zu. Das wirkt sich positiv auf die Nachfrage nach unseren Bank- und Kreditkarten aus.

Auf eine mögliche vierte Corona-Welle sind wir in der BB Bank vorbereitet - sowohl was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch unsere Kundinnen und Kunden betrifft.

Unabhängig von Corona lautet unsere 'Better Banking'-Strategie, dass wir als BB Bank digital-persönlich für unsere Kundinnen und Kunden da sind. Wir entwickeln uns zu einer bundesweiten Digitalbank mit Beratungszentren in den Metropolregionen. Als solche differenzieren wir uns durch persönliche Beratung von den klassischen Direktbanken.

Wir haben in den letzten Monaten einige Investitionsentscheidungen vorgezogen und die Erreichbarkeit unserer Bank massiv ausgeweitet.

Oliver Lüsch, Vorstandsvorsitzender der BB Bank

Wir haben in den letzten Monaten einige Investitionsentscheidungen vorgezogen und die Erreichbarkeit unserer Bank massiv ausgeweitet. Über Videoberatung und Telefon mit verlängerten Öffnungszeiten können wir unseren Kundinnen und Kunden die gleiche hochwertige Beratung bieten wie in unserem bundesweiten Filialnetz. Seit Kurzem sind wir auch per WhatsApp zu erreichen. Das wird sehr gut angenommen."

Fühlen Sie sich mit der gebildeten Risikovorsorge wohl oder müssen Sie nachbessern?

"Wie gesagt, wir sind eine Privatkundenbank mit Fokus auf den öffentlichen Dienst. Es besteht für uns derzeit kein Anlass, die Risikovorsorge zu überdenken."

Wir sprechen unsere Kundinnen und Kunden proaktiv auf alternative Anlagemöglichkeiten an.

Oliver Lüsch, Vorstandsvorsitzender der BB Bank

Hält der Strom von Neueinlagen an oder bemerken Sie ein Abflauen?

"Ja, der Zufluss an Kundengeldern hält unvermindert an. Es ist einfach so, dass durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sehr viel Geld in Umlauf ist. Wir sprechen unsere Kundinnen und Kunden proaktiv auf alternative Anlagemöglichkeiten an. 'Better Banking' bedeutet hier, die besseren Anlagelösungen gemeinsam mit ihnen zu entwickeln.

Wie entwickelt sich die Lage am Arbeitsmarkt für Bankerinnen und Banker?

"Banken sind ein attraktiver Arbeitgeber. Die Nachfrage nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung vor allen im gehobenen Beratungssegment auf der Anlage- wie der Kreditseite ist ungebrochen hoch.

Zunehmend gesucht werden Experten im Aufsichtsrecht und IT-Bereich. Hier stehen die Banken im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsbranchen. Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und auch künstliche Intelligenz verändern die Wirtschaft insgesamt und entsprechend groß ist die Nachfrage. Die Transformation des Bankgeschäfts ist in vollem Gange.

Bei der Ausbildung kann ich sagen, dass die Ausbildung zu Bankkaufleuten wichtig bleibt. Die Schwerpunkte ändern sich aber und die Berufsschulen haben dies gut umgesetzt. Wir bieten in der Bank seit einigen Jahren zudem ein Studium an der dualen Hochschule zu Wirtschaftsinformatikern an. Die Bewerberlage für diese Positionen ist gut."

Macht sich der Fachkräftemangel auch in Ihren Fachbereichen bemerkbar, und wenn ja – wo sind Sie derzeit besonders herausgefordert, vakante Positionen zu besetzen?

"Das kann ich klar mit Ja beantworten. Der Fachkräftemangel ist da. Als bundesweite Bank suchen wir in vielen Regionen nach Bankkaufleuten für freie Stellen im Filialvertrieb und in Karlsruhe für die Zentralbereiche. In grenznahen Gebieten zur Schweiz und den Benelux Staaten kann sich der Stellenbesetzungsprozess in Einzelfällen über längere Zeit hinziehen.

Vakante Stellen haben wir im IT Bereich. Wir suchen beispielweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Prozessautomatisierung, Anwendungsentwicklung, und Systemadministration."

Das FinanzBusiness Sommerinterview haben wir bereits geführt mit:

  • Andreas Dartsch, Vorstand für Risiko, Finanzen und IT der Sparkasse Köln-Bonn

"Wir legen vermehrt Wert auf innovative, kreative Köpfe", sagt Andreas Dartsch

  • Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf

"Wir werden unser Wachstumsziel beim Provisionsergebnis vermutlich nicht schaffen", sagt Karin-Brigitte Göbel

  • Markus Müller, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hessen

"Wir müssen bei der Risikovorsorge nicht nachbessern", sagt Markus Müller

  • Andreas Schulz, Vorstandsvorsitzender der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam

"Wir werden sicherlich einen Anstieg bei den Insolvenzen sehen, aber keine Pleitewelle", sagt Andreas Schulz
 

  • Wolfgang Thomasberger, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Rhein-Neckar

"Die Halbjahreswerte zeigen ein gemischtes Bild", sagt Wolfgang Thomasberger

  • Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse

"Wir sind sehr zuversichtlich, die gebildete Risikovorsorge nicht im dotierten Umfang zu benötigen", sagt Ingo Wiedemeier

  • Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen

"Kreditengagements sind bei uns keine anonymen Kontonummern und Risikoprofile", sagt Peter Hanker

Mehr von FinanzBusiness

Verbände: Betrüger haben bei N26 die besten Karten

Sowohl der bayrische Genossenschaftsverband als auch der dortige Sparkassenverband machen der Neobank heftige Vorwürfe. Im Gespräch mit FinanzBusiness ist von mehreren Tausend Betrugsfällen die Rede, die über N26 laufen sollen. Die Neobank selbst sei für die Banken kaum zu erreichen, so die Kritik.

Lesen Sie auch

Mehr dazu

Trial banner

Neueste Nachrichten

Finanzjob